Arbeiten, um zu leben

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Immer einladend: ein Liegestuhl (Foto: iStock)

Vor allem für junge Berufstätige ist heute die Work-Life-Balance wichtig, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und dem „anderen“ Leben als Lebenspartner, Elternteil, Freund und Mensch. Wer bis zum Umfallen arbeitet, macht etwas falsch, weil er zu wenig Zeit für sich und andere hat.

So wie Martin, der es richtig macht: Ein interessanter Gast ist im Hause, er redet von wichtigen Dingen und inspiriert einen zum besseren Leben. Da kann man das Geschirr ruhig mal in der Küche stehen lassen und einfach zuhören. Anders dagegen Michael, der keine Zeit hat, zuzuhören, weil er im Home Office dringend noch eine Präsentation fertig machen muss, die sein Chef heute Abend noch erwartet. Wer hat mehr von dem Abend? Wohl Martin, der sein Leben im besten Sinne überdenken kann.

In der Bibel heißen die beiden übrigens Maria und Martha, aber um Geschlechterklischees soll es hier nicht gehen, sondern darum, dass wir nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben.

Predigttext am Sonntag, 26. Februar 2017, ist Lukasevangelium 10, 38-42.

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Alles wird gut

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Die beste Zukunft liegt vor uns, sagt die Bibel. (Foto: iStock)

„Freu dich auf die beste Zukunft aller Zeiten!“ hieß einer der schönsten Werbesprüche des Jahres 2016. Inzwischen wurde er offenbar wieder zurückgezogen; vermutlich scheint er nicht mehr in die Zeit zu passen. Dabei haben wir allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn es geht uns Menschen auf der Welt immer besser, wie ich in einem > Artikel dargelegt habe.

Das Gute, das sich entwickelt, übersieht man oft. Manchmal deswegen, weil schlechte Nachrichten eben eher berichtet werden als gute („Only bad news are good news!“ heißt ein alter Journalisten-Lehrsatz), manchmal auch deswegen, weil wir das Gute in unserem Leben als selbstverständlich nehmen und nicht darüber nachdenken.

Für Gott allerdings ist es tatsächlich selbstverständlich, dass sich alles zum Guten entwickelt. Das Reich Gottes wächst im Verborgenen, in all den kleinen, guten Dingen, die geschehen, durch all die Liebe, die wir tun und die andere uns angedeihen lassen.

Predigttext am Sonntag, 19. Februar 2017, ist Markus 4, 26-29.

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„Mein Lohn ist, dass ich dienen darf“?

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„Das Leben ist ungerecht, aber vergiss nicht: nicht immer zu deinen Ungunsten.“ heißt ein Zitat, das fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschriebene wird. Weiß jemand, von wem es tatsächlich stammt? (Foto: wikicommons)

Haben Sie das Gefühl, dass Sie im Leben das bekommen, was Sie verdienen? Sie bemühen sich, hilfsbereit und freundlich zu sein, Sie tun alles für ihre Familie, sind da für ihre Freunde, leisten im Beruf mehr, als was nötig ist – hätte man da nicht ein glückliches, sorgenfreies Leben verdient, womöglich noch gesund bis ins hohe Alter? Aber das Leben ist nicht gerecht, das braucht uns keiner zu sagen, und manchmal ist es verd..mt ungerecht.

Wäre das ein Grund, nicht gut zu sein, sich nicht anzustrengen, nicht das richtige zu tun? Ich denke nein. Unsere Nächsten zu lieben und unsere Liebsten am allermeisten tun wir nicht, weil wir dafür eine Belohnung erwarten, sondern weil es richtig ist und unserem Wesen entspricht.

In der Kirche hat man das oft unter dem missverständlichen Motto „Mein Lohn ist, dass ich dienen darf!“ zusammengefasst. Aber es geht nicht um Sklavendienste für andere, sondern um die persönliche Erfahrung, dass gutes Tun und gutes Leben (leider) nicht voneinander abhängen.

