Glauben ist klug

DSCF2926

Der Areopag-Felsen in Athen – der Ort, an dem Paulus predigte. (Foto: Treiber)

Was man glaubt kann man nicht beweisen, aber man kann es plausibel machen, man muss es sogar! Schließlich wollen wir ja darüber reden.

Man kann also nicht alles glauben, vor allem kann man keine Dinge glauben, die offenkundig falsch sind. Zum Beispiel, dass die Erde eine Scheibe ist.

Aber man kann glauben, dass die Welt mehr ist als das, was man mit seinen Sinnen erkennen kann. Zu begrenzt sind unsere Möglichkeiten in der vierdimensionalen, endlichen Welt, als dass wir alles wissen könnten.

Zu glauben, dass es Gott gibt, und dass es sinnvoll ist, in einer Beziehung zu diesem ewigen Gott unser begrenztes Leben zu verstehen, ist klug. Und diesen Gott, wie es die Bibel tut, als Liebe zu verstehen, gibt dem Leben einen Geist, der es allemal vernünftig macht. Der Apostel Paulus hat versucht, dies den Athenern auf dem Areopag zu erklären.

Predigttext am Sonntag, 11. Mai 2014 ist Apostelgeschichte 17, 22-34.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament | Hinterlasse einen Kommentar

Kinder brauchen Regeln – Erwachsene auch

800px-Kreuzung-alleenring-eschersheimer-ffm001

(Foto: wikicommons/Dontworry)

Kinder brauchen Regeln, sagt man. Das stimmt, aber Erwachsene haben das meiner Beobachtung oft nötiger, wenn sie rücksichtslos am Zebrastreifen überholen oder im Konzert jeden Musikgenuss durch Hustenorgien zerstören. Regeln jedenfalls machen das Leben einfacher, weil man nicht jedesmal neu überlegen muss, was man jetzt tun soll.

Aber sind die Regeln, an die wir uns halten, auch richtig? So richtig, dass wir sie unseren Kindern beibringen und andere Erwachsene zum Beispiel mit dem Gesetz dazu zwingen dürfen. Wer sagt, was richtig und falsch ist? Die Mehrheit? Die mit dem größten Einfluss?

Was gut ist, sagt einem Gott, heißt es im Predigttext des kommenden Sonntags. Aber was hat Gott gesagt?

Ganz einfach: Die Liebe ist es. Und die kann auch mal ganz konkret im Zusammenleben darin bestehen, dass man brav hinter dem Vorausfahrenden wartet oder bei Husten auf den Konzertbesuch verzichtet.

Predigttext am Sonntag, 4. Mai 2014 ist Hebräer 13, 20-21

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Hinterlasse einen Kommentar

„Auffahren mit Flügeln wie Adler“

635px-Haliaeetus_albicilla_-Volga_River,_Russia_-flying-8

Seeadler (Foto: wikicommons)

Schauen Sie sich an! Wer hat uns gemacht? Oder dieses Adler? Gewiss nicht wir selbst! Für Rene Descartes war mit diesem Gedanken erwiesen, dass es Gott gibt. Den Ewigen, das Sein-Selbst von dem alles ist, wie die Philosophen sagen.

Doch reine Begriffe sind hier unzureichend, das spüren wir.

Deswegen erzählt die Bibel vor allem Geschichten – nicht von Gott, sondern von Menschen, die an Gott geglaubt haben. Sara, die überraschend das lange ersehnte Kind bekam; Mose, der sein Volk in die Freiheit führte; Petrus, der vom Feigling zum Anführer der ersten Christen wurde.

Beim Glauben geht es also nicht darum, wer Gott an sich ist, sondern was er für uns bedeutet: Gott der alles geschaffen hat, wird uns bestimmt nicht vergessen, sondern er gibt uns Kraft für unser Leben, „dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler“ wie es im Predigttext für nächsten Sonntag heißt, dass wir hier und heute wirklich leben können, voller Hoffnung und Mut, in Freiheit und Liebe.

