02-07-2020 – Schluss mit dem „Goldenen Schuß“

Heute vor 50 Jahren war Schluss mit dem „Goldenen Schuß“. Eine der beliebtesten Fernsehshows der 60er Jahre wurde am 2. Juli 1970 zum letzten Mal gesendet. Es war die erste interaktive Fernsehsendung in Europa. Zuschauer konnten indirekt eine Armbrust steuern, mit der auf eine Zielscheibe geschossen wurde. Die Show war so populär, dass sie auch die erste war, die ab 1967 in Farbe ausgestrahlt wurde.

Lang ist das her. Und manchmal verstehe ich die meist älteren Facebook-Nutzer, die Erinnerungen an die Vergangenheit posten: „Weißt du noch…?“ heißen die Seiten oder, „Wer das noch kennt…“ oder „Wir früher…..“

Nun ja, eines meiner Lieblingsworte aus der Bibel mahnt zum Gegenteil. „Wer seine Hand an den Pflug legt – oder sagen wir hier Bolzen – und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Nicht nur die Zukunft liegt vor uns, sondern auch das Leben, das wir jeden Tag ein wenig erlebnisreicher und besser machen können, sogar anders, wenn es sein muss.

Das ZDF hat den „Goldenen Schuss“ übrigens nicht deshalb eingestellt, weil er nicht mehr erfolgreich war, im Gegenteil. Aber man wollte das Programm neu gestalten, die 70er hatten begonnen, die Zukunft. Da sollte man nicht an Vergangenem kleben. 

Das Reich Gottes liegt immer vor uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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01-07-2020 – Der Weiße Hai

„Der weiße Hai“ war schon schockierend damals und einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Er bezieht sich auf ein reales Ereignis. An einem schönen 1. Juli im Jahr 1916 wurde ein Mann an der Küste von New Jersey von einem Hai angegriffen und getötet. Die Gefahr, durch einen Hai-Angriff umzukommen, ist übrigens ziemlich klein. Im vergangene Jahr starben laut Statista zwei Menschen weltweit bei 64 Hai-Angriffen. Das kann man also vergessen. Woher also der Schrecken? 

Im Film ist der Hai eine kalte Killermaschine. Mit dem kann man nicht verhandeln. Der kommt einfach und tötet. Er ist ein Symbol für den Tod überhaupt. Der steht auch plötzlich vor der Türe, bei jedem, meist unerwartet, oft klopft er und lässt einem noch Jahre, in denen er allerdings näher rückt und einen quält. Die ultimative Bedrohung, vor der man nur Angst haben kann. „Der weiße Hai“ war vielleicht deshalb so erfolgreich, weil man im Kino diese Angst ausleben kann. Man kann schreien oder sich die Augen zuhalten – und am Ende stolz sehen, wie dieser Tod überwunden wurde. Und man kann spüren, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass am Ende des Lebens neues Leben steht, Auferstehung nennen wir Christen das, Hoffnung auf Ewigkeit und Licht und neues Sein. Und dass all das, was wir in Liebe tun, Sinn hat und bleibt.

Seien Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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30-06-2020 – Asteroid Day

Heute ist der weltweite Asteroidentag. Am 30. Juni 1908 stürzte vermutlich ein Asteroid auf die Erde und löste in Sibirien große Verwüstungen aus. Er war vielleicht nur rund 50 Meter groß. Ähnlich groß war der Himmelskörper, der vor 50.000 Jahren in Arizona diesen Krater hinterließ. Relativ kleine Felsen, die örtlich große Katastrophen auslösen. Der heutige Asteroidentag erinnert auch daran, dass uns einmal ein größerer Himmelskörper treffen kann, wie vor 66 Millionen Jahren ein zehn Kilometer großer Himmelskörper, der die Dinosaurier ausrottete.

Und wir können nichts dagegen tun, zur Zeit jedenfalls noch.

Die Natur ist eben völlig empfindungslos und gnadenlos. Ein Ablauf von Ereignissen, nichts weiter.  Asteroiden kommen und gehen, ebenso wie Vulkanausbrüche, Erdbeben und Viren.

„Gott hat uns nur wenig kleiner als sich selbst gemacht“, heißt es und er Bibel. Er hat uns Geist und Verstand gegeben, um unser Leben in dieser Welt immer besser zu machen und gegen eine interessenlose Natur zu bestehen. Die Asteroiden können unsere Wissenschaftler heute nur aufmerksam beobachten; gegen Viren könne wir kämpfen und gewinnen: Indem wir uns vor deren Ausbreitung schützen und Medikamente und Impfstoffe entwickeln. Seien wir dankbar für die Wissenschaftler, die dies tun.

Gott segne uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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29-06-2020 – Christopher Street Day

Gestern war Christopher Street Day. Vor genau 50 Jahren fand der erste Straßenumzug statt, mit dem seitdem für die Gleichbehandlung homosexueller Menschen demonstriert wird. Ein Jahr zuvor, am 28. Juni 1969, hatte es in New York einen ersten Aufstand gegen die Drangsalierung homosexueller Menschen gegeben.

Vieles hat sich seitdem geändert. Inzwischen sind selbst konservative Politiker mit Männern verheiratet und niemand schert sich drum. Das ist gut so. Im privaten Bereich haben Staat und andere schlichtweg nichts mitzureden.

Aber warum tun wir uns so schwer damit, Menschen zu akzeptieren, die anders leben oder anders sind als wir selbst? Warum können wir nicht einfach unbefangen anderen begegnen? Warum sortieren wir nach Hautfarbe und Geschlecht, nach Kleidung und kulturellen Vorlieben? 

Falsch ist es in jedem Fall. Und die Kirche hat da leider meistens mitgemacht. Dabei ist die Botschaft Jesu doch ganz einfach: Wir sind alle Gottes Kinder. Gott hat jeden Menschen geschaffen, und er mag jeden, so wie er ist: schwul oder hetero, mutig oder ängstlich, klug oder weise, blau oder rosa. 

Schlimmer noch als das Unterscheiden nach Äußerlichkeiten ist die Diskriminierung danach. Lassen wir’s bleiben – in Gottes Namen! 

Er segne uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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27-06-2020 – Siebenschläfer

Heute ist Siebenschläfer. Wissen Sie, wo der Name herkommt? Einer alten Legende nach hatten sieben junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius 251 in einer Berghöhle nahe Ephesos Zuflucht gesucht. Sie wurden entdeckt und lebendig eingemauert. Der Legende nach starben sie nicht, sondern schliefen 195 Jahre lang. Am 27. Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung und starben wenig später.

Die Legende wurde erzählt, um eines deutlich zu machen: Gott beschützt diejenigen, die verfolgt werden; er beschützt auch diejenigen, die den Armen helfen. Dabei waren die Jünglinge nämlich entdeckt worden. Und Gott beschütz diejenigen, die am Ende nicht den Tod sehen, sondern darauf vertrauen, dass am Ende das Gute siegt, dass das Leben nicht endgültig vergeht und Liebe niemals verloren ist.

Gott behüte uns wie die sieben schlafenden Jugendlichen in der alten Legende.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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26-06-2020 – Harry Potter erscheint

Am 26. Juni 1997 kam der erste Band von Harry Potter auf den Markt. In einer Auflage von 500 Exemplaren. Inzwischen wurden davon unglaubliche 107 Millionen Exemplare verkauft. Die Geschichte der Autorin, die den Roman als Sozialhilfeempfängerin in einem Café geschrieben hatte, ist viel erzählt worden. Noch beeindruckender als den finanzielle Erfolg finde ich die Tatsache, das sie eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen geprägt hat. 

So fantastisch die Welt von Harry Potter daherkommt, so real sind die eigenen Erfahrungen, die Jugendliche in ihm entdeckt haben: Von anderen abgelehnt werden bis hin zum Mobbing und die Versuche, sich in der Welt der Erwachsenen zurecht zu finden.

Dazu gehört die Erkenntnis, die Harry Potter im Band „Der Orden des Phönix“ lernen muss: „Die Welt teilt sich nicht in gute Menschen und Todesser. Wir haben alle sowohl eine helle als auch eine dunkle Seite in uns. Es kommt darauf an, welche Seite wir für unser Handeln aussuchen. Das macht uns wirklich aus.“

Gott behüte und bewahre uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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25-06-2020 – Ein Prozent

Naturwissenschaftliches Denken fand ich immer faszinierend. Deshalb möchte ich heute ein Zitat vorlesen. Von wem es ist, lässt sich nicht rekonstruieren.

Bevor Du andere beurteilst oder eine absolute Wahrheit behauptest, solltest Du berücksichtigen, dass Du weniger als 1% des elektromagnetischen Spektrums sehen kannst und weniger als 1% des akustischen Spektrums hörst. Während Du dies liest, bewegst du dich mit 220 Kilometern pro Sekunde durch die Galaxie. 90% der Zellen in deinem Körper tragen ihre eigene DNA und sind deshalb nicht „Du“. Die Atome in deinem Körper sind zu 99,999999999999999999% leer und keines von ihnen ist dasselbe, mit dem Du geboren wurdest, aber alle haben ihren Ursprung im Zentrum eines Sterns. Der Mensch hat 46 Chromosomen, 2 weniger als die gewöhnliche Kartoffel.

Was früher die Theologie gemacht hat, leistet heute die Naturwissenschaft: Sie bringt uns Demut bei. Wir Menschen sind nur ein kleiner Teil dieser Welt. Und das Einmalige, das uns zu Menschen macht ist, ist das Staunen über diese Welt. So, wie es in Psalm 8 heißt: Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Gott segne uns!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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24-06-2020 – Sommermärchen

Heute vor 25 Jahren, nach langen Diskussionen und Vorbereitungen war es so weit: Der Reichstag in Berlin war komplett verhüllt. Ein Projekt des Künstlerpaars Christo und Jean-Claude, aber vor allem ein Symbol für eine neue Epoche, die Deutschland begonnen hatte. 

Leicht und frei wirkte die riesige Installation, das fantastische Wetter dieser Tage damals tat ein übriges dazu. Man konnte sich wohl fühlen in Deutschland. Es war schon eine Art Vorgeschmack auf das Sommermärchen 2006.

Dieses Jahr wird wohl kaum einer von einem märchenhaften Sommer reden. 2020 wird höchstens als Corona-Sommer in Erinnerung bleiben. Ohne Fußball-Europameisterschaft und mit vielen Sorgen um die Zukunft.

An dem verhüllten Reichstag und dem Sommermärchen konnte man aber eines lernen: Dass man das Schöne dann genießen muss, wenn es da ist. Und das man sich die Erinnerung an das Schöne bewahrt für Zeiten, wo es nicht so toll läuft. 

Wie heißt es in Psalm 103 ? „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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23-06-2020 – Anti-Baby-Pille

Heute vor 60 Jahren wurde die erste Anti-Baby-Pille in den USA zugelassen, Enovid. Ein Jahr später folgte Deutschland. Wohl kaum ein medizinisches Produkt hat die Welt und vor allem die Gesellschaft so sehr verändert wie die Pille. Schwangerschaften konnten nun zuverlässig verhütet werden, Abermillionen Frauen und Familien blieb oft große Not erspart und Frauen hatten sich von einer weiteren Fessel befreit. Und die Kinder, seit dieser Zeit geboren wurden, können sich fast immer als Wunschkinder fühlen. Ein Effekt, den mir vor vielen Jahren mal ein Schüler erzählt hat. Das hatte ich gar nicht bedacht.

Natürlich sind damit auch Probleme verbunden, aber letztlich bleibt die Pille ein Produkt der Wissenschaft, das Freiheit geschaffen hat. Manche – nicht nur in der Kirche – haben sich anfangs damit schwer getan, aber wir Menschen sollen nicht Sklaven der Natur sein, sondern Ebenbilder Gottes, die ihre Welt verantwortungsvoll gestalten. Durch Wissenschaft und Forschung und in Liebe zu den Menschen. Wie auch jetzt bei der Suche nach Mitteln gegen die Corona-Epidemie.

Gott segne uns und alle, die uns Gutes tun.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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22-06-2020 – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter

Hausaufgaben nicht gemacht? Da habe ich jetzt die Ausrede des Jahres gelesen. Auf die Vorhaltungen seines Lehrers, sagte der israelische Schüler Elad Koshiko: „Ein Wildschwein hat meine Hausaufgaben gefressen.“ Und er konnte als Beweis sogar ein Handyvideo vorlegen, das zeigt, wie das Tier seine Schultasche zerreisst. 

Ich finde ja, das nicht so sehr die Wildschweine hier das Problem sind, die marodierend durch Haifa laufen, weil sie nicht mehr gejagt werden dürfen, sondern die Tatsache, dass man dem Schüler das ohne Handy-Video vielleicht nicht geglaubt hätte.

Gewiss gibt es manchmal so etwas wie gesundes Misstrauen, und man sollte bestimmt nicht jeden Mist, der in den Medien behauptet wird, für bare Münze nehmen, aber anderen Menschen sollte man, finde ich, zunächst offen und mit Vertrauen begegnen. Auch seinen Schülern.

Ohne das Vertrauen, dass der andere es nicht böse meint und nicht lügt, wird das Zusammenleben nämlich sehr anstrengend. Enttäuscht werden kann man immer. Und dem Treulosen soll man nicht vertrauen, heißt es bei Jeremia (12,6), aber denen die uns vertrauen sollen wir gut sein. (Sprüche 3,29).

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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