Die Bibel sagt das klarer: „Wir tun, was wir zu tun schuldig sind!“ – also gut zu anderen und zu uns selbst zu sein, auch wenn das das Leben nicht immer einfacher macht.

Ziemlich heavy, der Predigttext des kommenden Sonntags!

Predigttext am Sonntag, 12. Februar 2017, ist Lukas 17, 7-10.

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Freiheit ist der Anfang

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Mose, hier als Spielzeugfigur, führte sein Volk im Auftrag Gottes in die Freiheit. (Foto: Treiber)

Freiheit ist der Anfang von allem, jedenfalls in unserer Tradition. Der jüdische Gottesglaube, aus dem der christliche entstand, begann mit der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Freiheit ist für Paulus die wichtigste Erfahrung, die er mit dem Glauben an Jesus verbindet. Und die abendländische Freiheitsphilosophie ist zwar im Kampf gegen die Kirche entstanden, aber ohne die christlich-antike Tradition nicht denkbar.

Freiheit ist auch immer in Gefahr, heute wieder besonders wie ein Blick in die Weltpolitik von den USA über Frankreich und Deutschland bis nach Osteuropa zeigt, denn Freiheit ist anstrengend, wie schon Mose erfahren musste, dessen Volk ihm schon kurz nach der Befreiung jammernd in den Ohren lag und von den Fleischtöpfen in der Sklaverei träumte.

Die Evangelische Kirche will sich als „Kirche der Freiheit“ verstehen, im Jahr des Reformationsjubiläums sowieso. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Davon sollten wir uns nicht abbringen lassen!

Predigttext am Sonntag, 5. Februar 2017, ist 2.Mose 3, 1-10(14)

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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Vertrauen hätt ich schon wollen

 

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Vertrauen, dass das Wasser trägt (Foto: iStock)

Null Problemo! Auf mich kannst du dich verlassen! Das schreckt mich nicht! Ich bleibe unter allen Umständen dabei. – Wer gefragt wird, ob er zu einem anderen steht, ob seine Zusage auch gilt, wenn es ernst wird, dem kommen solche Worte vielleicht leicht von den Lippen, doch „mögen hätt ich schon wollen, aber tun hab ich mich nicht getraut“ könnte man in Abwandlung eines Wortes von Karl Valentin sagen.

Vertrauen zu haben, fällt uns Menschen eigentlich leicht. Und das ist gut so, denn wir brauchen Vertrauen – im Straßenverkehr, im Handel und bei jedem Miteinander. Vertrauen in Gott zu haben, Vertrauen, dass wir immer gehalten sind, dass wir nie tiefer fallen können als in Gottes Hand, fällt dagegen schwer. Als Petrus auf dem See Genezareth gehen sollte, verließ ihn das Vertrauen sofort und er ging unter. Eine wundersame Legende nur, gewiss, aber eine richtige Beobachtung: Wem der Boden unter den Füßen wegbricht, dem vergehen die großspurigen Ansagen.

Es ist offenbar ein Geschenk, auch unter widrigen Umständen glauben zu können. Vertrauen ist nicht nur gut, Vertrauen ist besser – das Beste, was uns passieren kann.

Predigttext am Sonntag, 29. Januar 2017, ist Matthäus 14, 22-33.

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Glaube an Gott ist Glaube an die Liebe

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Gott ist die Liebe. Und Liebe verbindet alle. (Foto: Treiber)

Um die 60 Prozent aller Deutschen – die Umfrageergebnisse schwanken –  glaubt an Gott. Und der Rest? Lässt er „Gott einen guten Mann sein“, wie man so sagt? Das wäre in meinen Augen fatal. Ohne Glaube, darauf hat der Philosoph Max Horkheimer 1970 in einem SPIEGEL-Interview verwiesen, fehlt die „Hoffnung, dass es bei diesem Unrecht, durch das die Welt gekennzeichnet ist, nicht bleibe, dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge.“

Und all der Ärger, die Ängste und die Sorgen sollen auch nicht unser Leben bestimmen, möchte ich ergänzen. Glaube ist Hoffnung und zeigt sich in der Liebe. Dieser Glaube, dieses „Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht“ (P.Tillich), ist zunächst einmal ein tiefes Gefühl, das die meisten Menschen in sich empfinden, das Gefühl, „dass da mehr ist“ und es einen Sinn gibt; er zeigt sich in der inneren Gewissheit, dass Gutes gut ist und Liebe richtig.

