Nerven – bis er oder sie nachgibt!

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Auch in der Bibel gibt es echt schräge Geschichten – wie zum Beispiel das Gleichnis der bittenden Witwe. (Foto: Treiber)

Was kleine Kinder zuweilen instinktiv ihren Eltern gegenüber drauf haben, erzählt Jesus als Beispiel, warum Gott Gebete erhört. Solange beten, ihn so lange nerven, bis er endlich zuhört!

Das ist befremdlich – nicht nur für Theologen. Aber es ist doch auch unglaublich ermunternd: Wer betet, kann offenbar nichts falsch machen.

Und das Wichtigste: Wer betet erhält sich die Hoffnung auch in aussichtslosen Situationen.

Vernünftig klingt das nicht. Vielleicht finde ich deshalb die schräge Geschichte von der „bittenden Witwe“ auch heute noch so inspirierend.

Predigttext am Sonntag, 10. November 2013 ist Lukas 18, 1-8.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Ja oder Nein! Alles andere ist von Übel?

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Bild: wikicommons (public domain)

Wer von uns hat sich nicht schon einmal vor einer nötigen Entscheidung gedrückt, hat versucht, alles so laufen zu lassen wie bisher und gehofft, dass es sich von selbst löst? Manchmal funktioniert das auch, jedenfalls eine Zeit lang.

Letztlich aber müssen wir uns dann doch entscheiden: Ja oder Nein? So oder anders? Alles andere sei von Übel, sagt Jesus im Predigttext des kommenden Sonntags, weil man vor sich selber klar und wahr sein soll.

Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, das ist richtig. Aber sie ist auch nicht grau, sondern ein mal dunkler, mal heller Fleckenteppich, auf dem sehr genau zu sehen ist, wo wir stehen.

Predigttext am 3.November 2013 ist Matthäus 5, 33-37.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

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Goldener Käfig

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Umstritten teuer – Privatkapelle St. Maria in Limburg an der Lahn (Foto: wikicommons)

Sind die gerade viel kritisierten kirchlichen Bauten in Limburg wirklich zu protzig? Ich empfinde die burgähnliche Anlage mit der Privatkapelle eher als bedrückend:

der selbstgebaute goldene Käfig eines Glaubens, der damit darstellt, dass er in der Welt keinen Platz mehr haben will. Oder finden Sie, dass die schwarze Kapelle das Evangelium angemessen darstellt?

Kirche sollte Leben ausstrahlen, denn der Glaube zeigt sich in der Welt: darin, dass wir Gottes Wort halten und Liebe üben und unsere Grenzen kennen. So steht es im Predigttext für nächsten Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 27. Oktober 2013 ist Micha 6, 6-8.

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Für die Liebe Alles tun

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Die älteste Kirche der Welt nördlich von Damaskus in Syrien. Was heißt heute, sein Leben für die Glaubensfreunde zu einzusetzen? (Foto: Treiber)

Bestechend einfach klingt das Gebot Jesu: „Liebt euch untereinander!“ Die konkrete Forderung, dass man für die Freunde sein Leben einsetzen soll, lässt einen dann aber doch nachdenken: Wie weit soll christliche Liebe gehen? Andere mit Respekt behandeln, freundlich sein und Armen helfen, darüber herrscht in unserer Gesellschaft ja Konsens; das tun auch die Nicht-Christen. Was aber ist dann christlich? Wohl doch die Liebe als zentrales Gebot, das alle anderen außer Kraft setzen kann. Für seine Liebsten würde man notfalls doch alles tun. Oder?

Predigttext am Sonntag, 20. Oktober 2013, ist Johannes 15, 9-12.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Einfach Gutes tun, ganz ohne Zwang

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Gottes Gebote sind keine starren Prinzipien, sondern müssen dem Menschen dienen – wie die Mose-Actionfigur mit dem Hirtenstab. (Foto: Treiber)

Man tut etwas, weil es als richtig erkannt worden ist – koste es, was es wolle. Das ist das Prinzip der Pflichtenethik, begründet von Immanuel Kant, der, wie er selbst sagte, sogar lieber einen Freund an dessen Feinde verraten würde als zu lügen, den Lügen ist verboten.

Während dieses Prinzip die europäische Philosophie und Politik nachhaltig prägt, gehen die Briten und Amerikaner da pragmatischer an die Sache heran. Man tut, was nützt und geht. Die frommen Amis sind dabei, kein Wunder, näher an der Bibel dran. Denn auch für Jesus sind Gebote kein Selbstzweck, sondern haben nur eine Berechtigung, wenn sie konkreten Menschen nützen.

Menschenfreundlich daran ist übrigens nicht nur die Begründung, sondern auch die Folge, die sich im persönlichen Verhalten und in der Politik zeigen. Man versucht nicht, andere besserwisserisch zu belehren oder per Verordnung dazu zu zwingen, das Richtige zu tun, sondern man tut anderen Gutes – einfach, weil Gott das will, dass es Menschen gut geht.