Predigttext am Sonntag, 27. April 2014 ist Jesaja 40, 26-31.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Altes Testament | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Aber wenn es nun wahr ist?

Kirchenfenster

Auferstehungsfenster in der Matthäuskirche (Foto: privat)

Ein schreckliches Ereignis und ein schöner Traum: Ein junger Mann, die große Liebe einer schönen Frau, stirbt – und begleitet sie als Geist, als unsichtbarer Engel, der sie schützt. Mancher hat 1990 gelästert über den kitschigen Film „Ghost“ und sich dennoch verschämt Tränen aus den Augen gewischt. Zu schön der Gedanke, dass es trotz des Todes weiter geht. Zu schön, um wahr zu sein?

Und wenn es doch stimmt? Jenseits des Films, in Wirklichkeit? Wenn Jesus wirklich auferstanden ist, wenn nach dem Tode die Ewigkeit steht? Beweisen lässt sich das zwar nicht, auch wenn die Auferstehung Jesu historisch gesehen so gut bezeugt ist wie nur wenige andere Ereignisse der Antike.

„Aber wenn es nun wahr ist?“ fragen in diesem Jahr Jugendliche und Kinder der Matthäusgemeinde in ihrem Osterspiel. Dann ist die Welt anders. Dann regiert die Liebe und nicht der Tod. Dann ist das Leben selbst der Sinn und geborgen in der Ewigkeit.

Das Osterspiel findet am Ostersonntag, 20. April um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim statt.

Predigttexte sind am Gründonnerstag Hebräer 2, 10-18, an Karfreitag Jesaja 53, 1-12, an Ostersonntag 1. Korinther 15, 19-28 und am Ostermontag Apostelgeschichte 10, 34-43

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Hoch auf die Außenseiter!

IMG_3744

Die Garage in Los Altos, CA, in der zwei Jungs ohne Schulabschluss den modernen Computer erfanden. (Foto: Treiber)

Wer sind Ihre Vorbilder? Ich meine jetzt nicht Leute, denen wir blind hinter laufen, sondern Menschen, die wir bewundern, die uns inspirieren und die uns weiterbringen, weil sie uns herausfordern? Das kann der Freiheitskämpfer ebenso sein wie die eigene Oma, die Tante, die mutig ihre Krankheit bekämpft ebenso wie der Lehrer, der für die Schüler da ist und nicht für die Noten.

Eines an diesen Menschen ist für mich jedenfalls nicht entscheidend: Ob sie Erfolg hatten. Wer nur Erfolg hat, ist langweilig und meistens menschlich auch nicht sonderlich inspirierend. Wenn einem nur zugejubelt wird, verpasst man die nötige Reifung. Von vielen jugendlichen Pop- und Sportstars ist davon ein Lied zu singen.

Die Firma Apple hat vor Jahren einmal einen wunderbaren Werbespot gedreht, der ein Loblied auf die Außenseiter singt, die Dinge anders sehen. (https://www.youtube.com/watch?v=Ypp09Hq7T9g)

Der Predigttext für kommenden Sonntag ermuntert auch dazu „anders zu denken“, indem er die „Wolke der Zeugen“ feiert, deren Leben gelingt, weil sie im Glauben Hoffnung, Gelassenheit und Unbeirrbarkeit gefunden haben, um ein gutes Leben in gegebenen Grenzen zu führen. Vorbilder eben, nicht weil sie Erfolg haben, sondern weil sie uns inspirieren.

Predigttext am Sonntag, 13. April 2014 ist Hebräer 12, 1-3.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die zukünftige Stadt suchen

Über Städten geht die Sonne der Freiheit auf. (Foto: Treiber)

Von „Stadtflucht“ kann heute kaum noch die Rede sein, im Gegenteil, der Trend geht eher dahin, dass Menschen vermehrt aus den Neubausiedlungen der Dörfer zum Beispiel wieder zu uns nach Heilbronn ziehen. Hier sagen sich zwar nicht Fuchs und Hase gute Nacht, aber dafür verbringt man den Tag auch nicht im Auto oder Bus, wenn man ein paar Schuhe sucht oder zum Facharzt muss. Ökologisch sind die verdichteten Stadträume sowieso allemal sinnvoller als die zersiedelten Landschaften.

