Sonntagsgedanken 04-10-2020 – Erntedank

Also ob Corona nichts schon genug wäre! Seit 30 Jahren schon gibt es keine elektrischen Geräte mehr, da Kupfer und  Wolfram ausgegangen sind, die Eiszeit rückt immer näher, unsere Wälder sind nur noch kahle, saure Baumstümpfe. Und seit die Ölvorräte zur Neige gehen, ist eh alles aus…..

Im Nachhinein wirkt es ziemlich lächerlich, was uns Heutigen in den 70er und 80er Jahren so alles prophezeit wurde. Immerhin haben wir dadurch hoffentlich gelernt, nicht jede Krise gleich als Katastrophe zu bezeichnen, sondern immer zunächst all die Möglichkeiten, die wir haben, unsere Welt zu gestalten und die Krisen zu überwinden.

Dabei ist es gut, wenn wir uns zunächst auf das besinnen, wofür wir Gott dankbar sein können:

  • Für unser Leben und für Gesundheit, für die Familie und Freunde natürlich – und für die Kraft, eine Krankheit zu ertragen und manche Einsamkeit dazu.
  • Für Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land – und für die Menschen, die öffentliche Verantwortung dafür wahrnehmen.
  • Für eine gute Ernte und einen guten Tropfen – und für die manchmal ärgerliche Erinnerung daran, dass auch das Maßhalten nötig ist.
  • Für alle Bewahrung auf allen Wegen des Lebens – und für manche Erfahrung von Grenzen, die uns vor uns selbst bewahren.

Auch im Corona-Jahr möchte ich dafür an Erntedank danken.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #7 – Ein Witz geht tiefer….

Der Witz ist so genial, dass ich ihn diese Woche nochmal erzähle: In seinem Film Annie Hall erzählt Woody Allen: „Zwei ältere Frauen sitzen in einem Lokal. Die eine sagt: Das Essen hier ist wirklich furchtbar. Die andere darauf: Stimmt, außerdem sind die Portionen so klein.“

Er kritisiert nicht nur oberflächlich die allgegenwärtige Nörgelei, sondern ist zugleich eine tiefe Deutung des Lebens: Das Essen hier ist wirklich furchtbar – außerdem sind die Portionen so klein.

Das ist ja oft der Widerspruch, dass wir uns zum einen über unser Leben beklagen. Manche jedenfalls scheinen grundsätzlich unzufrieden zu sein. Manche sogar, obwohl es ihnen eigentlich ganz gut geht.

Wenn dann aber die Portion Leben tatsächlich kleiner wird. Wenn man eingeschränkt wird, nicht mehr so viel machen kann, sich vielleicht sogar das Ende abzeichnet – dann ist neben dem Leben wie für die Dame im Lokal auch das Ende des Lebens nicht recht. Wer wollte darüber spotten?

Ich denke, deshalb ist der Rat Jesu in der Bergpredigt so wichtig: Jeden Tag neu leben! Jeden Tag ausschöpfen! Jeden Tag als Geschenk annehmen! Gerade auch die Tage, an denen für uns kein großes, tolles Buffet aufgebaut ist; wo es nicht so gut läuft. 

Wenn die Portionen schon klein sind, soll man sie doch wenigstens auskosten. Und wenn sie ganz und gar nicht schmecken, dann sollte man in dem Lokal wenigstens die Aussicht genießen. Und morgen ist ja ein neuer Tag, vielleicht mit besserer Küche.  

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Sonntagsgedanken 27-09-2020 – Der Angst zuzwinkern

Ängstlich war ich eigentlich schon immer. Im Sportunterricht hatte ich so viel Respekt vor dem Reck, dass ich außerstande war, da auch nur einen Umschwung zu versuchen. Im Auto schnalle ich mich an, bevor ich den Motor anlasse und unsere Auffahrt hinunterfahre. Und bei Kopfweh, nehme ich nicht nur eine Aspirin, sondern schaue auch gleich noch im Internet nach, welche Krankheiten dahinter stecken könnten.

Vielleicht ist mein Lieblingsvers aus der Bibel deshalb einer, der mit das ausreden will: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Das Bibelwort wirkt bei mir tatsächlich, wenn auch oft nur kurz. Aber spätestens in der Kirche am nächsten Sonntag fällt es mir wieder ein.

Den zweiten Teil des Verses finde ich übrigens auch toll! Was brauchen wir wirklich in uns? Kraft, Liebe und Besonnenheit. Man kann auch sagen: die Fähigkeit das zu tun, was nötig ist; den Blick auf die anderen dabei; und die Weisheit, zu wissen, dass man die Fünf auch mal gerade sein lassen – und seiner Angst einfach mal zuzwinkern muss.

