Wie viel braucht man?

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Auch wer auf den Euro schimpft, hätte ihn gerne…… (Foto: Treiber)

Nur wenig ist zuhause befreiender, als alte Kleider und alte Bücher auszusortieren und sie abzugeben. Besitz macht nicht wirklich glücklich und etwas unbedingt besitzen wollen, macht sogar meist unglücklich. Zugleich beruhigt Besitz aber ungemein, wie man sagt, und es war, glaube ich, ein erfolgreicher deutscher Tennisspieler, der einmal meinte: Wenn die Leute wüssten, wie viel Glück man sich mit Geld kaufen kann, würde es eine Revolution geben….

 

Nur: Was würden Sie sich kaufen, wenn Sie viel Geld hätten? Ich denke, die meisten denken dabei zunächst an ein Haus zum darin wohnen, an das Ticket für eine Weltreise, an eine Absicherung fürs Alter – und dann? Dann käme vielleicht schon der Gedanke, anderen etwas Gutes zu tun, den Kindern oder Enkeln etwas abgeben oder etwas spenden.

Wenn Sie zehn Million Euro im Lotto gewinnen würden, würden Sie davon etwas für gute Zwecke weitergeben? Die meisten Menschen, die ich gefragt habe, sagen dazu spontan ja. Wir Menschen sind offenbar gar keine solchen Egoisten, wie immer gesagt wird. Wir sind bereit, etwas abzugeben, wenn wir das für richtig und für gut halten. Unser Glück, das wissen wir nämlich fast alle, hängt nicht am Besitz, sondern daran, was wir damit tun, und wie sehr wir von ihm abhängig sind. Vielleicht gilt folgendes: Gut ist es, so viel zu besitzen, dass man sich frei fühlen kann, und ab dann sollte man vermeiden, davon abhängig zu werden.

Predigttext am Sonntag, 24. September 2017, ist Lukas-Evangelium 18, 28 bis 30.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Wunder gibt es immer wieder

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Erinnern Sie sich noch an Dr. Marcus Brody aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“? Das beste Zitat des Films hat er. (screenshot)

Naturgesetze gelten, keine Frage. Deswegen gibt es gute Gründe, Wundergeschichten zu misstrauen, und man kann ein tief glaubender Mensch sein, ohne es für wahr zu halten, dass ein Leprakranker tatsächlich nur durch ein Wort geheilt wurde.

Andererseits: Wunder gibt es immer wieder. Nicht so, wie wir sie erwarten, oft nicht einmal dort, wo wir sie erhoffen. Aber nach Jahren vergeblicher Suche begegnet man doch plötzlich der Frau fürs Leben, und in einem finsteren Gefängnis aus Sorgen, Leid und Angst öffnet sich plötzlich doch eine Türe hinaus. Alles erklärbar? Hinterher vielleicht, aber näher liegt mir hier, auf Dr. Marcus Brody, den Historiker aus den  „Indiana Jones“-Filmen, zu hören: „Je älter ich werde, desto mehr bin ich bereit, manche Dinge einfach zu glauben.“

Das bedeutet nicht, sich falsche Hoffnungen zu machen, aber es heißt: Ich weiß nie, was kommen wird. Aber ich hoffe, dass es gut wird.

Predigttext am Sonntag, 17. September 2017, ist Markusevangelium 1, 40-45.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche, Heilbronn-Sontheim.

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Peinlich, diese Familienstreitigkeiten!

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Wenn andere laut werden, wird’s peinlich. (Foto: iStock)

Familienstreitigkeiten in der Öffentlichkeit sind peinlich. Wenn die 30jährige Tochter am Nebentisch ihre Mutter anpflaumt, sie solle sie gefälligst in Ruhe lassen und sich nicht dauernd in ihr Leben einmischen, dann spitzt man automatisch die Ohren und versucht wegzuhören, und wenn dann noch nachgelegt wird: „Sei doch leise, alle hören zu! – Nein, ich bin nicht leise!“, kann man nur verschämt zu Boden blicken. Peinlich!

Ähnlich muss es den Zuhörern ergangen sein, die einen handfesten Streit zwischen Jesus und seiner Familie mitbekamen. Maria und Jesu Brüder wollten ihren Sohn, der plötzlich Wanderprediger geworden war, wohl zurückholen – und holten sich eine Abfuhr: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?“ Auch im Hause Jesus hing der Haussegen zuweilen schief.

Toll, dass das in der Bibel überliefert wurde. Keine Schönrednerei findet sich dort, sondern die Wirklichkeit! Familien fällt es schwer, ihre Kinder ziehen zu lassen, wenn sie aus der Reihe tanzen. Umso erfreulicher, wenn die Familie wieder zusammenfindet. An seinem letzten Tag, ist seine Mutter bei Jesus – und nach seinem Tod übernimmt sein Bruder Jakobus das Vermächtnis und leitet die christliche Gemeinde.

Predigttext am Sonntag, 10. September, ist Markus 3, 31.35.

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Hoffnung ist Wirklichkeit

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Hoffnung gibt Kraft (Foto: iStock)

„Alles gut“, sagte eine Frau zu mir, nachdem sie ihre persönlichen Probleme so gerade in Griff bekommen hatte. Aber natürlich war nicht alles gut, die Probleme bestanden weiter, nur konnte sie damit besser umgehen.

„Alles gut“, verabschiedet mich der todkranke Mann nach unserem Gespräch. Bestimmt nicht, dachte ich, und doch hat das Wort einen tröstenden Klang. Natürlich ist bei weitem nicht „alles gut“, aber in dem Ausdruck ist der Wille herauszuhören, mit dem Schlechten umzugehen, die Zuversicht, damit leben zu können, und die Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch einmal alles gut sein wird, wenn auch vielleicht sogar in einer Welt, die nicht mehr die unsere ist.
Ist Hoffnung eine Illusion? Hoffnung auf ein Wunder, Hoffnung auf Gott? Dem würde ich entschieden Nein! entgegnen. Hoffnung ist Wirklichkeit, denn sie ist spürbar: als Mut, als Vertrauen und als Tatkraft. Sie hat im Leben von Menschen und in der Welt mehr verändert, als alles andere. Hoffnung hat Menschen Ozeane überqueren und neue Gegenden besiedeln lassen, Hoffnung beflügelt Forscher in den Laboren zur Arbeit und Menschen zu guten Taten. Hoffnung hält uns, unser Leben und unser Zusammenleben mit anderen zusammen. „Alles gut!“
Predigttext am Sonntag, 3. September, ist Jesaja 29, 17-24.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.
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Bullshit!

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(Abbildung: pixabay – creative commons)

Der Anglizismus „Bullshit“ klingt vielleicht vulgärer als er gemeint ist. Mit Bullshit bezeichnet der amerikanische Philosoph Harry Frankfurt das leere Gerede, das vor allem die Medienmaschinerie aber auch aufdringliche Privatleute produzieren. Dabei werden keine falschen Fakten (FakeNews), von denen heute oft die Rede ist, verbreitet, sondern substanzloses Gerede soll Kompetenz und Handlungsbereitschaft vortäuschen.

Das Tolle an Frankfurt ist, dass er in seinem kleinen Büchlein „On Bullshit“ darüber keine moralischen Urteile fällt, sondern zunächst beschreibt, wie unausweichlich der „Hohlsprech“ (so eine passende deutsche Übersetzung laut wikipedia) gerade in der Politik ist: Wenn Politiker gezwungen werden, über Dinge zu sprechen, von denen sie nicht genug verstehen, entsteht Bullshit, ebenso, wenn man darauf besteht, dass in einer Demokratie jeder zu allen politischen und gesellschaftlichen Fragen eine Meinung haben muss. Bullshit entsteht auch, wenn Menschen moralisch handeln wollen, obwohl sie gar nicht alle nötigen Fakten kennen.

Schlechte Aussichten für die Schlussphase des Wahlkampfes? Nun ja, die meisten von uns wissen, dass man Wahlkampfsätze nicht als Versprechen verstehen darf, sondern sie nur eine politische Richtung markieren. Die Mehrzahl der Wähler achtet deshalb vor allem auf die Persönlichkeit der Kandidaten oder die programmatische Grundhaltung der Parteien. Das ist, denke ich, die beste Möglichkeit, dem Bullshit auszuweichen.

Im Predigttext am Sonntag geht es um etwas Ähnliches: Der eine verspricht etwas Gutes in wohl besten Absichten und tut es nicht, während der andere nichts verspricht und das Gute tut. Was ist besser, Gutes wollen oder Gutes tun?

Predigttext am Sonntag, 27. August 2017, ist Matthäus-Evangelium 21, 28-32.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1.

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Luthers Dummheiten

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Sünder und Begnadeter zugleich (Foto: Treiber)

Wer Martin Luther feiert, darf seine Fehler nicht verschweigen. Er hat Großartiges geleistet und einen ganzen Kontinent verändert, er viele Menschen zu einem neuen, lebendigen Glauben motiviert – und er ist fürchterlichen Irrtümern erlegen. Seine Hetze gegen die Bauern im Bauernkrieg war schrecklich, seine Äußerungen über die Finanzwirtschaft dumm und geprägt von einer unerträglichen Judenfeindschaft.

Ihn deswegen moralisch zu verurteilen, halte ich dennoch für unangebracht. Für seine Dummheiten kann er nichts, vieles lag damals jenseits seines Horizonts. Und seine anderen, klugen Sätze, sein Mut und und sein Streben, das Leben für alle christlich und besser zu gestalten, werden dadurch nicht weniger wert.

Luther hatte zwei Seiten wie alle Menschen. Deswegen – auch dies eine kluge Erkenntnis Luthers – verzichten wir Evangelischen auf Heiligenverehrung. Moralisch und theologisch ist jeder Mensch Sünder und Begnadeter zugleich. Und jeder hat seine eigenen, engen Grenzen, ganz wie Luther uns in den letzten Worten hinterließ, die er am Tag vor seinem Tod geschrieben hat: „Wir sind Bettler. Das ist wahr.“

Predigttext am Sonntag, 20. August 2017, ist Johannes 2, 13-22. An diesem Tag erinnert die Kirche mit dem „Israelsonntag“ an die durch sie mitzuverantwortende Verfolgung der Juden.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Auf Fels bauen

Athen - Areopag

Ein Fels, der Geschichte schrieb: Der Areopag in Athen (Foto: Treiber)

Einer der bekannteste Ratschläge der Bibel lautet, dass man auf Fels bauen soll, denn ein Haus, das auf Sand gebaut ist, fällt bei Wind und Regen leicht um. So weit, so gut. Was aber, wenn man erst im Lauf der Zeit entdeckt, dass das eigene Lebenshaus nicht auf so stabilem Grund steht, wie gedacht. Abreißen und neu bauen? Ein Bekannter hat das kürzlich gemacht, hat seinen Beruf samt allem drum und dran aufgegeben und sein Leben neu gegründet – nicht mehr auf eine feste Anstellung, sondern auf das Vertrauen, dass er sich als Autor durchsetzen wird, wobei ihm sein Gottvertrauen sicher eine Hilfe ist.

Das ist in diesem Fall bewundernswert, aber in anderen Fällen muss man nicht gleich seine Vergangenheit aufgeben, um neuen Halt im Leben zu finden, denke ich. Sich in einer Midlife-Krise eine jüngere Frau zu suchen, klingt häufig jedenfalls eher nach Flucht, als nach Halt, wenn ich das mal so direkt sagen darf, obwohl natürlich jeder selbst am besten weiß, was ihm in seinem Leben Fels ist, auf den er bauen kann.

Stabil jedenfalls ist ein Fundament im Leben dann, wenn nicht wir selbst es sind, die es bauen, sondern es uns geben lassen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Aus diesen gewinnen wir, was wir im Leben jeden Tag brauchen: Mut, der Angst überwindet; Besonnenheit, die uns innere Ruhe gibt; und Kraft, uns und anderen Gutes zu tun.

Predigttext am Sonntag, 13. August 2017, ist Matthäus-Evangelium 7, 21-27.

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Das Bessere sehen

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In Warschau der höchste Aussichtspunkt – der Kulturpalast. (Foto: Treiber)

Bei einer Reise in eine neue Stadt ist mit das erste, was ich tue: Ich gehe auf einen Aussichtspunkt oder eine Aussichtsterasse auf einem hohen Gebäude. Vom Kulturplalast aus bekommt man einfach einen guten Überblick über Warschau, von der Kuppel des Petersdoms aus hat man den Vatikanstaat zu Füßen liegen und vom Hügel Lykavittos sieht man über ganz Athen bis nach Piräus. Von oben sieht man einfach mehr.

Das gilt auch übertragen: Es ist im Leben oft nötig, den Überblick nicht zu verlieren, nicht im Kleinklein der Probleme unterzugehen, sondern über die Alltagslasten hinaus zu sehen. Dazu gilt es Abstand und Höhe zu gewinnen.

Wenn ich bete, habe ich das Gefühl, dass das gelingen könnte. Wenn ich Gott erkläre, was mich belastet, werde ich dadurch selbst  – wenn auch nur kurz – in eine Sphäre des Jenseits gezogen, von der aus Abstand möglich ist und Überblick gewonnen werden kann. Die Landung danach ist, auch das eine Erfahrung, immer weich, auch wenn die Probleme nicht einfach verschwunden sind. Ob Gott wirklich zuhört, kann man beim Beten nicht wissen, aber dass es hilft, kann man erfahren; und Kraft daraus gewinnen, das Bessere im Leben für möglich zu halten.

Predigttext am Sonntag, 6. August 2017, ist Jesaja 2, 1-5.

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Brot als Hauptmahlzeit

von Elke

Amerika wird auch immer deutscher – Bäckerei in Idaho (Foto: Ischinger)

In einem ausländischen Reiseführer über Deutschland habe ich kürzlich den Hinweis gefunden, dass Brot hierzulande nicht als Beilage zum Essen gelte, sondern eine Mahlzeit sei. Das klang bewundernd und wird weltweit nachgemacht. Inzwischen findet man selbst in Backwaren-Ragelen in den USA diverse Schwarzbrotsorten und Laugenbrötchen.

Dass Brot hierzulande ein ganz besonderes Lebensmittel ist, geht vielleicht auf die Bibel und ihre Bedeutung in der von Deutschland ausgehenden Reformation zurück. Es ist das Grundnahrungsmittel, das satt macht, oder jedenfalls das Symbol dafür, auch wenn man gerade eine Low-Carb Diät macht. In der Bibel ist es Symbol für das, was man im Leben wirklich braucht und worauf es wirklich ankommt: Dass man Halt und Sinn findet, Glaube, Liebe und Hoffnung.

Brot ist nicht alles, und alleine macht es einen nicht in allem satt; Rostbraten und Berufserfolg, Gemüsepfanne und Gesundheit hat damit noch nicht erreicht. Aber ohne das, wofür Brot Symbol, ist, ohne Glaube, Liebe und Hoffnung, ist alles nichts. Ich denke, Jesus hat das in seinem Wort vom „Brot des Lebens“ so gemeint.

Predigttext am Sonntag, 30. Juli 2017, ist Johannes 6, 30-35.

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Kindlich werden – frei sein

Mann und Kind

Foto: iStock

Zwischen kindisch und kindlich gibt es einen gewaltigen Unterschied. Kindisch ist es, Witze über andere zu machen, die niemand lustig findet; kindisch ist es, auf sein vermeintliches Recht zu beharren, obwohl es niemandem nützt; kindisch ist es, besserwisserisch zu sein, neidisch oder an FakeNews zu glauben.

Kindlich dagegen ist etwas anders. Kindlich sein, heißt Vertrauen in das Leben zu haben; unbeirrt in die Zukunft zu gehen; dankbar nehmen, was man bekommt und mit seiner Unbekümmertheit andere zu inspirieren. Kindlich ist man, wenn man mitten in der Welt lebt und sich von ihr dennoch nicht unterkriegen lässt.

Kindlich sollen wir werden, empfiehlt uns Jesus. Dann wird unser Leben besser, freier und erlöster sein.

Predigttext am Sonntag, 23. Juli 2017, ist Markus 10, 13-16.

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