Ich liebe Städte, das bunte Treiben der vielen Leute, die menschliche Gestaltungskraft in den Bauten, die Verdichtung kultureller Schätze. Hier zeigt sich für mich das Leben in seiner Fülle, seinen Möglichkeiten und natürlich auch in all seinen Problemen.

Vielleicht spricht mich deshalb das Predigtwort für nächsten Sonntag so besonders an: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Dass nichts bleibt wie es ist, ist eine Lebenserfahrung, die keinem entgeht. Auf dem Glück, auf guter Gesundheit und schönem Leben kann man sich nicht ausruhen – aber das bedeutet ja auch, dass das Schlechte und Falsche im Leben genauso wenig bleiben muss. „Stadtluft macht frei“ sagte man früher, macht Neues möglich, könnte man heute ergänzen.

Die Zukunft ist immer offen – offen für Veränderung, offen für unsere Suche nach einem guten Leben, das uns von Gott bestimmt ist. Da wird nicht immer das passieren, was wir wünschen, aber auch nicht immer das, was wir befürchten. Und der Ort dafür ist nach dem Bibelwort die Stadt, da, wo Menschen zusammen sind.

Predigttext am kommenden Sonntag, 6. April 2014 ist Hebräer 13, 9-14.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Heilt die Zeit alle Wunden?

Verdun

Leid vor 100 Jahren – Denkmal für die Opfer der Schlacht um Verdun (Foto: Treiber)

Dass die Zeit alle Wunden heilt, ist ein Märchen. Narben bleiben immer, das sagt uns die Lebenserfahrung. Aber diese Narben haben uns zu denen gemacht, die wir sind. Das war manchmal schmerzhaft, manchmal hat es uns aber auch so weitergebracht, dass wir die Schmerzen von früher vergessen. Wären wir wirklich mit unserer ersten großen Liebe, aus der damals nichts wurde, glücklich geworden? Hätten wir den Erfolg der erträumten Stelle in der Firma genießen können, oder wären wir noch mehr in der beruflichen Mühle drin als heute schon? Und so schrecklich die Tage voller Ungewissheit damals im Krankenhaus waren, sind wir dadurch nicht um Vieles reifer geworden? Ist unser Leben dadurch vielleicht sogar vertieft und verbessert worden?

Leid bedrängt und macht einen fertig, die alltäglichen Nöte ebenso wie die Schicksalsschläge, die uns mit voller Wucht treffen. Dass uns das vielleicht sogar weiterbringt, können wir in solchen Situationen nicht glauben.

Deshalb ist die wichtigste Erfahrung zunächst vielleicht diejenige, dass man Leid überstehen kann, dass Gott treu ist, wie es im Bibeltext des Sonntags heißt, und dass am Horizont die Verheißung steht, dass am Ende Licht steht, nicht Finsternis.

Predigttext am 30. März 2014 ist Jesaja 54, 7-10.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Altes Testament | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Wellness? Ein Engel ist mir lieber.

La Gomera016

Ohne Menschen ist auch das schönste Wellnesshotel nichts. (Foto: Treiber)

Manchmal brauchen wir Engel, brauchen wir Hilfe, die nicht zu erwarten und nicht zu fordern ist. Dann, wenn wir rastlos sind, wenn unsere Kraft zu schwach ist und Hoffnung und Vertrauen schwinden.

Das geschieht nicht nur, wenn wir verloren haben. Der Prophet Elia steht für einen Mann, der gewonnen hat. Und doch ist er fertig und „kann nicht mehr“, wie er selber sagt.