Predigttext am Sonntag, 27. September 2020, ist 2.Timotheus 1, 7-10.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #6 – Ein Witz für Nörgler

In seinem Film Annie Hall erzählt Woody Allen: „Zwei ältere Frauen sitzen in einem Lokal. Die eine sagt: Das Essen hier ist wirklich furchtbar. Die andere darauf: Stimmt, außerdem sind die Portionen so klein.“

Der Witz ist genial. Zum einen ist er eine wunderbare Darstellung all des Nörgelns, das uns begegnet. 

Manchen kann man es ja nie recht machen. Über ein Café in Heilbronn hat mir mal jemand gesagt, er gehe da nie hin, weil da der Kaffee immer so heiß sei. Andere mokieren sich, dass das Getränk im anderen Café nicht aus „fairem Handel“ sei. Und das Coffee-House, das nur Fair-Trade-Bohnen verwendet, sei „zu amerikanisch“. Geht‘s noch? Nö, denn der Kamillentee nebenan ist leider nicht „Bio“.

Wie beim Kaffee gibt es überall Zeitgenossen, die zunächst nach dem Fehler suchen und einem dann voller Stolz mitteilen: ein neues Auto hat beim Test ja gar nicht so gut abgeschnitten; und in dem neuen Lokal sind die Portionen ja soooo klein –  und die Eins in Deutsch sei ja bei einem Schnitt von 1,6 auch nicht so toll. Ich finde, bei Miesmachern darf man auch mal weghören und lieber den heißen Kaffee genießen und im Restaurant mit den kleinen Portionen die großartige Aussicht.   

Und eine ganz andere Deutung des Witzes erzähle ich nächste Woche.

 

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Sonntagsgedanken 20-09-2020 – Paradies oder Freiheit

Freiheit ist toll, wenn da bloß nicht die Verantwortung wäre.

Der Mythos von Adam und Eva im Paradies erzählt das sehr anschaulich und mancher mag seufzen: Wie schön wäre es doch, in einem Paradies zu leben, wo man nichts entscheiden und tun und verantworten muss, sondern in den Tag hinein lebt. Es ist sonnig und warm, eine schöne frische Quelle und das Essen wächst auf den Bäumen. 

Wirklich? Fänden Sie das toll. All inclusive, das ganze Leben lang. Ich fände den Gedanken furchtbar, wie ein Zombie durch die Welt zu stiefeln, ohne Bewusstsein, ohne Möglichkeiten, ohne Freiheit. 

Ich möchte selbst bestimmen, was ich denke, was ich tue und wen ich mag. Sie kennen vielleicht den Witz von als Adam im Paradies Eva fragt: „Liebst du mich?“ – Sie schaut sich um und sagt dann nur: „Wen denn sonst!“

Selber zu bestimmen im Leben ist anstrengend, dabei kann man Fehler machen und es bleibt immer unvollendet. Aber es ist menschlich. Im Paradies gibt es keine Freiheit. Nur hier, in unserer unvollkommenen Welt. Mit uns unvollkommenen Menschen. Gott hat sich damit arrangiert, dass seine Menschen nun jenseits von Eden leben. Und er lässt uns auch hier nicht alleine.

Predigttext am Sonntag, 20. September 2020, ist 1.Mose 2, 4b-15.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #5 – Stolz auf unsre Kinder

Wer einmal bewundernd mit angesehen hat, wie schnell eine Jugendliche Texte in ihr Smartphone tippt, bekommt eine Ahnung von dem, was eine Generationenstudie von Allensbach erhoben hat. 93 Prozent der Eltern sagen, dass sie vom technischen Sachverstand ihrer Kinder in der digitalen Welt profitieren. Zugleich wird das Verhältnis von Jugendlichen zu ihren Eltern immer entspannter. Gegenseitiger Respekt vor der Privatsphäre bestimmt das Generationenverhältnis heute entscheidend.

Cool! könnte man sagen, aber keine deutsche Studie ohne Suche nach dem Negativen. Manchen ist das schon wieder ein zu gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. „Mir ist da zu viel Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt da zum Beispiel ein Hamburger Psychologe. 

Mir nicht. Ich finde es beruhigend, dass es entgegen aller öffentlicher Aufregungen über eine angebliche Spaltung der Generationen und den Gefahren des Internet alles eigentlich immer besser wird. Das lässt sich selbst im Konfirmandenunterricht beobachten, wo der Umgang miteinander offen, kommunikativ und meist völlig konfliktfrei ist. 

Seien wir also stolz auf unsere tollen Kindern! Wir haben allen Grund dazu.

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Sonntagsgedanken 13-09-2020 – Ein kleiner Bösewicht

Ein hässlicher Geschäftemacher; damit steht man auf der schwarzen Liste der Menschen, die sich für gut halten. Das ist heute nicht anders als zur Zeit Jesu. Zachäus hieß der Mann, der damals von allen verachtet und geschnitten wurde. Er arbeitete für die Besatzungsmacht, legte seine Landsleute rein und war auch noch kleinwüchsig.

