Karsamstag – ab in die Hölle

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(Foto: Treiber)

Karsamstag, der Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Ein ziemlich finsterer Tag „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ heißt das im Glaubensbekenntnis. Also in die Hölle.

Ich habe mir als Kind die Hölle immer wie einen tiefen Keller vorgestellt. Nicht wirklich unheimlich, Gespenster gibt es nicht. Aber irgendwie finster, häßlich und ganz gewiss kein Ort, an dem man leben möchte oder leben kann.

Und wissen Sie, was das Schlimmste an der Hölle ist? Dass man alleine ist. Niemand da, der einem in der Not beisteht. Wie Hänsel ohne Gretel; wie Lieutenant Ripley alleine im Kampf gegen das Alien; wie Tom Hanks alleine mit seinem Basketball „Wilson“ auf der Insel in Cast Away.

Hoffentlich kommt bald einer, der hier heraus hilft.

Morgen schon, an Ostern, bringt Gott neues Licht in unser Leben – oder: Licht, das uns neues Leben zeigt: Hell, klar und voller Liebe.

Seien Sie behütet! 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

…und hier zum Anschauen:

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Gründonnerstag – „We’ll meet again“

IMG_1990Ich beneide die Briten. Um ihre Königin. Vor ein paar Tagen hat sie eine grandiose Rede  gehalten. Mit 93 Jahren. Hat in aller britischen Coolness ihren Landsleuten Mut zugesprochen. Und dabei einen Schlager aus dem zweiten Weltkrieg zitiert: „We will meet again“ – der so vielen Soldaten im Kampf gegen unser Nazideutschland Mut gemacht hat.

Wir werden uns wieder treffen. Zum Glück nicht nach einem Krieg, sondern nach der häuslichen Kontaktbeschränkung. Die allermeisten von uns werden die Corona-Erkrankung, falls sie sie überhaupt bekommen, wohl gut überstehen und werden einander tatsächlich wiedersehen. Und noch lange leben – wie Dame Vera Lynn, die das Lied gesungen hat und inzwischen 104 Jahre alt ist.

Das alles war 1939, als das Lied aufgenommen wurde, nicht abzusehen. Da ging es Vera Lynn und Elizabeth II wie den Jüngern Jesu am heutigen Gründonnerstag – man weiß nicht einmal, was morgen kommt. 

Was in drei Tagen kommt, wissen wir aber: Ostern. Die Auferstehung Christi. Wie sagte die Queen: „Bessere Tage werden zurückkehren: Wir werden wieder bei unseren Freunden sein. Wir werden wieder bei unseren Familien sein, wir werden uns wiedersehen“. Nicht an den Osterfeiertagen in diesem Jahr, aber irgendwann danach.

Bleiben sie behütet, mutig und stark!

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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2 Tage bis Karfreitag – mit Steve Jobs

2020-04-08

Steve Jobs (Abb wiki commons gemeinfrei / based on File:Steve_Jobs_Headshot_2010-CROP.jpg made by Matt Yohe)

„Fast alles – alle äußeren Erwartungen, aller Stolz, alle Angst vor Peinlichkeit oder Misserfolg – all diese Dinge fallen einfach im Angesicht des Todes ab und lassen nur das übrig, was wirklich wichtig ist.“
Steve Jobs hat das gesagt, der charismatische Gründer von Apple, kurz nach seiner ersten Krebserkrankung.
Der Tod, genauer gesagt: Die Angst vor dem Tod zeigt einem, worauf es im Leben wirklich ankommt.

In diesen Tagen lässt sich das, wenn man will, deutlich spüren. Was ist mir das Wichtigste im Leben, heißt die Frage? Dass es meinen Kindern gut geht. Meiner Frau selbstverständlich auch. Und dass ich immer mehr Hoffnung und Glaube habe als Angst und Leere spüre.

Und schön in diesen Tagen ist, dass vieles von dem, was einen oft so arg beschäftigt hat, keine Rolle mehr spielen muss: Was andere von mir denken? zum Beispiel. Oder die Fehler der anderen am Arbeitsplatz. Oder wo wir in ein paar Jahren eine neue Wohnung finden.

Was zählt, ist das Jetzt. Was zählt, ist die Liebe. Alles andere ist nicht unwichtig, aber zweitrangig und manchmal ganz zu vernachlässigen.

