Alles auf eine Karte

J038

Gebaut für eine Fahrt ohne Wiederkehr – die Mayflower (Hier ein Nachbau in Plymouth, MA – Foto: Treiber)

Alles auf eine Karte setzen? Wer tut das schon? Ich jedenfalls sichere mich gerne ab, und als guter Rat gilt, sich immer mehrere Möglichkeiten offen zu halten. Wirklich ein guter Rat?

In der Pokerrunde am Anfang des Films „Titanic“ setzt Jack Dawson auf Sieg und gewinnt die Überfahrt nach Amerika, die auch im besten Fall eine Fahrt ohne Wiederkehr gewesen wäre wie für die frommen Pilgerväter, die 1620 mit ihrer „Mayflower“ in See stachen. Auch sie hatten alles auf eine Karte gesetzt, den letzten Groschen zusammengeklaubt und alle Hoffnung auf die Neue Welt gerichtet.

Die wichtigsten Momente des Lebens sind wohl die, wo genau das gefordert ist: Sich voll und ganz dem einen, wichtigen hingeben: Den Lebenstraum wahr werden lassen; sich um die neue Stelle bewerben; der Frau, die man liebt, einen Antrag machen; für seine Kinder bedingungslos da zu sein.

Die Fülle des Lebens erfahren wir nur, wenn wir bereit sind, uns ganz dem Leben, wie wir es für richtig halten, hinzugeben.

Predigttext am Sonntag, 19. März 2017, ist Markus 12, 41-44 „Das Scherflein der Witwe“

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament | Hinterlasse einen Kommentar

Liebst du mich wirklich? Wirklich wirklich?

junge Frau

„Liebst du nicht wirklich?“ – Was für eine dumme Frage. (Foto: iStock)

„Liebst du mich wirklich?“ heißt die gefährliche Frage in einer Beziehung, wenn man dem Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick glauben darf. Der Partner antwortet darauf „Ja, natürlich!“ Doch dann geht die Fragerei weiter: „Nein, ich meine wirklich wirklich…“

Man traut dem nicht, was andere sagen, möchte Beweise und Belege, und auch wo es die nicht geben kann, wie zum Beispiel in der Liebe, drängt man auf Liebesbekundungen der höheren Art und auf Liebesbeweise wie das beliebte Gedankenraten. („Ich sag dir nicht, was ich mir zum Geburtstag wünsche, wenn du mich wirklich liebst, dann weist du das……“ – auch von Watzlawick so beschrieben.)

Für die wichtigen Dinge im Leben gibt es aber keine Beweise, und Gewissheit, ob jemand uns wirklich liebt, finden wir nur in unserem Herzen, nicht durch Belege. Das gilt auch für den Glauben: Ob Jesus mit seinem Leben als Liebe uns auf den richtigen Lebensweg weist, lässt sich nicht beweisen, ob wir tatsächlich in neuem, ewigen Leben Erfüllung finden, kann niemand sicher wissen. Aber in unseren besten Momenten spüren wir – beim Blick in einer Kindergesicht oder dem Glücksgefühl auf einer Sommerwiese -, dass es doch mehr geben muss, als wir sehen und erkennen: Gott, der uns in aller Ewigkeit hält.

Predigttext am Sonntag, 12. März 2017, ist Matthäusevangelium 12, 38-42

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Menschlich sein, heißt endlich sein

img_2094

Gemauerte Unmenschlichkeit – Albert Speers für die Ewigkeit konzipierten Nazi-Bauten in Nürnberg. (Foto: Treiber)

Menschlich sein, heißt endlich sein. Der Satz geht mir erstaunlich leicht über die Lippen. Dabei leiden wir Menschen doch vor allem unter den Grenzen, die uns gesetzt sind, körperliche und psychische Grenzen, Krankheit und Tod, aber auch Grenzen im Zusammenleben, Missverständnisse, Fixierungen und all die Hamsterräder, in denen wir uns in unserem Leben drehen.