Mancher mag mit der Vorstellung eines persönlichen Gottes wenig anfangen können, aber ich bin sicher, die meisten Menschen lassen Gott nicht nur „einen guten Mann sein“, sondern wollen selbst das Gute in der Welt und ein Leben, in dem Liebe wirklich wird. Das ist die beste Voraussetzung, dass wir – egal was und wie wir glauben – in Frieden und Freiheit zusammenleben.

Predigttext am Sonntag, 22. Januar 2017, ist Johannesevangelium 4, 46-54

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Herrlich, dieses Leben?!

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Das Leben kann herrlich sein, auch wenn es nicht perfekt ist. (Foto: iStock)

Das müsste doch wundervoll sein: Glückliche Menschen lachen einen an, man selbst ist gesund und freut sich des Lebens, Friede um einen herum und die Freunde und die Familie lieben einen. Herrlich wäre das!

Und tatsächlich ein Wunder, denn das perfekte Leben gibt es nicht. Zum Leben gehört dessen Zweideutigkeit und Gefährdung. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, sagt man. Und in der Regel stimmt das. Auch wenn wir oft nicht sehen, was andere, denen es vielleicht scheinbar besser geht, zu tragen haben.

„Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ bittet Mose Gott, und kann davon nur eine Ahnung erblicken. Ich denke, in unserem Leben ist das auch so. Die kleinen Momente des Glücks gibt es im Leben – oft zuhauf – und manch Herrliches ist zu sehen: Kinder und Enkel, die groß werden; Dinge, die man erbaut und geleistet hat; Gutes, das einen begleitet, wie die Liebe anderer Menschen oder eine gute Gesundheit.

Häufig ist es deshalb eine Frage der Einstellung oder der Glaubens, dass man Herrlichkeit sehen kann. Gott zeigt sie uns jeden Tag in unserem Leben – mal weniger, mal mehr.

Predigttext am Sonntag, 15. Januar 2017, ist 2.Mose 33, 17b-23.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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Erfülltes Leben

See

Schwankender Boden, der endet (Foto: iStock)

Haben Sie auch zuweilen das Gefühl, auf schwankendem Boden in dieses neue Jahr zu gehen. Ich meine das nicht (nur) auf unsere politische Situation bezogen, sondern auf das ganz persönliche, eigene Leben. Manchmal ist es wie ein Bootsanleger, der bei Wellen kräftig auf und ab gehen kann, und – schrecklicher Gedanke – irgendwo im See oder Fluss endet.

 

Meistens aber ist der Grund doch recht stabil, auf dem wir unseren Lebensweg gehen können. Und wir können uns auf das konzentrieren, was das Leben von uns erwartet und was wir in ihm geschenkt bekommen.

Dieses zuweilen schwankende, meist stabile und vielleicht manchmal sogar langweilige Leben sollen wir als erfüllt erfahren. Nicht weil alles gut ist und glatt geht, und schon gar nicht weil seine Tage (oder gar wir) vollkommen sind. Unser Leben ist dann vollkommen, wenn es mit Gutem gefüllt ist, wenn in ihm Liebe sichtbar wird und wir jeden Tag den einen, entscheidenden Moment finden, an dem wir sagen können: Es ist gut zu leben. Das ist Gnade und darin liegt die Wahrheit, wie es im Predigttext für das Erscheinungsfest heißt.

Predigttext am Erscheinungsfest („Hlg. Drei Könige“), 6. Januar 2017, ist Johannes 1, 15-18.

