17-06-2020 – Das Jahrhundertspiel

Heute vor 50 Jahren fand in Mexiko das Jahrhundertspiel statt. Ein Fußball-Match, das Geschichte geschrieben hat. Deutschland-Italien im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Nach acht Minuten das erste Tor für Italien – und dann – nichts, eine Ewigkeit lang. Bis Schnellinger in der letzten Minute ausglich und das Spiel in die Verlängerung ging. In schneller Folge dann vier Tore bis zum 3 : 3 durch Gerd Müller. Und eine Minute später siegt dann Italien mit dem 4 : 3. Beckenbauer hatte sich auch noch die Schulter gebrochen und trotzdem weitergespielt.

„Mein Gott“ sagte der Kommentator Ernst Huberty. „Ist das ein Fußballspiel hier.“

Ein Spiel war es wirklich. Kein Fußballkrieg, sondern ein beeindruckendes Ringen zweier Mannschaften. Mit Tricks und Fouls natürlich auch, aber vor allem mit großem Einsatz. Und am Ende applaudierten die 102.000 Zuschauer beiden Mannschaften.

Das kann man sich merken: Es kommt nicht darauf an, ob man gewinnt im Leben. Es kommt darauf an, mit Leidenschaft und Einsatz sein Leben zu führen, ein Ziel vor Augen zu haben, fair gegenüber anderen zu sein und notfalls auch mit einer gebrochenen Schulter weiterzuspielen.

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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16-06-2020 – 60 Jahre „Psycho“

Heute vor 60 Jahren haben viele Menschen wohl nicht mehr geduscht. Da kam nämlich der Film „Psycho“ von Alfred Hitchcock in die Kinos. Legendär die Szene unter der Dusche, als dort völlig überraschend die vermeintliche Hauptdarstellerin des Films ermordet wird und ihr Blut in den Abfluss rinnt. 

Die Überraschung war perfekt und Kinobesucher wurden 1960 davor gewarnt, die Pointe zu verraten. Nun gut, ich habe das jetzt gespoilert, aber es gibt in dem Film noch einige Überraschungen.

Und keine guten.

Das passt zu unserer Gesellschaft, habe ich jetzt gelesen. Uns ging es bisher eben so gut, dass wir uns ziemlich sicher fühlen konnten. Und jetzt, durch die Pandemie, herrscht plötzlich Unsicherheit. Was morgen zu tun ist, kann man heute noch nicht wissen. Unsicherheit ist für uns Westeuropäer der Horror. Deswegen geht es uns wie in Psycho.

Aber mit Unsicherheiten muss man eben leben lernen. Und sich trauen, wieder in Dusche zu steigen. Die Wahrscheinlichkeit, dort auszurutschen ist übrigens größer, als durch den Vorhang erstochen zu werden. 

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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15-06-2020 – Das Leben macht weiter

Die besten Zitate sind ja meistens erfunden. So dieses von Albert Schweitzer: „Das Leben macht das, was es am besten kann – es macht einfach weiter.“ Gesagt haben soll er das nach der verheerenden Spanischen Grippe vor 100 Jahren. Einen Beleg habe ich nicht gefunden, dass es von dem Urwaldarzt stammt, aber treffend ist es dennoch: „Das Leben macht das, was es am besten kann – es macht einfach weiter.“ 

Das gilt natürlich angesichts der Corona-Pandemie, wo nun vieles anders und manches schwierig ist. Aber das Leben wird weitergehen – wie jeden Tag. Und deshalb gilt das Zitat natürlich auch für mein eigenes Leben: Das Leben macht weiter – ob ich Sorgen habe oder Glück empfinde; es macht weiter, ob ich krank bin oder gesund; ja, es macht sogar weiter, ob ich lebe oder sterbe.

Das erinnert daran, dass ich mir mein Leben nicht selbst geschaffen habe. Und selbst der Natur bin ich völlige egal. Deshalb verstehe ich das Leben als Geschenk. Ein Geschenk, dass ich jeden Tag neu auspacken kann: Wenn die Sonne scheint, wenn ich aufstehen und etwas tun kann, wenn mich andere anlächeln und ich im Leben Liebe und Freude finde. 

Das Leben macht weiter – Gott sei Dank dafür.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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13-06-2020 – Matrix

Wollen Sie die rote oder die blaue Pille?In dem Film Matrix ist das die entscheidende Frage. Wenn Sie die rote Pille nehmen, werden Sie die Wahrheit erkennen. Sie werden erleben, dass die Welt ganz anders ist, als sie aussieht. Dass alles hier nur Einbildung ist. Wenn Sie aber die blaue Pille nehmen, bleibt alles beim Alten. Sie werden vergessen, dass Sie jemals gezweifelt haben an der Welt.