Sein wollen wir Gott, ist in der Bibel die große Versuchung des Menschen; alles bestimmen zu können, alles machen zu können heißt der große Traum. Aber das können wir nicht. Und jeder, der sich diesem Irrglauben hingibt, bringt seine Menschlichkeit in Gefahr, sein Verständnis für die Schwachen, für die Kranken, für die Armen.

Heißt Mensch zu sein also, alles einfach so hinzunehmen, wie es ist? Einfach nichts tun und alle Grenzen akzeptieren? Dagegen wehrt sich in mir alles. Wenn ich etwas kann, möchte ich darin gerne besser werden, und wenn ich Leid sehe, möchte ich machen, dass es aufhört. Wir Menschen sind dafür gemacht, an unsere Grenzen zu gehen und die Grenzen zu verschieben. Das ist gut so und hat unser Leben auf Erden um so vieles besser gemacht. Gestalten sollen wir unsere Welt so gut wir es können, auch das steht in der Bibel. Eine letzte Grenze aber bleibt, die die uns menschlich macht, weil wir wissen, dass es diese letzte Grenze gibt: Wir werden nie sein, wie Gott.

Predigttext am Sonntag, 5. März 2017, ist 1.Mose 3, 1-19.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Arbeiten, um zu leben

450px-Deckchair_600

Immer einladend: ein Liegestuhl (Foto: iStock)

Vor allem für junge Berufstätige ist heute die Work-Life-Balance wichtig, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und dem „anderen“ Leben als Lebenspartner, Elternteil, Freund und Mensch. Wer bis zum Umfallen arbeitet, macht etwas falsch, weil er zu wenig Zeit für sich und andere hat.

So wie Martin, der es richtig macht: Ein interessanter Gast ist im Hause, er redet von wichtigen Dingen und inspiriert einen zum besseren Leben. Da kann man das Geschirr ruhig mal in der Küche stehen lassen und einfach zuhören. Anders dagegen Michael, der keine Zeit hat, zuzuhören, weil er im Home Office dringend noch eine Präsentation fertig machen muss, die sein Chef heute Abend noch erwartet. Wer hat mehr von dem Abend? Wohl Martin, der sein Leben im besten Sinne überdenken kann.

In der Bibel heißen die beiden übrigens Maria und Martha, aber um Geschlechterklischees soll es hier nicht gehen, sondern darum, dass wir nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben.

Predigttext am Sonntag, 26. Februar 2017, ist Lukasevangelium 10, 38-42.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Alles wird gut

Mann und Kind

Die beste Zukunft liegt vor uns, sagt die Bibel. (Foto: iStock)

„Freu dich auf die beste Zukunft aller Zeiten!“ hieß einer der schönsten Werbesprüche des Jahres 2016. Inzwischen wurde er offenbar wieder zurückgezogen; vermutlich scheint er nicht mehr in die Zeit zu passen. Dabei haben wir allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn es geht uns Menschen auf der Welt immer besser, wie ich in einem > Artikel dargelegt habe.

Das Gute, das sich entwickelt, übersieht man oft. Manchmal deswegen, weil schlechte Nachrichten eben eher berichtet werden als gute („Only bad news are good news!“ heißt ein alter Journalisten-Lehrsatz), manchmal auch deswegen, weil wir das Gute in unserem Leben als selbstverständlich nehmen und nicht darüber nachdenken.

Für Gott allerdings ist es tatsächlich selbstverständlich, dass sich alles zum Guten entwickelt. Das Reich Gottes wächst im Verborgenen, in all den kleinen, guten Dingen, die geschehen, durch all die Liebe, die wir tun und die andere uns angedeihen lassen.

Predigttext am Sonntag, 19. Februar 2017, ist Markus 4, 26-29.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

„Mein Lohn ist, dass ich dienen darf“?