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Blick in die Zukunft

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Zeitmaschinen gibt es zur Glück nur im Film (wie hier den DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“) – in Wirklichkeit würden sie uns unfrei und unglücklich machen. (Foto: Treiber)

Würden Sie gerne einen Blick in die Zukunft wagen, an diesem Jahreswechsel schon wissen wollen, wie 2017 ausgeht? Reizvoll wäre das für mich nur, wenn ich wüsste, dass es gut ausgeht, weniger Terror und mehr Friede herrscht, mehr gedacht und weniger gemeint, behauptet, vermutet und (im öffentlichen Gespräch jedenfalls) gefühlt wird. Und für mich selbst hätte ich gerne die Gewissheit, am Ende des Jahres so glücklich, zufrieden und gesund wie heuer zu sein.

Aber die Zukunft zu kennen hieße, sie nicht verändern zu können. Deswegen ist es mir doch lieber, nicht zu wissen was morgen kommt, denn dann kann ich heute leben, kann heute versuchen, gelassener zu sein und verständnisvoller, kann heute tun, was ich für richtig halte, ohne zu sehen, ob das von Erfolg gekrönt ist.

Der Preis für diese Fähigkeit, dass wir unser Leben jederzeit gestalten können (was im biblischen Schöpfungsmythos als Vertreibung aus dem Paradies geschildert wird), ist hoch: Angst und Unsicherheit. Deswegen beginnt das neue Jahr mit dem Bibelwort „Euer Herz erschrecke nicht.“ Nein, das soll es nicht!

Ich möchte mich darauf verlassen, dass ich dieses neue Jahr unter Gottes Segen gehen und bestehen kann, will mich an allem Schönen freuen, das er mich erfahren lässt, an aller Liebe, die mir andere schenken. Und für alles Belastende gebe Gott mir Kraft und Hoffnung.

Predigttext am 1. Januar 2017 ist Johannesevangelium 14, 1-6.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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An die Hoffnung glauben

15492509_160704147744692_6644531617479749194_n„Beten für Berlin“ heißen zahlreiche Seiten auf Facebook und #hashtags auf Twitter, auf denen schon wenige Stunden nach dem Terroranschlag Menschen sich versammelten und, ich vermute, ihrer Hilflosigkeit und ihrem Entsetzen Ausdruck verleihen wollten. Beten für die Opfer und die Betroffenen legt sich uns Christen nahe. Wir suchen Halt bei Gott angesichts einer barbarischen und erschütternden Tat.

Lauten Debatten möchte ich dagegen aus dem Weg gehen. Die rechten Populisten, die den Anschlag als Munition gegen unser freies Land nutzen wollen, finde ich genauso widerlich wie die wohlmeinenden Besserwisser, die den Eindruck erwecken, als würden sie Entsetzen und Trauer nicht wirklich ernst nehmen.

Stille ist in diesen Tagen angesagt, stille Gebete und stilles Gedenken mit Blick auf Weihnachten. Wir Christen haben dem politischen und religiösen Terror etwas entgegen zu setzen: Unsere Hoffnung. Den kleinen Menschen, der vor 2000 Jahren in Bethlehem zur Welt kam. Die Gewissheit, dass Gott Liebe ist – und dass alles, was dem widerspricht, dummer Aberglaube ist und noch schlimmer: religiöser Irrsinn.

Was bleibt außer beten? Die Hoffnung von Weihnachten, die sich nicht unterkriegen lässt. Wir „werden sicher wohnen und er wird der Friede sein“ heißt es im Predigttext zum Weihnachtsfest. Liebe hat Recht und Terror hat immer unrecht. Für diese Gewissheit danke ich Gott.

Und danken möchte ich all den Menschen, die uns oft unser Einsatz ihres Lebens helfen und schützen, den Männern und Frauen bei der Feuerwehr und den Notfalldiensten, bei der Polizei, den Spezialkräften und den Geheimdiensten. Sie schützen nicht nur uns, sondern auch unser Recht, an die Hoffnung zu glauben.

Predigttext am Weihnachtsfest, 25. Dezember 2016, ist Micha 5, 1-4

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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