Bleiben Sie behütet!

Ihr
Matthias Treiber

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5 Tage bis Ostern – Simon Birch

2020-04-07Ich möchte heute Abend diese DVD anschauen, Simon Birch. Es geht dabei um einen kleinwüchsigen Jungen, der überzeugt ist, dass er eine Bestimmung hat. Er ist nur 94 Zentimeter groß, aber er glaubt, dass Gott ihn so gemacht hat, wie er ist, weil er etwas mit ihm vorhat.

Der Film ist leider in Deutschland nicht mehr erhältlich und die Kopie auf YouTube ist furchtbar. Deshalb darf ich Spoilern: Am Ende erfüllt der Junge seine Bestimmung und rettet zahlreiche Kinder vor dem Ertrinken.

Eine Geschichte über Freundschaft und Schicksal und Glaube.

Und eine tragische Komödie gegen das Vorurteil, man könnte von außen sehen, ob jemand mutig ist und sich in der Not bewährt.

Sie kennen sicher die Geschichte von Petrus mit der großen Klappe. Der Jünger Jesu, der ewige Treue schwor und dann aber schlief, als Jesus auf seine Gefangennahme wartete, und der ihn verleugnete, als er später nach ihm gefragt wurde.

Simon Birch ist anders. Er erzählt nur seinem Freund von der Bestimmung – und ist da, als man ihn braucht. Opfert sich für andere.

Ein Vorbild in diesen Tagen.

Bleiben Sie behütet!
Ihr
Matthias Treiber

Das Buch, auf dem der Film basiert, können Sie natürlich lesen: Owen Meany von John Irving. Und diesen Beitrag gibt es auch zum Anschauen:

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6 Tage bis Ostern – Raffaels Tod

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Raffael, Selbstporträt (Abb. gemeinfrei)

Raffaello kann man auch selbst machen, habe ich im Internet gelernt. Aber mir geht es heute nicht um die italienische Praline, sondern um den Namensgeber, denke ich, Raffaello Sanzio, den Künstler. Seine Bilder kann man nicht selbst nachmachen.

Und seine Geschichte zu hören ist kein süßer Genuss, im Gegenteil.  

Das Fieber hatte ihn erwischt. Schweißgebadet lag er in Rom, erst 37 Jahre alt. Und heute vor genau 500 Jahren, am 6. April 1520 starb Raffael vermutlich an der Malaria. 

Er war ein schon damals ungemein erfolgreicher Künstler, den aber eines auszeichnete. Der Ruhm ist ihm nie zu Kopf gestiegen. Die Frauen lagen ihm wohl zu Füßen, wie man so sagt, aber geliebt hat er vielleicht nur eine: Margerite Luti, eine Bäckerstochter aus Siena. 

Nach seinem Tod an der Seuche wurde er schnell im Pantheon in Rom beerdigt. Sein Grab wird heute noch verehrt. Eine Statue der Maria wacht über seinem Grab.

Genies wie Raffael werden bewundert, von allem, wenn sie auch noch einen hohen „sittlichen Charakter“ haben, wie es über ihn heißt.

Typisch, dass andere ihn schlecht machten, und behaupteten, er sei selbst an seinem Tod schuld, weil er sich in einem Bordell infiziert habe.

So weit weg sind uns die Menschen vor 500 Jahren heute gar nicht. Krankheit, Neid und Tod. Halten wir uns an die andere Seite, die Raffael gezeigt hat: Liebe und Charakter

Tun wir also das, was wir gut können – auch wenn wir keine Genies sind. Und tun wir das, was für andere gut ist – vor allem, wenn wir sie lieben.

Bleiben Sie behütet!
Ihr
Matthias Treiber

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8 Tage bis Ostern …und die Frühverrentung?

Matthias Treiber

Pfarrer Matthias Treiber (Foto: Haufer-Murrweiss)

Wochenende – und noch eine Woche bis Ostern. Eigentlich hätten jetzt ja die Osterferien begonnen, aber in diesem Jahr fühlt sich das nicht so an. Lehrer und vor allem Schüler werden zwar froh sein, wenn sie das ungewohnte Internet-Lernen mal etwas ruhen lassen können, aber ansonsten fehlt für viele das Gefühl, dass jetzt endlich ein paar Tage kommen, die man gemütlich zuhause verbringen kann.

Seit drei Wochen sind wir jetzt dauernd zuhause, jedenfalls in der Freizeit. Kein Sportplatz und kein Kino, keine Kneipe und keine Einladungen zum Abendessen. In den letzten drei Wochen hätte man all das tun können, wozu man nie Zeit hatte, aber das „gute“ Buch, das man neben den Sessel gelegt hat, ist immer noch in Folie eingeschweisst, und der Kleiderschrank nicht ausgemistet.

„Corona muss man sich als Warm-up für die Frühverrentung vorstellen“, hat ein Journalist in der WELT geschrieben. Nun, wenn so der Ruhestand aussieht, dann verstehe ich, warum Rentner sagen, dass sie nie Zeit hätten.

Zeit sollten wir uns in diesen Tagen aber nehmen. Für uns. Bewusst. Die Möglichkeit haben wir in diesem Jahr nun mehr als genug. Sich in der Karwoche einfach einmal in einen Sessel setzen und die letzten drei Wochen Revue passieren lassen.

  • Was war anders und hat mich verändert?
  • Was habe ich ganz neu erlebt? Und was schmerzlich vermisst?
  • Woher kommen meine Ängste? Und was erhoffe ich?
  • Und vor allem: Wen habe ich so gerne, dass ich ihn nie missen möchte?

Bleiben Sie behütet unter Gottes Segen! 

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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9 Tage bis Ostern und ein schräger Dichter

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Hölderlin im Kreisverkehr in Lauffen am Neckar (Foto: Treiber)

Nur wenige Kilometer entfernt von hier liegt Lauffen am Neckar. Ein Katzensprung, oder besser gesagt 20 Minuten mit dem Fahrrad. Richtig verboten ist Radfahren ja gerade nicht, aber allein macht es auch keinen Spaß. In Lauffen wurde vor 250 Jahren Friedrich Hölderlin geboren. Ein  Dichter, ein bisschen schräg vielleicht, würde man heute sagen. Das Denkmal im Kreisverkehr in Lauffen zu seinen Ehren deutet jedenfalls darauf hin.

Ein Satz von ihm wird gerade dauern zitiert: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Das klingt ziemlich passend. Wir hoffen, dass unser nachbarschaftlicher Zusammenhalt wächst und hoffentlich auch die wissenschaftliche Erkenntnis über das Corona-Virus. Ich hoffe, dass daher Hilfe kommt.

Hölderlin hat aber etwas anderes gemeint: Das Zitat heißt nämlich ganz: „Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Ich verstehe das so, dass wir den Gang der Welt oft nicht verstehen, warum vieles schwierig ist, manches leidvoll, und warum unser Leben immer gefährdet ist. Gott wirkt da ziemlich fern, so als gäbe es ihn nicht. Aber ganz im Verborgenen wirkt er. Wächst das Rettende. Das wir nicht sehen, manchmal nicht erkennen. Und das manchmal ganz anders kommt, als erwartet und erhofft.

In aller Gefahr und Angst und Unsicherheit muss man das Rettende wachsen lassen. Das gilt übrigens auch in der Wissenschaft. Viele Erkenntnisse hat man ganz unerwartet gewonnen. Zum Beispiel dass ein Malaria-Mittel gegen das Corona-Virus wirkt. „Der“ Gott Hölderlins wäre uns dann ganz nahe.

Bleiben Sie behütet heute.

Ihr
Matthias Treiber

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10 Tage bis Ostern – Eins, zwei, drei

IMG_4028 Kopie„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ heißt es an einer Stelle in Billy Wilders Meisterwerk Eins, Zwei, Drei. 1961 wurde der Film in Berlin, wie hier am Flughafen Tempelhof gedreht, eine Komödie im Hin- und Her zwischen Ost und West. Nur dumm, dass während der Dreharbeiten die Mauer gebaut, und die Geschichte hinter der Komödie ernst wurde.

Je länger der Lockdown zuhause dauert, desto unwirklicher kommt er mir vor. Das kann doch nicht ernst sein, so wie es gerade ist. Vor einem Monat hätten wir das nicht für möglich gehalten. „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Der Spruch aus der Komödie hat ja einen tiefen Sinn: Fatalismus. Alles ist vorherbestimmt. So wie es kommt, kommt es eben. Nichts genaues weiß man nicht. Solch ein Fatalismus ist mir fast lieber, als wenn nun von großer Panik berichtet wird und zugleich andere sogenannte Experten vor eine Übertreibung der Maßnahmen warnen. Mit Angst und Unsicherheit werden wir noch eine ganze Weile leben müssen.