476px-John_F._Kennedy_3c17124u_original

„Das Leben ist ungerecht, aber vergiss nicht: nicht immer zu deinen Ungunsten.“ heißt ein Zitat, das fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschriebene wird. Weiß jemand, von wem es tatsächlich stammt? (Foto: wikicommons)

Haben Sie das Gefühl, dass Sie im Leben das bekommen, was Sie verdienen? Sie bemühen sich, hilfsbereit und freundlich zu sein, Sie tun alles für ihre Familie, sind da für ihre Freunde, leisten im Beruf mehr, als was nötig ist – hätte man da nicht ein glückliches, sorgenfreies Leben verdient, womöglich noch gesund bis ins hohe Alter? Aber das Leben ist nicht gerecht, das braucht uns keiner zu sagen, und manchmal ist es verd..mt ungerecht.

Wäre das ein Grund, nicht gut zu sein, sich nicht anzustrengen, nicht das richtige zu tun? Ich denke nein. Unsere Nächsten zu lieben und unsere Liebsten am allermeisten tun wir nicht, weil wir dafür eine Belohnung erwarten, sondern weil es richtig ist und unserem Wesen entspricht.

In der Kirche hat man das oft unter dem missverständlichen Motto „Mein Lohn ist, dass ich dienen darf!“ zusammengefasst. Aber es geht nicht um Sklavendienste für andere, sondern um die persönliche Erfahrung, dass gutes Tun und gutes Leben (leider) nicht voneinander abhängen.

Die Bibel sagt das klarer: „Wir tun, was wir zu tun schuldig sind!“ – also gut zu anderen und zu uns selbst zu sein, auch wenn das das Leben nicht immer einfacher macht.

Ziemlich heavy, der Predigttext des kommenden Sonntags!

Predigttext am Sonntag, 12. Februar 2017, ist Lukas 17, 7-10.

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Freiheit ist der Anfang

Foto

Mose, hier als Spielzeugfigur, führte sein Volk im Auftrag Gottes in die Freiheit. (Foto: Treiber)

Freiheit ist der Anfang von allem, jedenfalls in unserer Tradition. Der jüdische Gottesglaube, aus dem der christliche entstand, begann mit der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Freiheit ist für Paulus die wichtigste Erfahrung, die er mit dem Glauben an Jesus verbindet. Und die abendländische Freiheitsphilosophie ist zwar im Kampf gegen die Kirche entstanden, aber ohne die christlich-antike Tradition nicht denkbar.

Freiheit ist auch immer in Gefahr, heute wieder besonders wie ein Blick in die Weltpolitik von den USA über Frankreich und Deutschland bis nach Osteuropa zeigt, denn Freiheit ist anstrengend, wie schon Mose erfahren musste, dessen Volk ihm schon kurz nach der Befreiung jammernd in den Ohren lag und von den Fleischtöpfen in der Sklaverei träumte.

Die Evangelische Kirche will sich als „Kirche der Freiheit“ verstehen, im Jahr des Reformationsjubiläums sowieso. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Davon sollten wir uns nicht abbringen lassen!

Predigttext am Sonntag, 5. Februar 2017, ist 2.Mose 3, 1-10(14)

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Vertrauen hätt ich schon wollen

 

iStock

Vertrauen, dass das Wasser trägt (Foto: iStock)

Null Problemo! Auf mich kannst du dich verlassen! Das schreckt mich nicht! Ich bleibe unter allen Umständen dabei. – Wer gefragt wird, ob er zu einem anderen steht, ob seine Zusage auch gilt, wenn es ernst wird, dem kommen solche Worte vielleicht leicht von den Lippen, doch „mögen hätt ich schon wollen, aber tun hab ich mich nicht getraut“ könnte man in Abwandlung eines Wortes von Karl Valentin sagen.