Predigttext am Sonntag, 13. Oktober 2013, ist Markus 2, 23-28.

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Ein Morgen ohne Sorgen?

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Der Berg der Bergpredigt in saftigem Grün
(Foto: Treiber)

Der Predigttext für nächsten Sonntag tut zunächst richtig gut – und dann sticht er einen gewaltig. Wir sollen uns keine Sorgen machen um unser Essen und unsere Nahrung; denn was kann uns schon passieren, Gott sorgt doch für uns.

Klingt sehr befreiend, aber dann merken wir doch, dass wir uns neben allem Gottvertrauen eben doch um unser Auskommen sorgen und um unsere Gesundheit, um unsere Familie und um uns.

Verwerflich kann das ja nicht sein. Aber Jesus ist ja auch kein Moralapostel, der einem einen sorgenfreien Tag pro Woche vorschreiben will, sondern der Heiland, der uns rettet – vor unseren Ängsten und vor all den Sorgen, die wir uns selbst machen. Jeder Tag habe seine eigenen Probleme, sagt er. Und mit Gottvertrauen werden wir sie lösen.

Predigttext am Erntedankfest ist Matthäus 6, 19-24

 

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Man darf lügen

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Auch Immanuel Kant lag mal völlig daneben…. (Foto: wikipedia commons / genaue Angabe dort)

Darf man lügen, um ein unschuldiges Menschenleben zu retten? Natürlich nicht! Man muss immer die Wahrheit sagen, forderte der hoch verehrte deutsche Philosoph Immanuel Kant, und meinte, er würde sogar einen unschuldig Verfolgten seinen Häschern ausliefern, wenn diese nach ihm fragen.

So ein Quatsch! Im Mittelpunkt von Geboten muss immer der Mensch stehen. Wir sollen etwas nicht aus Prinzip tun, sondern damit es anderen nützt. Und wer aus Liebe etwas tut, handelt nie verwerflich. So hat Martin Luther die einzelnen Gebote erklärt, über die am Sonntag in den Kirchen gepredigt wird.

Allerdings, dies muss angefügt werden, sind viel weniger Notlügen nötig, als man denkt. 😉

Predigttext am kommenden Sonntag, 29. September 2013 sind die Zehn Gebote (2. Mose 20, 1-17)

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim. 

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Die Welt mit neuen Augen sehen

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Manchmal verziehen sich die dunklen Wolken und der Himmel wird blau. (Foto: Treiber)

Manchmal erscheint die Welt als Abfolge des immer Gleichen, manchmal ist sie grau und manchmal ein schwerer Stein, den wir täglich auf einen Berg rollen müssen. Dann gelingt es uns aber immer wieder, die Augen zu öffnen und die Welt anders zu sehen, als Ort für unser Leben, wo Menschen sind, die uns mögen, Aufgaben, die uns erfüllen, Freuden, die unbeschreiblich sind. Zwischen beiden Extremen schwanken wir, und Jesus erscheint im Predigttext des kommenden Sonntags als der, der unseren Blick hoffnungsfroh nach vorne lenkt. Glücklich, wer sich darauf einlassen kann!

Predigttext am kommenden Sonntag ist Johannes 9,  35 – 41.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Glauben heißt vertrauen

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Blick aus einem Grab in Jerusalem (Foto: Treiber)

Glauben heißt nicht, dass man etwas für wahr hält, wovon man im Innersten doch nicht überzeugt ist. Glaube ist keine Leistung, sondern Glauben heißt, Vertrauen auch da zu haben, wo dies dem Leben gut tut, aber die Beweise fehlen. Mit diesen Überlegungen im Kopf, fällt es vielleicht leichter, sich auf die Legende vom Jüngling zu Nain einzulassen, den Jesus von den Toten auferweckt. Streit ob oder ob nicht ist unwichtig. Was zählt ist das Vertrauen, dass Leben und Liebe stärker sind als der Tod.

Für Interessierte: Predigttext am kommenden Sonntag, 15. September 2013, ist Lukas 7, 11-17.

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Gesundes Gottvertrauen tut gut

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(Foto: Ischinger)

Dass Glaube Berge versetzen kann oder wie im Predigttext für diesen Sonntag wenigstens einen großen Baum, ist zum Sprichwort geworden. Kein Schlechtes, finde ich. Natürlich kann man sich über seine Möglichkeiten auch nur etwas vormachen, und vor Illusionen sollte man sich hüten. Aber meist ist mehr möglich, als man denkt: Aus dem Schulversager kann ein lieber Vater werden; die Frau mit dem seltsamen Getue kann sich als liebe Nachbarin entpuppen und wo wir glaubten, vor dem Nichts zu stehen, oder vor einer schwarzen Mauer, zeigen sich plötzlich zarte Pflänzchen der Liebe oder ein Weg, der das Leben in eine interessante Richtung führt. Gesundes Gottvertrauen tut gut – und manchmal verändert es die Welt.

Predigttext für kommenden Sonntag, 8. September, ist Lukas 17, 5+6

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