Mir tut es dann gut, die Komödie anzuschauen und den Spruch zu hören: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Denn ich spüre dann meinen Glauben, ein trotziges Gefühl in mir, dass es am Ende umgekehrt sein wird: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Denn nichts ist vorherbestimmt, sondern alles liegt in Gottes Hand. Und was der macht, das wissen wir nicht. Eines aber weiß ich: Gott liebt uns. Warum weiß ich das: Weil ich glaube, dass er mich und Sie und uns alle geschaffen hat.

Bleiben Sie zuversichtlich! 

Ihr
Matthias Treiber

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April, April!

2020-04-01„Wie lange sind Sie schon in Quarantäne?“ – „Fünf Kilo“

Wenn man heute schon nicht anderen einen Streich spielen kann, sollte man sich wenigstens den Humor nicht nehmen lassen. Humor ist ja gerade in schwierigen Zeiten wichtig. Deswegen hat man früher Leute in den April geschickt – weil der April so unkalkulierbar war, ein dauernder Wechsel zwischen Frost und Wärme, Sonne und Regen.

Man lacht seine Unsicherheit weg. Und das tut gut. Und führt nebenbei zur Selbsterkenntnis, dass ein Tag zuhause nicht nur aus Essen bestehen muss. 

Aber vor allem geht es darum, sich eine Breite der Gefühle nicht nehmen zu lassen. Neben den Sorgen und Gedanken, die man sich vielleicht macht, muss es auch heißen: Freuen Sie sich an Ihren Kindern und lachen Sie mit Ihnen! Nehmen Sie andere auch heute auf die Schippe! Malen Sie sich eine Clown-Nase auf und gehen Sie auf den Balkon! Erzählen Sie einander Witze, gerade heute. 

Vielleicht so wie den:

Eine Nonne zieht um in ein neues Kloster und auf der Autofahrt dorthin geht ihr das Benzin aus. Da sie keinen Reservekanister hat, geht sie mit ihrem Nachttopf zur Tankstelle, um etwas Benzin zu holen. Wieder an ihrem Auto füllt sie das Benzin in den Tank. Ein LKW kommt vorbei. Der Fahrer sieht die Nonne mit dem Nachttopf, hält an und sagt aus dem Fenster: „Ihren Glauben möchte ich haben!“

Solch einen Glauben wünsche ich Ihnen und mir, ein Glaube, der mehr ist als Vermutung. Ein Glaube, der Vertrauen ist.

Bleiben Sie Gott befohlen!

Ihr
Matthias Treiber

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12 Tage bis Ostern

s-l640Haben Sie auch so ein Lied, bei denen Ihnen die Augen feucht werden, wenn sie es hören? Für mich das „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. 75 Jahre alt wurde er gestern, aber ich konnte es mir nicht anhören. Clapton hat darin die Trauer über den Tod seines vierjährigen Sohnes bearbeitet, der aus einem Hochhausfenster gefallen war. Unvorstellbar, mit solch einer Trauer umgehen zu müssen! Und doch kann es einen täglich treffen.

Clapton erzählt in dem Lied von einem Weg, den so ähnlich wohl viele gehen, die von Leid getroffen sind. Er leidet am Verlust und fragt sich, ob sein Sohn ihn wohl im Himmel wieder erkennen würde. Zugleich ist er sich klar, dass er mit dem Verlust weiterleben muss. Alleine aus dieser Erkenntnis kann so etwas wie Kraft wachsen. Und aus der Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen gibt. Danach, und das berührt mich am meisten, kommt noch einmal die erste Strophe. Der Schmerz ist immer noch da.

Dass es im Himmel keine Tränen geben wird, ist eben ein Glaube, der nicht von dieser Welt ist. Im Himmel sind wir noch nicht, das Leiden bleibt – und die Hoffnung, dass es Erlösung gibt: Im Himmel, da wo wir noch nicht sind, aber unsere Liebsten, um die wir trauern.

Gott behüte uns und unsere Lieben am heutigen Tag.

Ihr
Matthias Treiber

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