Sie können sich vielleicht selbst ausmalen, wie man so jemanden heute zeichnen würde. Vielleicht als Rechtsradikalen, der uns auf den Kanaren miese Ferienimmobilen andrehen will und auch noch dick ist – oder ganz anders.

Jedenfalls hätte er keine Chance – und nicht einmal zu Unrecht, könnt man sagen. Wie bei Zachäus. Und ausgerechnet ihm widmet Jesus seine Zeit. Ganz ohne Vorbedingungen. Und siehe da, am Ende fallen alle Masken. Und was falsch war, ändert sich. Ich denke, das täte jedem gut, auch uns. Am kommenden Sonntag ist davon in den Kirchen zu hören.

Predigttext am Sonntag, 13. September 2020, ist Lukas 19, 1-10.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #4 – Dark Side of the Moon

The „Dark Side of the Moon“ – das Album von Pink Floyd liegt für das Musikmagazin Rolling Stone zwar nur auf Platz 43, aber für mich ist es deutlich weiter vorne in der Rangliste der wichtigsten Alben aller Zeiten – mit dem Titel, der eine ebenso einfache wie menschliche Botschaft aufnimmt: Jeder Mensch hat wie der Mond eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Das klingt zunächst misstrauisch und menschenfeindlich, ist aber damals wie heute mitfühlend gemeint. Die Musiker damals trauerten um einen ehemaligen Band-Kollegen und prangerten Geld, Macht und Krieg als verantwortlich für das Dunkle in der Welt an.

Mich weist die Botschaft heute eher wieder gezielt auf den Menschen, macht mich gelassen und verständnisvoll: Jeder hat eine dunkle Seite. Die muss man nicht ans Licht zerren; die muss man nicht gut finden, aber sie ist es, die uns und andere menschlich macht, weil wir eben fehlbare und unvollkommene Menschen sind. 

Wie der Mond haben wir eine dunkle Seite. Das macht manch Unverständliches an uns vielleicht erklärbar. Glücklicherweise aber gibt es auch die andere Seite, die hell beschienene, die uns im besten Licht erscheinen lässt. „Wir sind allzumal Sünder“ heißt das in der Bibel. Und zugleich geliebte Kinder Gottes. Beides gehört zusammen – gestehen wir das uns und anderen zu!

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Sonntagsgedanken 06-09-2020 – Respekt für getrennte Wege

Manchmal gibt es einfach Krach zwischen Menschen, ohne dass es einer böse meint. Man kann nicht mit jedem Freund sein. Manche passen nicht zusammen und geraten immer aneinander.

Bevor der Streit zu groß wird, sollte man dann ehrlich die Konsequenzen ziehen und auf Distanz gehen. Man kann freundliche bleiben und muss den anderen nicht von der eigenen Meinung überzeugen. Und wenn der eine Schlager mag und der andere das Symphonieorchester – was Solls. Dann hält man in dem Punkt eben Abstand.

Die ersten Christen haben das getan, als es in der Gemeinde einen grundsätzlichen Streit zwischen den Mitgliedern aus der römisch-griechischen und aus der hebräischen Kultur gab, wie der Predigttext am kommenden Sonntag erzählt.

Man sollte Differenzen nicht unter den Teppich kehren. Das gilt zwischen einzelnen Menschen und es gilt vielleicht auch, wenn verschiedene Kulturen miteinander auskommen müssen. 

Zustimmung zur eigenen Position kann man nicht für alles erwarten, aber Respekt darf man fordern – für unterschiedliche Meinungen und zur Not auch Respekt für getrennte Wege.

Predigttext am Sonntag, 6. September 2020, ist Apostelgeschichte 6, 1-7

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Alltagsglaube #3 – Wer Du warst und bist

Es war ein alternder Cowboy in einem harten Western, von dem ich den Satz zum ersten Mal in eindringlicher Tiefe hörte: „Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Gerichtet war das, soweit ich mich erinnere, an einen ehemaligen Gangster, der zum Hilfssheriff gemacht werden sollte, um einen Mörder zu jagen.

„Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Klasse, sag ich da nur! Viel kürzer kann man den zentralen Blickpunkt des christlichen Glaubens nicht auf den Punkt bringen. Wir sollen uns nicht durch unsere Vergangenheit auf unsere Leben festlegen machen. Entscheidend darf nicht sein, was wir alles falsch gemacht haben, sondern einzig und allein, was wir heute tun.

Natürlich kann man vieles aus der eigenen Vergangenheit nicht so einfach abstreifen. Und dass mancher schier unerträgliche Lasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt, davon wissen die Psychotherapeuten ein Lied zu singen. Aber so soll es eben nicht sein. Wir sollen uns von dieser Last befreien lassen.

„Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Was zählt, ist nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart, deren Zukunft immer für uns offen ist.

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