Der Film Matrix war toll – die Geschichte dahinter Mist. Es gibt keine Pillen, die uns die Wahrheit sagen. Kein „geheimes Wissen“, das sämtliche Verschwörungstheoretiker auf der Welt kennen. Es gibt keinen Plan. Es gibt nur unsere Welt, wie wir sie kennen. Manchmal schön und manchmal bedrohlich. Mit guten und mit bösen Menschen. Mit all den Möglichkeiten die wir haben und all den Grenzen, die uns gesetzt sind.

Das ist, auch philosophisch gesehen, bei weitem die plausibelste Annahme: Dass die Welt ist, wie sie ist. Es gibt keine „geheimen Wahrheiten“. Gott hat sich allen offenbart. In Christus war das sogar zu sehen. Öffentlich von der Geburt bis zur Kreuzigung: Gott ist Liebe und wir Menschen sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Das ist die ganze Wahrheit – und wir sehen täglich, dass Liebe doch das einzig richtige ist.

Und anstatt andere für eine Naturkatastrophe wie eine Pandemie verantwortlich zu machen, sollten wir lieber tun, was nötig ist, um anderen beizustehen, sie zu schützen und zu heilen.

Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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12-06-2020 – gescheitert?

Wie viele andere hat auch Thomas Alva Edison jahrelang versucht, mit Strom Licht zu erzeugen. Und unzählige Mal ist er daran gescheitert. Gescheitert? „Ich bin nicht gescheitert,“ sagte er. „Ich habe nur 10.000 Arten gefunden, wie es nicht funktioniert.“

Aus Fehlern zu lernen ist eine gute Sache – im ganzen Leben. Erstens weil man es dann anders und vielleicht besser machen kann. Zweitens, weil man den Fehler dann hoffentlich nicht wiederholt. Und drittens, weil man klug wird und erkennt: Wir können viel, aber nicht alles wissen.

Das Leben ist Versuch und Irrtum. Es gibt keinen Grund, andere zu verspotten, weil ihre Glühbirne nicht funktioniert. Und wir können es im Leben immer wieder anders versuchen. Christen nennen das: Vergebung.

Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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11-06-2020 – Sorgen? Nö!

Vor ein paar Jahren hat eine Australierin interessante Interviews geführt. Sie hat Menschen, die in der Ruhestand gingen, gefragt, was sie am meisten in ihrem Leben bereuen. Erwartet wurden Antworten wie „Ich habe zu viel gearbeitet und mich zu wenig um meine Familie gekümmert“ oder „Ich habe viel zu sehr darauf geachtet, was andere von mir denken.“ Aber die Mehrheit der Befragten bereute etwas ganz anderes und sagte: „Ich habe mir in meinem Leben viel zu viele Sorgen gemacht.“

Diese Weisheit fehlt mir ehrlich gesagt noch. Ich mache mir dauernd Sorgen – über alles mögliche. Und wenn konkrete Anlässe fehlen genügt ein Blick in mögliche Krankheitsstatistiken und ich glaube, ein kommendes Zipperlein zu spüren. Lächerlich eigentlich, aber ich denke, ich bin da nicht allein.

Da wünsche ich mir, dass mein Glaube ruhig etwas fester sein könnte. „All eure Sorge werft auf Gott.“ heißt es in der Bibel. Richtig werfen! Loswerden mit Schmackes! Manchmal klappt es. Nicht immer, aber immer öfters. Also sollte ich mir als nächstes ums Sorgen-Loswerden auch keine Sorgen machen, sondern dem Ruf einfach folgen: „All Deine Sorgen wirf auf Gott!“

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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10-06-2020 – Bessere Engel

Ich mag Amerika, die Vereinigten Staaten. Ein Land, das Flüchtlinge begründet und aufgebaut haben. In der Überzeugung, dass jeder Mensch von Natur aus frei ist und universale Menschenrechte hat. Vielen freundlichen Menschen bin ich dort begegnet, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Offen sind für Neues – und von einem Glauben an Gott erfüllt, der bei uns in Europa nur noch eine Minderheit hat.

Natürlich widerspricht das den Bildern, die wir in diesen Wochen aus Amerika sehen müssen. Und natürlich hat dieses Idealbild viele Schattenseiten.

Aber dann haben die USA auch immer den Optimismus, dass das Idealbild nicht nur besser, sondern auch stärker ist als die Wirklichkeit. Abraham Lincoln sagte am Ende seiner Antrittsrede als Präsident: “Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein. Auch wenn Leidenschaft uns zerreisst, darf sie uns nicht trennen. Wenn wir von den besseren Engeln unserer Natur berührt werden, wird der Chor der Einheit wieder anschwellen.“

Darin kann Amerika immer noch unser Vorbild sein: Dass wir die Zukunft besser machen können, als die Gegenwart ist. 

Und auch für uns Deutsche und Europäer gilt es, immer wieder die „besseren Engel unseres Wesens“ zu entdecken. Oder, wie ich sagen würde: Den guten Geist Gottes in uns wirken zu lassen.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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09-06-2020 – Kinderschuhe

Eine nette Überraschung hat mich nach meinem Pfingsturlaub am Zaun unseres Kindergartens nebenan erwartet: Gummistiefel als kleine Blumenkübel. Ein Zaun, an dem etwas wächst. Bunte Vielfalt am braunen Allerlei.

Es macht jetzt richtig Spaß, das Fahrrad den Berg hoch zu schieben. Gegen das Hochfahren protestiert nämlich inzwischen mein Herz. Zu steil der Berg, sagt es, zu alt ich, denke ich Oben ist dann alles jung und frisch. Und wenn die Kinder nicht gerade im Garten toben, dann erinnern die kleinen, blühenden Stiefel daran, dass man sich nur umschauen muss, wenn man richtiges Leben sehen will. Es gibt keinen Grund, missmutig vor sich hinzudämmern. 

„Die Kinder sind unsere Zukunft“ sagen manche. Nein, sage ich. Die Kinder sind die Gegenwart, die uns an die Zukunft erinnert, eine Zukunft für alt und jung – und die morgen schon stattfindet, wenn die Kinder draußen spielen.

Gott behüte uns und unsere Zukunft!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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08-06-2020 – ex-black

Farbenblindheit kann ziemlich blöde sein, zum Beispiel, wenn man als Pilot ein Flugzeug landen muss. Bei der Landung muss man auf PAPI achten, die Präzisions-Anflugwinkel Befeuerung. Zwei der vier Lichter müssen rot und zwei weiß sein, sonst wird es gefährlich.

In anderen Situationen wünscht man sich Farbenblindheit. Der amerikanische Journalist Thomas Chatterton Williams träumt von einer farbenblinden Gesellschaft, in der die Hautfarbe keine Rolle speilt, so wenig wir die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie, also einem bestimmten Volk.

„All Lives mater“ – jedes Leben zählt, ist für ihn der Weg, den alltäglichen Rassismus zu überwinden. Den gibt es nicht nur in den USA und gegenüber Afroamerikanern, sondern auch unter uns. Hierzulande vor allem gegenüber Türken und Afrikanern, Arabern, Osteuropäern und Juden. 

Es ist eine Herausforderung, ethnische oder religiöse Unterschiede zu übersehen, das Kopftuch einer jungen Frau zu ignorieren oder die Hautfarbe eines jungen Mannes. Aber darum geht es: Als Gesellschaft und als Einzelner in diesem Sinne farbenblind zu werden, wie Thomas Williams es fordert.

Habe ich Ihnen übrigens gesagt, dass er Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters ist? Das war auch nicht nötig. Er selbst bezeichnet sich sowieso als „ex-black“.

Gott segne uns alle!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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31-05-2020 – Kindheitsträume

Nach 9 Jahren sind gestern endlich wieder von Florida aus Astronauten ins All geflogen. Gefährlich ist das Unternehmen. Ich hoffe und bete, dass es gut geht.

Ich kann mich deswegen auch dafür begeistern, weil es mich an meine Kindheit erinnert, als die Flüge zum Mond stattfanden. Fantastisch war das. Das Lebensgefühl damals habe ich sofort wieder vor Augen. Fernsehen gab es zuhause nur schwarzweiß – drei Programme. Im Lokal bekamen Kinder eine Sinalco – lauwarm natürlich. Und Pizzeria gab es in meiner Heimatstadt, die sich „junge Großstadt“ nannte, glaube ich nur eine oder so. 

Es war eine kleine Welt damals, von der aus wir zum Mond blickten.

Ich sehne mich nicht danach zurück. Die Raumschiffe heute sind cooler. Es gibt heute bessere TV-Serien on demand – und die Nachkommen der Menschen aus dem Süden sind Bürger wie du und ich.  

Erinnerungen sind manchmal sehr schön, aber wir sollen im Heute leben und dabei für morgen ein Ziel vor Augen haben.

Schon Jesus hat ja klar gemacht: das Reich Gottes liegt nicht in der Vergangenheit. Das Reich Gottes liegt vor uns.

Passen Sie auf – auf sich und andere!

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