Was bleibt am Ende?

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(Foto: Treiber)

Was zählt am Ende? heißt die Frage, die den Totensonntag bestimmt. Dass man am Ende nichts mitnehmen kann, weiß jeder, also zählt hier auf Erden das, was bleibt. Vermögen oder Pokale sind damit aber gewiss nicht gemeint. Es bleibt, was wir anderen Gutes getan haben.

Ich glaube: Am Ende zählt auf Erden nicht, was wir haben, sondern was wir gegeben haben. Und am Ende zählt nicht, ob wir recht haben, sondern ob wir geliebt haben.

Und was zählt im Angesicht Gottes? Weil wir oft schwach und fehlbar ihn unserem Leben sind, zählt in der Ewigkeit zum Glück nicht unser Tun. Am Ende nimmt Gott uns in ein Land, das wir noch nicht kennen, sondern als Gnade und Liebe nur erahnen können.

Predigttext am Totensonntag, 26. November 2017, ist Lukas 12, 42-48

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim. 

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F*** ju Göhte

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Mit Geld kann man sich keine Freunde schaffen – oder doch? (Foto: Treiber)

„Fack ju Göhte“ sollten Sie sich trotz des ordinären Titels anschauen. Eine unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Ethik und Schulpolitik steht ihnen dann bevor. Ein kleiner Gauner wird auf der Suche nach der Beute aus Versehen Lehrer; die Schulleiterin hilft ihm bei dem Betrug, indem sie seine Zeugnisse fälscht; seine Klasse besteht aus einer Bande von missratenen Schülern – und am Ende wird er Beamter und die Jugendlichen haben das Abitur. Das klingt doch einfach zu schön, um wahr zu sein.

Ist es auch nicht. Unser Schulsystem gibt solchen Jugendlichen, die im Film nicht umsonst Chantal und „Danger“ heißen, keine großen Chancen (>siehe den Leitartikel dazu), aber das ist ein anderes Thema. Hier geht es nur darum, dass mit dem sympathischen Ganoven-Lehrer ein Loblied auf den Betrug gesungen wird. Sie finden das empörend? Dann hören sie mal am kommenden Sonntag den Predigttext aus der Bibel, in dem ein betrügerischer Prokurist dafür gelobt wird, dass er sich mit Geld Freunde für Notzeiten schafft.

Sie finden das unmoralisch? Ich eigentlich auch, aber Jesus hat den Geldverwalter dafür gelobt…

Predigttext am Sonntag, 19. November 2017, ist Lukas-Evangelium 16, 1-9

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in den Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1.

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Revolution und Reich Gottes

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(Abb.: wikicommons/gemeinfrei)

Einfach mal kurz die Welt retten? Ob das so einfach geht? Zack, bumm und alles wird gut? Vor 100 Jahren begann in Russland mit der Oktober-Revolution der Versuch, mit äußerster Brutalität das Paradies auf Erden zu schaffen. Ein Reich des Friedens und des Wohlstands für alle sollte am Ende stehen. Nachdem dafür – man wagt es vor Erschrecken kaum auszusprechen – mehr als 100 Millionen Menschen getötet worden waren und noch viel mehr im Elend hausten, ist dieser Versuch, eine bessere Welt zu erschaffen, zum Glück zusammengebrochen.

Auch in der christlichen Geschichte gab es immer wieder ähnliche Versuche, von der barbarischen Kolonialisierung Amerikas durch die Spanier und Portugiesen bis hin zu heutigen Sekten, die behaupten, wie Urchristen zu leben, aber durch Missbrauchsskandale von sich reden machen. Gibt es also keine Hoffnung auf eine bessere Welt mehr?

Seien wir demütig! Wir werden die Welt nicht retten. Das ist nicht unsere Aufgabe. Die Welt können wir Gott überlassen. Selbst Jesus hat in seinem Wirken nur den Beginn des Reiches Gottes gesehen, erste Schritte.

„Nur“? – Nein!, denn so beginnt das Bessere auf Erden: Indem wir einzelne Menschen vor Augen haben und ihnen zu einem besseren Leben verhelfen: „Wer eine einzige Seele rettet, rettet die ganze Welt.“ heißt es im Talmud (Sanhedrin 23b). Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht die Idee!

Predigttext am Sonntag, 12. November 2017, ist Lukas-Evangelium 11, 14-23.

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The Times They Are a-Changin’

Alte Fotos

Die alten Zeiten sind nicht mehr. (Foto: iStock)

„Ich bringe Eltern und Kinder auseinander!“ – Klingt wie eine Zeile aus einem Song der Stones, stammt aber aus der Bibel und sogar von Jesus. Wird damit nur eine Tatsache beschrieben? Dass Kinder eben andere Weltanschauungen und Überzeugungen haben als die Eltern, vielleicht sogar haben müssen? Also auch einen anderen Glauben? Oder ist es Absicht? Sollen die tradierten und überkommenen Lebensgrundsätze der Älteren in Frage gestellt werden?

Dass die alten Überzeugungen die jungen Menschen nicht mehr tragen werden, ist im Zeitalter der Globalisierung längst klar. Viele Glaubensworte, die vor 500 Jahre getragen haben, helfen heute nur noch wenigen, weil sie nicht mehr verstanden werden und aus einer anderen Welt stammen. Neues kommt – so, wie vor 500 Jahren die Reformation neu war und vor 2000 Jahren die Botschaft Jesu. Deshalb singe ich lieber mit Bob Dylan: The Times They Are a-Changin‘ .

Das gilt im Ganzen und für jeden Einzelnen: Junge Menschen müssen ihren Glauben selbst finden und entwickeln. Und wir Alten müssen uns an Abschiede gewöhnen. Der Kern der christlichen Botschaft bleibt dabei erhalten, weil er zeitlos ist: Gott ist Liebe, über alle Zeiten und Nöte hinweg, und in Jesus Christus ist er den Menschen begegnet.

Predigttext am Sonntag, 5. November 2017, ist Matthäus-Evangelium 10, 34-39.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Reformation: Einfach so geliebt sein

IMG_9402Zu Ursachen und Bedeutung der Reformation, zur Wirkung und zum Genie Martin Luthers, zu den Widersprüchen und dunklen Seiten der Reformation ist im vergangenen Jahr viel gesagt worden. Nun, im Gottesdienst am Jubiläumstag, möchte ich in meiner Predigt an den erinnern, der im Zentrum aller reformatorischen Bemühungen steht: Der Mensch in seiner Zweideutigkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen dem Abgrund des fernen Gottes und dem gnädigen Herrn, zwischen dem Sünder und dem gerechtfertigten Menschen.

Das klingt zu abstrakt? Ich meine, widersprüchlich sind wir doch wirklich alle! Oder zumindest gewaltig unvollkommen. Die heile Welt gibt es genauso wenig wie Heilige. Das ist heute nicht anders als vor 500 Jahren.

Die Reformation hat uns als Menschen mitten in die Welt gestellt: Mit den Sorgen für unsere Familie und der Sehnsucht nach Liebe, mit dem Wunsch nach Glück und Hoffnung auf Sicherheit. Christlicher Glaube muss sich hier zeigen und bewähren. Und der Ertrag der Reformation lässt sich dann ganz einfach zusammenfassen: Wir sind geliebt, wir sind erlöst – ganz einfach so.

Predigttext am Reformationstag, 31. Oktober 2017, ist Matthäusevangelium 10, 26b-33.

Pfarrer Treiber predigt immer um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Unterm Regenbogen

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(Foto: Treiber)

Seit kurzem trage ich ein Uhrarmband in Regenbogenfarben. Beim Christopher-Street-Day hat man mir dafür Respekt gezollt, was mir zwar auch recht ist, aber der Regenbogen ist für mich zunächst mal in der Bibel das Symbol für die Gnade Gottes. Am Ende der mythologischen Geschichte von der Sintflut verspricht der Schöpfer der Welt, dass die Schöpfung nicht untergehen wird. Und wenn das für die Schöpfung gilt, dann gilt es auch für jeden von uns. Wir sind eingebettet in den Lauf der Welt.

Der Gedanke tut mir wirklich gut. Als moderner Mensch muss ich mein Leben zunächst für mich führen, getragen gewiss von der Liebe meiner Familie. Aber trotz der Zuneigung von Mitmenschen stehen wir als Einzelne der Welt gegenüber. Sie überdauert uns, ist größer als wir. Warum soll das, was ich heute tue, Sinn haben, wenn ich morgen schon nicht mehr da sein kann?

Die Antwort der Bibel heißt: Weil es Gott gibt, das Ewige, dass dem Endlichen Wert zuspricht. Und das uns kleine Menschen aus unserer endlichen Welt hinaushebt – beim Blick auf einen Regenbogen zum Beispiel, wie er gestern Nachmittag über Heilbronn zu sehen war: Schönheit, die ahnen lässt, dass es da einen gibt, der es Letztich gut mit uns meint.

Predigttext am Sonntag, 29. Oktober, ist 1.Mose 8, 18-22.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sorgenfresser und Dämonen

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Breites Maul, das verschlossen werden kann: Der Sorgenfresser (Foto: Treiber)

„Und welche Dämonen verfolgen dich nachts, wenn du nicht schlafen kannst?“ fragt in dem bekannten Thriller „In the Line of Fire“ der Geheimagent den Attentäter, der ihm immer noch sein Versagen bei einem Anschlag vorhält. Jeder von uns kennt die Gedanken, die in einem mahlen, wenn man nachts nicht schlafen kann. Ob wir die nun böse Geister nennen oder Sorgen ist im Endeffekt gleichgültig: Es sind Mächte, die uns nicht loslassen und das Leben schwer machen.

Geister auszutreiben, hat man früher in der Kirche versucht, aber dabei hatte man wohl etwas falsch verstanden. Gewalttätiger Hokuspokus nützt bei Sorgen nichts. Wenn Jesus Geister austrieb, dann tat er das, was er immer tat. Er begegnete allen Menschen mit Liebe. So gab er ihnen die Möglichkeit, ihre Sorgen loszuwerden und vertrieb die bösen Geister und Gedanken.

Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen, sagt man, aber manchmal möchte man andere auch nicht belasten. Da hilft vielleicht der Sorgenfresser, den es bei der Aufbaugilde Heilbronn gibt (siehe Foto). Man schreibt seine Sorgen auf einen Zettel und lässt ihn in der Bauchtasche des kleinen Dämons verschwinden – und weg damit! Ob das hilft? Es scheint mir jedenfalls einer erste Schritt in die richtige Richtung zu sein: Sich vom Sorgenmachen zu lösen, um die Probleme anzugehen.

Predigttext am Sonntag, 22. Oktober 2017, ist Markus 1, 32 bis 39.

Pfarrer Treiber feiert den Gottesdienst am kommenden Sonntag zusammen mit der Aufbaugilde Heilbronn, zum Thema: „Was ich schon immer einmal loswerden wollte“. Die Feier beginnt um 10.00 Uhr in der Matthäuskirche Sontheim. >nähere Infos

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Nicht am Geld hängen?

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Ein erfülltes Leben hängt nicht am Geld, sondern daran, dass man Gutes tut. (Foto: Treiber)

Mit Geld geht es einem definitiv besser als ohne Geld, keine Frage. Mit Geld kann man sorgenfreier und gesünder leben, während sich ohne Geld die Probleme schneller türmen. Deswegen ist es gut, wenn wir auch mit unserem Geld solidarisch umgehen. Dennoch: Das Wesentliche im Leben ist unbezahlbar. Das weiß jeder. Nur: Wenn es drauf ankommt, zucken wir zurück wie der junge Mann, den Jesus vor die Wahl stellte: erfülltes Leben oder gefüllter Geldbeutel.

 

„Der reiche Jüngling“ aus der Bibel: Man hat ihn oft verächtlich gemacht, weil er so „an seinem Geld klebe“, aber es war das Erbe, das seine Vorfahren vermutlich hart erarbeitet hatten. Das einfach weggeben? Man hat dem jungen Mann Egoismus und Materialismus vorgeworfen und dabei einen wichtigen Satz übersehen: Jesu „gewann ihn lieb“, steht da in der Bibel. Kein Wort der Verurteilung! Der jungen Mann ist noch auf der Suche. Gut, wenn er dabei nicht gleich jedem sein Geld hinterherwirft, sondern verantwortlich damit umgeht.

Wer älter ist, weiß: Ein erfülltes Leben hängt nicht am Geld, sondern daran, dass man sein Leben nicht ans Geld hängt. Eines Tages wird auch der junge Mann das erkennen. Oder können Sie sich etwas anderes vorstellen?

Predigttext am Sonntag, 15. Oktober 2017, ist Markus-Evangelium 10, 17-22.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Dämonisches

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Dämonisches in der Glücksspielstadt? (Foto: Treiber)

An Dämonen glaubt heute niemand mehr. Es gibt sie auch nicht, es gibt keine Geistwesen, die sich in eine Person schleichen und sie beherrschen. Oder vielleicht doch? Wenn ein durchgeknallter Rentner einen Massenmord in Las Vegas begeht? Wenn durchgeknallte Wutbürger, denen es so gut geht wie noch nie Menschen in der Geschichte, bei einer Demo die rechte (oder linke) Sau rauslassen? Wenn man selbst im entscheidenden Moment das Falsche tut, und weiß, dass es falsch ist?

 

Sind wir Herr (oder Frau) unserer selbst? Zweifel sind angebracht. Und dennoch haben wir gar keine andere Möglichkeit, als Menschen für das, was sie tun, verantwortlich zu machen: Den Killer in Las Vegas für die Schüsse, die Wutbürgerin in Stuttgart für ihr unflätiges Benehmen der jungen Polizistin gegenüber – und wir selbst werden schließlich immer von anderen nach unserem Tun beurteilt.

Am kommenden Sonntag ist in der Predigt von einer Dämonenaustreibung die Rede. Das klingt fremd und sollte auch fremd bleiben. Von Dämonen zu reden, kann nur bildhaft gemeint sein. Jeder bleibt für sein Tun verantwortlich, solange sein Geist nicht gestört ist. Allerdings, und das lehrt die Geschichte: Wir sollten strikt zwischen Person und Tat trennen. Menschen sind immer mehr als das, was sie tun. Jesus hat gerade den „Sündern“ die Hand hingehalten und so die Dämonen aus den Leben von Menschen vertrieben, die uns Unverantwortliches tun lassen.

Predigttext am Sonntag, 8. Oktober 2017, ist Markusevangelium 9, 17-27.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Das Jahr ohne Sommer ist vorbei

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Aus Freude, dass das Jahr ohne Sommer vorbei war, wurde das Cannstatter Volksfest gestiftet. Hier ein Druck aus dem Jahr 1824. (wikicommons/gemeinfrei)

Das Jahr ohne Sommer ist endlich vorbei – freuten sich die Menschen vor genau 200 Jahren. Nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora zwei Jahre zuvor verdunkelte sich der Himmel auf der Nordhalbkugel und es gab 1816 keinen Sommer und damit auch keine Ernte. Man kann sich die Freude vorstellen, als 1817 endlich wieder Getreide und Wein wuchs. Anlass, dies in einem großen Erntedankumzug auch in Heilbronn zu feiern. (Und in unserem Familiengottesdienst am 1. Oktober 2017 um 11 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim werden wir genau an dieses Ereignis erinnern.)

Wann habe ich mich eigentlich zum letzten Mal riesig darüber gefreut, dankbar sein zu können: Für mein Leben und die Gesundheit, für meine Familie und meinen Beruf, für Freunde und Liebe, für Hoffnung und Hilfe?

Am Sonntag werde ich es tun, wenn ich beim Stillen Gebet vor dem Altar stehe: Danke Gott, für dies alles! danke für alles Gute, für alles Glück – und für die Kraft, das, was nicht so gut ist, tragen zu können.

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