Viele von uns kennen das Gefühl der Erschöpfung, das sich einstellt, gerade wenn wir auf der Erfolgsspur sind, wenn es mit den Kindern, der Familie, dem Beruf und der Gesundheit eigentlich ganz gut geht. Es gibt keinen Grund zu verzagen, und doch spüren wir die Erschöpfung durch zu viele Lasten.

Ob wir im Wellnesshotel Entspannung finden? Können wir das überhaupt selbst machen, Entspannen? Oder ist das nicht wieder nur neuer Stress? Besser, wenn andere uns dann in den Arm nehmen und so Kraft gewinnen lassen – Engel eben.

Predigttext am Sonntag, 23. März 2014 ist 1.Könige 19, 1-8.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

 

Veröffentlicht unter Altes Testament | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Glauben ist Vertrauen – nicht mehr und nicht weniger

iStock_000002902405Large

Vertrauen haben wie Kinder, vielleicht liegt darin das Geheimnis erfüllten Lebens. (Foto: iStock)

Der britische Schriftsteller G. K. Chesterton („Pater Brown“) hat angeblich gesagt: „Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.“ Tatsächlich gibt es heute viele Themen, die eher geglaubt als gewusst werden. Das gilt für manche Therapien ebenso wie für Zukunftsprognosen und politische Zusammenhänge. Schnell hat man eine Meinung, ohne eine Ahnung davon zu haben.

Glaube hat aber nichts mit Meinungen darüber zu tun, was richtig ist. Glaube ist auch nicht das Für-Wahr-Halten von Dingen, die dem Verstand widersprechen. Glaube ist etwas ganz anderes, als uns die (deutsche) Umgangssprache sagt. In der Bibel ist Glaube gleich Vertrauen – nicht mehr und nicht weniger, es ist derselbe griechische Begriff.

Glaube ist Vertrauen, ist „die Zuversicht auf das, was man hofft.“ wie es am kommenden Sonntag in der Predigt heißt. Wir hoffen, dass unser Leben nicht sinnlos ist, dass es gehalten wird und dass in unserer Liebe die Erfüllung liegt. Wir hoffen, dass andere für uns da sind und dass wir es doch irgendwie im Leben recht machen. Glaube ist, darauf zu vertrauen, dass wir damit dem Ewigen nahe sind.

Predigttext am Sonntag, 16. März ist Hebräer 11, 1-3.8-10.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Hinterlasse einen Kommentar

Vergebung führt zur Gelassenheit

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wie Hubschrauber kreisen manche Eltern über dem Wohlergehen ihrer Kinder. (Foto: wikipedia commonfree / Nachoman-au)

Man kann nicht leben, ohne Fehler zu machen, ohne Erwartungen zu enttäuschen, ohne falsche Entscheidungen zu treffen, ohne anderen einmal weh zu tun. Das weiß jeder, und wer dies leugnet, begeht wohl den größten Fehler, indem er sich vor der Verantwortung drücken will.

Viele allerdings tun nun gerade das Gegenteil, sie fühlen sich für alles verantwortlich und setzen sich unter Druck, weil sie alles richtig machen wollen. In der Erziehung zum Beispiel. Man will keine Fehler bei der Erziehung machen und macht dafür einen Staatsakt aus dem Wunsch der Tochter nach einem Handy oder dem Wunsch des kleinen Jungen nach einer Süßigkeit. Und nicht nur in der Schule, sondern neuerdings auch an der Uni bedrängen Eltern die Lehrenden mit ihren Forderungen nach dem Besten für das Kind. „Helikopter-Eltern“ nennt man das, und die Eltern meinen es wirklich nur gut. Es geht ihnen nämlich nicht um Macht, sondern um ihre Kinder.

Dennoch muss das Motto: „Gelassen bleiben!“ heißen. Wir sind zwar verantwortlich für das, was wir tun, aber wir sind dabei nicht allein, sondern Gott hält uns auch dann, auch bei unseren Fehlern. Vergebung nennt man das – und wer um sein Versagen weiß, wird diese Gnade Gottes annehmen können.

Predigttext am Sonntag, 9. März 2014, ist Jakobus 1, 12-18.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar