Arroganz und Demut

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Demütig fährt man auch im Ferrari besser. (Foto: wikicommons/Ben)

Arrogante Typen mag niemand. Seltsam nur, dass sie immer wieder damit durchkommen. Über den Mann mit Goldkettchen, der seinen lauten Sportwagen auf dem Gehweg vor dem Lieblingsitaliener parkt, mag man den Kopf schütteln. Seinen Stammplatz und prompte Bedienung bekommt er trotzdem.

Vielleicht liegt das daran, dass hochmütige Menschen eine unerschütterliche Souveränität ausstrahlen, die mir zum Beispiel abgeht. Ohne Selbstzweifel ist eben manches einfacher. Oder doch nicht? Wie eingangs geschildert, fehlt den Hochmütigen etwas Wichtiges: Man mag sie nicht.

Die Unsicheren („demütig“ nennt man sie kaum noch) dagegen können damit rechnen, dass man gnädig mit ihnen umgeht, oder sollten jedenfalls damit rechnen können. Manches können wir gut, aber in manchem sind wir schwach und machen Fehler, und wer das weiß, fährt besser – auch in einem Sportwagen.

Predigttext am Sonntag, 15. April 2018, ist 1.Petrusbrief 5, 1-5

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Bedroht und trotzdem fröhlich

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Bedroht und trotzdem fröhlich? Das Osterlamm macht es vor (Foto: iStock)

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? Das fällt alles furchtbar schwer. Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit. Dass all die bösen Mächte, die einem das Leben schwer machen, am Ende nichts zu sagen haben.

Vielleicht wird so Ostern für uns zur Wirklichkeit: Nichts muss so schlimm bleiben, wie es ist. Keine Bedrohung soll uns die Freude am Leben nehmen.

Predigttext am Ostersonntag, 1. April 2018, ist 1.Samuel 2, 1-8a (in Auszügen).
Predigttext am Ostermontag, 2. April 2018, ist 1.Korintherbrief 15, 50-58.
Predigttext am Sonntag, 8. April 2018, ist Kolosserbrief 2, 12-15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonn- und Feiertag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Leidenszeit

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Fotolizenz CCO

In diesen noch fast winterlichen Tagen mutet auch der Karfreitag einen Blick auf Leiden und Nöte zu. Dass Menschen leiden, braucht uns niemand zu erzählen. Lebensbedrohliche Krankheiten, tödliche Unfälle, seelische Nöte sind allgegenwärtig. Wir müssen uns nur umschauen, wenn wir nicht gar, Gott bewahre!, selbst davon betroffen sind.

Ist Leiden nun ein Zeichen, dass man Pech hatte, versagt hat oder einem einfach die Götter nicht wohlgesonnen sind?

Mir hilft keiner dieser Gedanken, sondern nur der christliche: Dass wir Gott gerade in den dunklen Stunden nahe sind und gehalten werden, wo wir nicht mehr weiter wissen.

Nach Karfreitag wird Ostern kommen – wunderbar!

Predigttext an Karfreitag, 29. März 2018, ist Hebräerbrief 9, 15+26b-28

Pfarrer Treiber predigt sonn- und feiertags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

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Als Opfer selbstbewusst bleiben können

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(Foto: iStock)

Es ist interessant, zu beobachten, wie sich Menschen verhalten, wenn Sie unter Druck geraten. Ich denke an einen, der dauernd beim Lügen erwischt wird und immer neue Ausreden erfindet. Der andere habe das gesagt und die habe doch immer auch gelogen. Auswegsuche auf Kosten anderer. Erbärmlich finde ich das.

Dann denke ich an eine Frau, die es im Leben hart erwischt hat: Von der Liebe betrogen, das Geld ist weg und sie nicht nur finanziell am Ende. Hass auf den Betrüger lag ihr damals ebenso fern wie überbordendes Selbstmitleid. „Bin froh, dass er weg ist. Und jetzt muss es eben mit weniger reichen.“

Das Leben ist ungerecht, und denen, die es ungerecht machen, sollte man das nicht nachsehen. Aber sich selbst, als geschlagenem Opfer, sollte man das Selbstbewusstsein nicht nehmen lassen. In unsere Gesellschaft genießen die Täter häufig mehr Aufmerksamkeit als die Opfer, die meist bedauert, aber seltener geachtet werden. Gut, wenn ein vom Leben geschlagener hinstehen und sagen kann: „Mein  Angesicht verbarg ich nicht, denn Gott der Herr hilft mir.“

Predigttext am Sonntag, 25. März 2018, ist Jesaja 50, 4-9

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Was einen krank macht

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Eherne Schlange mit Blick nach Israel. (Foto: Treiber)

Soll man das, was einen krank macht, anschauen, oder sich abwenden? In allem, was uns persönlich belastet, kann es jedenfalls so sein, dass Verdrängen so wenig hilft wie schonungsloses Aufdecken. Alte Geschichten, manche Verletzungen aus der Jugendzeit zum Beispiel, hat man vielleicht aus gutem Grunde verdrängt, oder was soll es bringen, damit zu hadern, dass man damals in der 9. Klasse nicht sonderlich geachtet war? Andererseits sollte man frühere Jugendzeiten auch nicht glorifizieren. Die Zeit zwischen 12 und 22 ist vermutlich die härteste im Leben.

Doch wenn einen die Vergangenheit wirklich und zu recht krank macht? Dann kann man heute und sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, keine Frage.

Diese Möglichkeit hatten die alten Israeliten nicht, als sie vor lauter Angst vor Schlangen in der Wildnis schier vergingen. Bildhaft ist hier von Ängsten erzählt, die nicht vergehen. In dieser Situation errichtet Mose eine Schlange aus Metall, die lehren soll, Ängste auszuhalten.

So einfach ist es vermutlich nicht, aber ein wichtiger Hinweis: Man muss lernen, den Ängsten in die Augen sehen zu können, sonst drohen sie, zu bleiben.

Predigttext am Sonntag, 18. März 2018, ist 4.Mose 21, 4-9.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Verschwende niemals eine gute Krise

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Der Blick hinab führt meistens nicht weiter. (Foto: Treiber)

„Never waste a good crisis“ heißt ein Grundsatz in der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Sprich, wenn wie jetzt die Essener Lebensmitteltafel in der Kritik steht, sollten die deutschen Tafel-Läden, die Lebensmittel für Arme bereitstellen, die Chance nutzen und ihre Arbeit bekannter machen und mehr Unterstützung herausholen. Eine gute Idee, sich nicht an der Kritik zu verzehren, sondern das Beste daraus zu machen.

Gilt das auch für das persönliche Leben? Ehrlich gesagt habe ich mit dem Schlagwort „die Krise als Chance“ nie viel anfangen mögen. Zu weh tun einem die Krisen, als dass man darüber so hinweggehen könnte. Sie zu nehmen, wie sie kommen, muss man allerdings wohl. Und leichter geht das tatsächlich, wenn man nicht zurück blickt, sondern nach vorne.

Und wenn man beim Blick voraus nichts sieht, wenn es da dunkel scheint? Als der Apostel Paulus einmal ziemlich aussichtslos im Gefängnis saß, konzentrierte er sich ganz auf das, was ihn halten kann: Das Vertrauen oder jedenfalls die Hoffnung, dass Gott ihn erlöst und beschützt. Das kann man sich nicht herbei überlegen, das kann man nur spüren: den Glauben, dass man gehalten ist. Auch da, wo nichts mehr zu halten scheint.

Predigttext am Sonntag, 11. März 2018, ist Philipperbrief 1, 15-21.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Kann man da gelassen bleiben?

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Gelassen bleiben ist schwer. (Foto: iStock)

Nüchtern bleiben und gelassen sein soll man, wenn man am kommenden Sonntag auf den Apostel Paulus hört. Klingt eigentlich ganz gut und wird einem auch außerhalb der Kirche oft empfohlen. Aber mal ehrlich: Wenn es tatsächlich um etwas geht, man sich bedrängt fühlt oder falsch behandelt, dann fällt einem das furchtbar schwer.

Ich glaube auch nicht, dass er darum geht, seine Gefühle zu unterdrücken, Angst und Ärger müssen raus. Aber wenn sich die Wut dann gelegt hat, sollte man sich fragen, ob es einem nun wirklich besser geht. Von Konrad Adenauer ist folgende Erkenntnis überliefert: Wer sich ärgert, büßt die Sünden anderer Menschen.

Auch aus Selbstschutz ist es also nötig, sich Gelassenheit zu verordnen. Das macht die Seele frei dafür, das Richtige zu wollen und bei der Suche nach Schuld, in der Konfrontation mit anderen und dem Ringen mit den eigenen Ängsten dem Geist Gottes zu vertrauen, in dem Gerechtigkeit und Liebe eins sind.

Predigttext am Sonntag, 4. März 2018, ist 1.Petrusbrief 1, 13-21.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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In Vino Veritas

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Der deutscheste aller Weine, der Riesling. (Foto: wikicommons / Bauer Karl)

„Im Wein ist Wahrheit“, sagt man, aber ich habe mit solch einer Weisheit zunächst meine Probleme. Ein guter Lemberger ist eine feine Sache, und im Sommer kann man bei einem Glas kühlen Weisswein gut zur Ruhe kommen. Auf der anderen Seite finde ich das große Elend und Leid, dass der Alkoholkonsum Menschen in unserer Gesellschaft zufügt – Alkoholkranken und deren Familien, Verkehrstoten – so fürchterlich, dass mir keines der üblichen Sauflieder über die Lippen geht.

Tacitus, dem wir die Verbreitung des Zitats verdanken, hat damit eine Beobachtung im alten Germanien verdeutlicht: Unsere Vorfahren würden ihre Ratssitzungen nur betrunken abhalten, weil man betrunken nicht lügen könne. Um Saufen bis zur Bewusstlosigkeit kann es also nicht gegangen sein, sondern darum, sich nicht mehr verstellen zu können.

Da ist etwas wahres dran. Und vielleicht ist der Weinbau deshalb so besonders mit Kultur und menschengemäßem Genuss verbunden. In jedem Fall ist er eine der ältesten Kulturleistungen des Menschen. Bei Jesus ist der liebevolle Weinanbau sogar ein Bild für Leben, das wächst und gelingt. Darauf möchte ich anstoßen – mit einem Zehntel Chardonnay und nur nach 20 Uhr und nur, wenn alle Anwesenden auch mitmachen können.

Predigttext am Sonntag, 25. Februar 2018, ist Jesaja 5, 1-7.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Mit Widersprüchen leben

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Gnade schenkt Offenheit und Gelassenheit und macht das Leben trotz aller Widersprüchlichkeit schön. (Foto: iStock)

Lachen und Weinen, Freude und Angst, Erfolg und Niederschläge, Leiden, Lachen und Freundlichkeit – das Leben ist voller Widersprüche, und jeder von uns muss seines zusammenhalten. Vielleicht können Sie dieser Beschreibung, die so ähnlich vom Apostel Paulus stammt, zustimmen. Wenn, dann können wir eigentlich meistens ziemlich stolz auf uns sein, dass wir das schaffen: Jeden Tag mit diesen gegensätzlichen Erfahrungen umzugehen, manche zu ertragen, uns über manche zu freuen und aus manchen das Beste für uns und andere herauszuholen.

Das zu können ist – das alte Wort sei gesagt: – Gnade. Ein Geschenk, das zum Leben dazugehört. Und ich möchte dankbar dafür sein und es jedem wünschen, dem das Leben gerade schwer fällt.

Predigttext am Sonntag, 18. Februar 2018, ist 2.Korinther-Brief 6, 1-10

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Das beste Argument: Glaubwürdigkeit

HeucheleiManchmal kann ich mich bei Debatten so richtig ereifern. Keine Angst, immer noch zivilisiert, aber doch so, dass ich das Gefühl habe: Jetzt platzt mir gleich der Kragen. Dann tippe ich unter den entsprechenden Facebook-Beitrag mal einen saftigen Kommentar – und poste ihn dann doch nicht, weil es den Ärger nicht lindert.

Was mich meistens so ärgert, ist Heuchelei: Gut erscheinen und schlecht handeln. Die Öko-Prediger, die mit ihren alten TDIs zur Tagung kommen, ebenso wie die selbsternannten Retter des Abendlands, die vor Jahren selbst hier eingewandert sind. Dabei ist klar: Man darf sagen und (mit Respekt vor der Freiheit der anderen) tun, was man will. Aber beides muss übereinstimmen!

Doch dann fasse ich mich an meine eigene Nase: Bei keinem stimmen Reden und Handeln immer überein. Manchmal sieht man zwar den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken vor den eigenen Augen sieht man nicht. Diese Einsicht kühlt manchen Eifer deutlich ab und man erkennt, was in Diskussionen immer das beste Argument ist: Glaubwürdigkeit.

Predigttext am Sonntag, 11. Februar 2018, ist Amos 5, 21-24.

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