28-04-2020 – Ein Drecksack?

Darf man einen Menschen einen Drecksack nennen? Natürlich nicht. Ein Freund hat es dennoch getan, sogar in der Zeitung. Und er hat recht damit. Der damalige Kreisleiter Drauz war ein Drecksack, der im April 1945 vor unserer Kirche einen Mann erschossen hat, der eine Panzersperre abbauen wollte. Die Leiche musste ein paar Tage dort liegen bleiben – zur Abschreckung. Ich muss immer daran denken, wenn ich über den Platz vor der Kirche gehe.

Wobei, irgendwie macht man sich auch viel zu viele Gedanken über die Täter, immer. Der alte Nazi kann uns heute ja egal sein. Möge er in der Hölle schmoren.

Denken wir jetzt 75 Jahre nach Kriegsende besser an die Opfer, an die, die unter den Nazis gelitten haben und ermordet wurden.

Und an die, die Deutschland befreit haben. Zu Beispiel an die 170 jungen Amerikaner, 20, 21 Jahre alt, die damals bei der Befreiung Heilbronns umkamen, und die Verwundeten. Eines der ersten Dinge, die die Amerikaner nach der Einnahme Sontheims getan haben, war übrigens, am 15. April um 11 Uhr, wie es im Amtskalender meines Vorgängers heißt, einen Standortgottesdienst in der Matthäuskirche zu halten. Es war uns eine Ehre.

Pfarrer Matthias Treiber

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27-04-2020 – Hoffnung verleiht Flügel

Der Montag ist der Pfarrers-Sonntag, sagt man. Dann trage ich in diesen Zeiten gerne mein Lieblings-T-Shirt. Mit einem Bibel-Spruch drauf. Es erinnert mich ans Verreisen. Gekauft habe ich es nämlich in einem amerikanischen Freizeitpark. Und als ich damit später einem amerikanischen Grenzschutzbeamten gegenüberstand, beglückwünschte der mich freudenstrahlend zu meinem christlichen Glauben. Das gefällt mir an Amerika, die offene Art mit dem Glauben umzugehen.

Wichtiger ist mir allerdings noch, was hier drauf steht. „Die auf den HERRN hoffen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Jetzt, so bei den Durchhängern wegen der Kontaktbeschränkungen, ist das doch eine wundervolle Verheißung. Und etwas, das ich spüre.

Wenn man vielleicht mieser Stimmung ist oder niedergeschlagen, tut Hoffnung auf Gott gut, tut ein Gebet gut, vielleicht auch nur ganz im Stillen für sich gesprochen. Wir sind ja nicht in den USA.

Hoffnung löst nicht unsere Probleme – aber Hoffnung verleiht Flügel.

Gott segne uns und gebe uns Hoffnung.

Ihr
Matthias Treiber

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25-04-25 – Süße wie eine (halbe) Orange

Orangen schälenIm Internet gibt es nichts, was es nicht gibt. Zum Beispiel hunderte von Tricks, wie man eine Orange schält. Dazu gibt da ein schönes Sprichwort – aus Panama oder aus China, wie man will: „Eine halbe Orange ist so süß wie eine ganze.“

Üblicherweise geht es da um Konsum: Zwei Wochen Strandurlaub sind so schön wie vier; ein halber Hummer so fein wie ein ganzer; ein Fiat 500 mindestens so schick wie ein großer VW.

In diesen Tagen hat das noch einen anderen Klang. Vieles ist halbiert: Kontakte mit lieben Menschen gibt es meist nur elektronisch; Einkaufen nur husch-husch und das Nötigste; keine Witze an der Haustüre mit dem Paketfahrer, weil er die Waren davor ablegt; und Gottesdienste nicht in der Kirche sondern via Internet zuhause.

Aber diese Tage machen uns klar, dass wir unser Leben nie als ganze Orange haben. Nie haben wir alles, was gut ist. Irgendwas fehlt immer und begrenzt unser Leben.

Und dennoch ist auch eine halbe Orange süß. Die Hälfte kann genügen. Manchmal ist das schmerzhaft, und manchmal können wir uns doch einfach an der süßen Hälfte, die uns gut tut, freuen.

Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer Matthias Treiber

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24-04-2020 -Freunde

IMG_1712Das sind die Plüschtiere, die den Engländer Alan Milne zu seinem Kinderbuch Winnie the Pu inspiriert haben. Sie gehörten seinem Sohn, Christopher Robin. Und aus dem Buch „Pu – der Bär“ möchte ich Ihnen einen kleinen Absatz vorlesen:

„Heute war ein schwieriger Tag,“ sagte Puuh. Es gab eine Pause. „Willst du darüber reden?“ fragte Ferkel. „Nein,“ sagte Puuh nach kurzem Überlegen. „Ich glaube nicht, dass ich das tue.“ – „Das ist okay,“ sagte Ferkel und er setzte sich neben seinen Freund – „Was machst du da?“ fragte Puuh. – „Eigentlich nichts,“ sagte Ferkel. „Nur, ich weiß, was schwierige Tage sind. Ich habe auch oft keine Lust, an meinen schwierigen Tagen darüber zu reden.“ „Aber,“ fuhr Ferkel fort, „schwierige Tage sind viel einfacher, wenn man weiß, dass jemand für einen da ist. Und ich werde immer für dich da sein, Puuh. Und als Puuh dort saß und seinen schwierigen Tag in seinem Kopf durcharbeitete, während das solide, zuverlässige Ferkel leise neben ihm saß und seine kleinen Beine schwang… dachte er, dass sein bester Freund noch nie mehr recht gehabt hätte, als jetzt.“

Freuen wir uns an den Menschen, die zu uns halten.
Und danken wir Gott dafür.

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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23-04-2020 – …wie eine Partie Schach

Ein nettes Meme macht gerade auf Facebook seine Runde: „Das Leben ist wie eine Partie Schach….“- „Ich kann kein Schach.“ Ja, da hat man etwas anderes erwartet. Aber die Einsicht muss wohl jeder mal gewinnen. Dass das Leben nicht Zug um Zug planbar ist und voranschreitet. Zum Glück. Wer will schon am Ende schachmatt gesetzt werden?

Aber so ganz stimmt das dann doch nicht. Die Regeln des Lebens kennen wir doch. Dass es besser ist, miteinander als gegeneinander zu leben. Dass das Leben Grenze hat, die wir Akzeptieren müssen. Dass Höhen dun Tiefen sich abwechseln. Und dass wir letztlich doch selbst für uns verantwortlich sind.

Deswegen gefällt mir ein anderes Zitat, das ich mal gefunden habe, besser: „Das Leben ist wie eine Partie Schach. Wir wissen nicht, was unser nächster Zug sein wird., obwohl wir wissen, wie man es spielt. Und – ganz wichtig: Wir können neue Züge lernen.“

Nichts hindert uns daran, etwas beim nächsten Zug, am nächsten Tag, besser zu machen.

Gott gebe uns den Mut und die Kraft dazu.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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22-04-2020 – Blut, Schweiss und Tränen

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Was kannst Du für Dein Land tun? – Gedenktafel am Grab von John F. Kennedy (Foto: Treiber)

Man hat ja oft gedacht, dass die Leute denjenigen Politikern hinterher rennen, die ihnen am meisten versprechen. Aber das ist nicht so, wie wir zur Zeit erleben. Vertrauen genießt die Person, die auch etwas von uns fordert: Geduld, zuhause bleiben und Rücksicht aufeinander. Und Vertrauen genießt auch der, der nicht behauptet, alles lösen zu können, oder sagt: Das wird schon wieder.

Es gibt da ein paar tolle Beispiele in der Geschichte: Winston Churchill, der seinen Briten am Beginn des Kriegs gegen die Nazis sagte, er könne ihnen nur „Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen“ versprechen. Oder John F. Kennedy, der den berühmten Satz sagte: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“ Die Formulierung stammt übrigens von einem Pfarrer, Georg Saint John, der Kennedys Schulleiter war. Und er klingt ja so, als sei er direkt von Jesus abgeleitet: „Was ihr von anderen erwartet, das tut ihnen.“ heißt es in der Bergpredigt.

Und genau das machen wir ja in diesen Tagen: Wir halten Abstand und nehmen Rücksicht, wir kaufen für andere ein und lassen uns nicht verrückt machen.

Gott segne uns!

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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21.04.2020 – Straßenkreide

Straße auferstandenEin tolles Bild auf der Straße beim nachösterlichen Spaziergang – „Das Grab ist leer!“ steht mit Kreide auf dem Boden gemalt. – Und darüber: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“ Eine Botschaft, die einen überfällt. Auch außerhalb der Kirche. Mitten im Grünen auf einem kleinen Fahrweg: Die Botschaft der Auferstehung. Lange diskutieren wird man hier nicht. Man wird darüber hinweg gehen – aber nur im wörtlichen Sinne. Denn beim Weitergehen bleibt das in mir drin: Christus ist wahrhaftig auferstanden! 

Ich weiß nicht, wie! Ich weiß nicht mal, was ich mir da vorstellen soll. Am besten gar nicht Am besten nur tief in sich die Gewissheit spüren: Gott ist mächtiger als der Tod. Das Leben siegt über den Tod. Nicht jetzt, nicht gleich. Aber in der Ewigkeit. Hier bleiben: Glaube, Liebe, Hoffnung. An einem schönen Frühlingstag am Ortsrand von Sontheim.

Blieben Sie behütet.

Ihr
Matthias Treiber

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20-04-2020 – Jeder einzelne zählt

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1.767 Teile – Das Empire State Building für zuhause (Foto: Treiber)

Was man alles macht, wenn man so zuhause ist. Das Empire States Building zum Beispiel, 1.767 Teile. Ein Wochenend-Projekt. Was vorher die Städte in Norditalien waren, ist nun New York – die gewaltige Spitze der Corona-Pandemie. Und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass nicht alle soviel Glück haben wie wir. Nur weil bei uns nur wenige betroffen sind, sollten wir nicht denken, es sei vorbei. Im Gegenteil. Am Samstag bin erschrocken, weil bei den Todesanzeigen in der Zeitung erstmals ausdrücklich das Corona-Virus als Ursache genannt wurde.

Jeder einzelne Tod durch Krankheit ist ein unzeitiger Tod, auch wenn die Opfer vielleicht alt oder körperlich beeinträchtigt waren. Auf „Herdenimmunität“ zu setzen, klingt für mich zynisch. Jeder verdient Erbarmen. Als Lazarus in der Bibel stirbt, weint Jesus, weint Gott selbst über einen einzigen Menschen. 10.000 Menschen wohnen übrigens im Empire State Building, 25.000 arbeiten dort.  Wir sind viele, die vom Virus bedroht sind, und jeden einzelnen von uns möge Gott behüten.  

Ihr Pfarrer Matthias Treiber

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18-04-2020 – Lieferservice

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Symbolbild von Andrea Haufer-Murrweiss

Der Döner-Laden bei uns an der Ecke hat eine ganz eigene Hygienevorkehrung getroffen. Das Lokal ist abgeschlossen, aber man kann eine Handy-Nummer dort anrufen, sein Essen bestellen und es dann durch einen Schalter in Empfang nehmen. Gute Idee, das Restaurant gegenüber hat das nun allerdings aufgegeben. Das hat sich wohl nicht gelohnt.

In der Ethik gibt es dazu aktuell eine interessante Diskussion. Kann man es ethisch verantworten, sich Essen liefern zu lassen?

Der Lieferant steht vor der Frage, bleibe ich zuhause und verdiene nichts oder liefere ich und gefährde mich dadurch?

Die ethische Frage für uns Konsumenten ist, ob uns das egal ist, oder wie eine ethische richtige Entscheidung für uns aussieht. Auch wenn wir Essen abholen oder selbst Kochen und nur Zutaten einlaufen, gefährden wir andere.

Sie merken, wie man es macht, ist es verkehrt – und richtig: Wir müssen auch andere schützen und gleichzeitig sind andere darauf angewiesen, dass wir bei ihnen einkaufen.

Eine Krise zeigt immer das gleiche: Es gibt kein eindeutiges richtig oder falsch. Wir müssen uns immer irgendwie durchlavieren – und suchen, was die beste, oder die am wenigsten schlechte Lösung ist. Und versuchen, dabei gerecht und solidarisch zu sein – und es beim nächsten Mal versuchen, besser zu machen.

Gott hat nie von uns verlangt, dass wir vollkommen sind. Es genügt, wenn wir unser Bestes versuchen, gut zu sein.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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17-04-2020 – Das Käthchen von Heilbronn

Käthchen

Käthchen-Statue von Dieter Läpple (Foto und Gestaltung: Andrea Haufer-Murrweiss)

Die berühmteste Heilbronnerin ist wohl das Käthchen von Heilbronn. Leider hat die Figur aus dem Theaterstück nichts mit meiner Heimatstadt zu tun, und die Stadt selber kann mit ihr nicht viel anfangen. Kürzlich hat jemand sogar die Statue von ihr umgefahren.

In Berlin war das einmal anders. Da hat mich das Käthchen umgehauen. 2003 muss das gewesen sein, im Deutschen Theater. Ich saß irgendwo hinten und gegen Ende, als Käthchen auf der Bühne ins Feuer gegangen ist und man denken muss, jetzt stirbt sie aus Liebe, da steht neben mir plötzlich ein jungen Mann auf und beginnt zu singen, einen Choral, zusammen mit einem Dutzend anderer Chorsänger, die sich bisher im Publikum verborgen gehalten hatten.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Inbrünstig singt der Chor alle Zweifel weg, hat ein Kritiker geschrieben. Wer wollte da noch an der Rettung Käthchens zweifeln? Die Liebe ist stark wie der Tod. Auferstehung kann man manchmal spüren, wenn einem Musik tief durchs Innere geht. Und für einen kurzen Moment sind alle Zweifel verschwunden. Lassen wir uns das für den heutigen Tag gesagt sein: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie uns behüten.“

Ihr
Matthias Treiber

Und hier zum Anschauen und Zuhören:

 

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