Vertrauen zu haben, fällt uns Menschen eigentlich leicht. Und das ist gut so, denn wir brauchen Vertrauen – im Straßenverkehr, im Handel und bei jedem Miteinander. Vertrauen in Gott zu haben, Vertrauen, dass wir immer gehalten sind, dass wir nie tiefer fallen können als in Gottes Hand, fällt dagegen schwer. Als Petrus auf dem See Genezareth gehen sollte, verließ ihn das Vertrauen sofort und er ging unter. Eine wundersame Legende nur, gewiss, aber eine richtige Beobachtung: Wem der Boden unter den Füßen wegbricht, dem vergehen die großspurigen Ansagen.

Es ist offenbar ein Geschenk, auch unter widrigen Umständen glauben zu können. Vertrauen ist nicht nur gut, Vertrauen ist besser – das Beste, was uns passieren kann.

Predigttext am Sonntag, 29. Januar 2017, ist Matthäus 14, 22-33.

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Glaube an Gott ist Glaube an die Liebe

Love

Gott ist die Liebe. Und Liebe verbindet alle. (Foto: Treiber)

Um die 60 Prozent aller Deutschen – die Umfrageergebnisse schwanken –  glaubt an Gott. Und der Rest? Lässt er „Gott einen guten Mann sein“, wie man so sagt? Das wäre in meinen Augen fatal. Ohne Glaube, darauf hat der Philosoph Max Horkheimer 1970 in einem SPIEGEL-Interview verwiesen, fehlt die „Hoffnung, dass es bei diesem Unrecht, durch das die Welt gekennzeichnet ist, nicht bleibe, dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge.“

Und all der Ärger, die Ängste und die Sorgen sollen auch nicht unser Leben bestimmen, möchte ich ergänzen. Glaube ist Hoffnung und zeigt sich in der Liebe. Dieser Glaube, dieses „Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht“ (P.Tillich), ist zunächst einmal ein tiefes Gefühl, das die meisten Menschen in sich empfinden, das Gefühl, „dass da mehr ist“ und es einen Sinn gibt; er zeigt sich in der inneren Gewissheit, dass Gutes gut ist und Liebe richtig.

Mancher mag mit der Vorstellung eines persönlichen Gottes wenig anfangen können, aber ich bin sicher, die meisten Menschen lassen Gott nicht nur „einen guten Mann sein“, sondern wollen selbst das Gute in der Welt und ein Leben, in dem Liebe wirklich wird. Das ist die beste Voraussetzung, dass wir – egal was und wie wir glauben – in Frieden und Freiheit zusammenleben.

Predigttext am Sonntag, 22. Januar 2017, ist Johannesevangelium 4, 46-54

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament | Hinterlasse einen Kommentar

Herrlich, dieses Leben?!

Mann und Kind

Das Leben kann herrlich sein, auch wenn es nicht perfekt ist. (Foto: iStock)

Das müsste doch wundervoll sein: Glückliche Menschen lachen einen an, man selbst ist gesund und freut sich des Lebens, Friede um einen herum und die Freunde und die Familie lieben einen. Herrlich wäre das!

Und tatsächlich ein Wunder, denn das perfekte Leben gibt es nicht. Zum Leben gehört dessen Zweideutigkeit und Gefährdung. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, sagt man. Und in der Regel stimmt das. Auch wenn wir oft nicht sehen, was andere, denen es vielleicht scheinbar besser geht, zu tragen haben.

„Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ bittet Mose Gott, und kann davon nur eine Ahnung erblicken. Ich denke, in unserem Leben ist das auch so. Die kleinen Momente des Glücks gibt es im Leben – oft zuhauf – und manch Herrliches ist zu sehen: Kinder und Enkel, die groß werden; Dinge, die man erbaut und geleistet hat; Gutes, das einen begleitet, wie die Liebe anderer Menschen oder eine gute Gesundheit.

Häufig ist es deshalb eine Frage der Einstellung oder der Glaubens, dass man Herrlichkeit sehen kann. Gott zeigt sie uns jeden Tag in unserem Leben – mal weniger, mal mehr.

Predigttext am Sonntag, 15. Januar 2017, ist 2.Mose 33, 17b-23.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

Veröffentlicht unter Altes Testament, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar