Liebe bleibt – das macht „Mut zum Sein“

Auf die Frage „Warum all das Leid?“, die am vergangene Sonntag zu stellen war, folgt in dieser Novemberwoche die daraus folgende: „Ist dann nicht alles sinnlos?“ Wäre es dann nicht besser, nichts zu hoffen, nur in der Gegenwart zu leben – oder gar nicht zu leben?

Nein! Das wäre nicht besser! sagt der Predigttext des kommenden Sonntags. „Seid treu in eurem Glauben!“ heißt es dort. Lasst euch die Hoffnung nicht nehmen, dass am Ende nicht Nichts ist, sondern das etwas bleibt, was zählt: Unser Leben und unsere Liebe! Und lasst euch deshalb eure Hoffnung, euren Glauben und eure Liebe am heutigen Tag nicht nehmen. Habt den „Mut zum Sein!“ (Paul Tillich)

Für Interessierte: Predigttext am kommenden Sonntag ist Offenbarung 2, 8-11.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag im Gottesdienst um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1.

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Keine billigen Vertröstungen

Ein schrecklicher Verkehrsunfall auf der Autobahn, vier Tote, zwei Schwerverletzte und die tiefe Verzweiflung, die solch ein Ereignis auslöst. Warum Leid, warum Tod? Warum ich?, fragt der Betroffene. Warum diese Familie?, fragen die Erschütterten.

Einfache Antworten auf diese Fragen gibt es nicht, auch gerade nicht im christlichen Glauben. Hiobs zornige Frage „Meinst Du, ein toter Mensch wird wieder leben?“ widerspricht allen billigen Vertröstungen. Verse davor sind am kommenden Sonntag Predigttext.

Ob wir je eine Antwort auf diese Fragen erhalten? Die Kirche jedenfalls ist der richtige Ort, sie zu stellen.

Für Interessierte: Predigttext am kommenden Sonntag ist Hiob 14, 1-6.

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Freiheit lässt uns nicht im Stich

Wäre das nicht herrlich, keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Die Reformatoren haben die Freiheit ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt. Und ihnen war klar, dass Freiheit auch eine Herausforderung ist. Wer frei ist, kann nicht mehr andere für das eigene Leben verantwortlich machen, sondern ist selbst verantwortlich.

Aber es lohnt sich, die Freiheit zu schätzen. Joachim Gauck hat in seiner Autobiographie darauf aufmerksam gemacht: „Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen und sie hat uns nicht im Stich gelassen.“

Für Interessierte: Predigttext zum Gedenktag der Reformation ist Galater 5, 1-6.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1

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Nicht nörgeln, sondern leben!

Dass Herumnörgeln eine typische deutsche Eigenschaft ist, möchte ich bestreiten, aber eine typisch europäische ist es vielleicht schon. Wo über Jahrhunderte Fürsten und Könige herrschten, gewöhnten sich deren Untertanen daran, dass man eh‘ nichts machen kann, außer eben zu meckern. Dem widerspricht der Prophet Jeremia, wenn er im Predigttext des nächsten Sonntags von seinen Leuten, die nach Babylon deportiert worden waren, fordert: Suchet der Stadt Bestes! Zu deutsch: Lebt – auch in einer Umgebung, die euch nicht passt! Macht das Beste daraus!

Das gilt wohl sogar in einem ganz umfassenden Sinne heute auch: Die Welt um uns herum, die Politik und der Arbeitsplatz, unsere Nachbarn und unsere Gesundheit, all das ist gewiss nicht genauso, wie wir uns das wünschen. Aber wir sollen aus unserem Leben das Beste machen. Gott zeigt uns, wie.

Für Interessierte: Predigttext am Sonntag, 28. Oktober 2012 ist Jeremia 29, 1.4-7.10-14.

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Mach Dir keine Sorgen! Jedenfalls nicht um Vergängliches

Wie ein Leitfaden für Aussteiger klingt der Predigttext des kommenden Sonntags: Ob Lebenspartner oder Gefühle, ob Besitz oder Möglichkeiten, alles, was wir in der Welt haben, sollen wir so behandeln, als hätten wir es nicht.

Also zurück in den Urwald oder – öfters angewandt – auf Kosten anderer in den Tag hinein leben? Vor der Überheblichkeit manch alternativer Aussteiger jedenfalls warnt uns Paulus. Es geht nicht darum, durch Weltverachtung sein Heil zu gewinnen. Es geht nur darum, den Sinn unseres Lebens nicht in vergänglichen Dingen zu suchen.

Klingt seht theoretisch – aber täglich fallen wir doch genau darauf herein, dass wir Vergängliches – Erfolg und Reichtum, Ansehen und Wohlbefinden – zum Maßstab dafür machen, ob unser Leben gelungen ist. Oder etwa nicht? Dann wären wir schon so weit, wie Paulus es beschreibt: Wer sich keine Sorgen um Vergängliches macht, ist frei für Unvergängliches, für wahre Liebe und begründete Hoffnung.

Für Interessierte: Predigttext am Sonntag, 21. Oktober 2012 ist 1.Kor. 7, 29-31

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 9.30 Uhr in der Matthäuskirche, Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1

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Ganz einfach Beten !?

Es kommt im Leben nicht darauf an, den starken Maxe zu markieren, sondern zu beten. So könnte man den Predigttext für kommenden Sonntag zusammenfassen. Genauer gesagt: Wenn es uns gut geht, wenn wir Erfolg haben (oder erfolgreiche Kinder), wenn wir beliebt sind, reich sind, gesund sind, einfach Guten Mutes sind – dann sollen wir Gott dafür danken und nicht etwa denken, das hätten wir alles selbst geschafft. Und wenn wir krank sind (oder sonst darnieder, arm, krank, traurig) sollen wir Leute suchen, die für uns beten, an uns denken, für uns da sind.

Klingt das einfacher, als es ist, oder ist es einfacher, als es klingt?

Für Interessierte: Predigttext ist Jakobus 5, 13-16

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sex und Cheeseburger zu Erntedank

Um Sex und Cheeseburger geht es in der Predigt am kommenden Sonntag – flapsig ausgedrückt. „Alles was Gott geschaffen hat, ist gut!“ behauptet der Predigttext gegen fundamentalistische Glaubenseiferer, die die Ehe und bestimmtes Essen für grundsätzlich unrein, also böse erklären wollen.

Deren Mischung aus Überheblichkeit und tiefer Angst vor Sexualität begegnet man heute leider im religiösen Fanatismus immer noch, wie im weltlichen Bereich sich eine religiösen Inbrunst breit gemacht hat, mit der „gutes“ Essen propagiert wird, als könnte man durch Karottensticks erlöst werden.

Doch genug der Polemik. Spannend für mich ist vor allem die Frage, wie wir lernen können, aus dem Satz „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut!“ die richtige Konsequenz zu ziehen und aus allem, was wir im Leben bekommen, das Beste zu machen.

Für Interessierte: Predigttext am Erntedankfest, 7. Oktober 2012 ist 1.Thessalonicher 4, 1-5.

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Nicht meine Gedanken …

Die heutige biblische Losung fand ich so anregend, das ich ausnahmsweise darüber hier etwas schreiben musste: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. (Jesaja 55,8)

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
spricht der Herr.

Zunächst: Gottes Gedanken, sind nicht unsere Gedanken, das heißt, was Gott mit uns vorhat, wie unser Leben ist, wer wir sind, wie wir sind, das ist alles nicht so, wie wir es uns ausdenken würden. Ich denke, dass muss uns niemand sagen. Manches würden wir uns liebend gerne anders wünschen, keine Sorgen um die Kinder, keine Krankheit, kein Spüren der eigenen Grenzen – auch der eigenen Unzulänglichkeiten.

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Tree of Life“ von Terence Malick. Ein bildgewaltiger und sehr komplexer Film. In der Handlung geht es um einen Mann, der auf seine Kindheit zurückblickt, eine Mutter, für die reine Liebe der Sinn des Lebens ist und einen Vater, der das Leben als Kampf erlebt. Der Mann gerät in einen Sog aus Erinnerungen wie auch die ganze Familie nach dem Tod des ältesten Sohnes. Der Film zeigt dazwischen aber lange Sequenzen von Naturaufnahmen, und das Ganze ist eigentlich nur die Illustration eines Bibelwortes ist aus dem Buch Hiob 38, 4+7: „Wo warst du, als ich die Erde gründete?… Als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne?“  

D.h. können wir wirklich mit Gott, der die Welt geschaffen hat, darum streiten, ob etwas richtig ist in unserem Leben? Ich habe den Film zum ersten Mal gesehen, als ich selbst an einigen Grenzen stand, – und da war er fast so etwas wie eine Erleuchtung. Wir haben nur unser Leben und es ist sinnlos, um ein anderes Lebensschicksal mit Gott zu streiten. Angesichts des Ewigen ist alles anders, als wir denken.

Als zweites ist mir dann eine beruhigende Erzählung eingefallen. Es ist tatsächlich die erste biblische Erzählung an die ich mich erinnere, im Kindergarten bekam ich sie von einer Diakonisse erzählt, die Geschichte von Josef, der so sehr vom Leben hin- und her geworfen wird – Lieblingssohn des Vaters und dann von den Brüdern als Sklave verkauft; schlauer Vertrauter einflussreicher Leute und dann von einer enttäuschten Frau ins Gefängnis gebracht; dann die Befreiung und der Aufstieg an die Spitze des Staates – und die Begegnung mit seinen Brüdern und dem Vater.

Eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR heißt es in der Losung. Bei Josef heißt das: Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte, es gut zu machen. (Gen. 50, 20)

Wir wissen nicht, wie alles zusammenpasst und sein wird. Wir wissen oft ja nicht mal recht, was für unser Leben gut ist. Nur hinterher erkennen wir zuweilen, wie gut es das Leben mit uns meint, auch wenn uns vieles rätselhaft vorkommt und manches sehr belastend ist.

Das Rätsel im Leben bleibt – aber auch die biblische Botschaft, dass wir Vertrauen haben sollen in den, der jenseits dieses Rätsel steht. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.

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Da Antisemiten eh‘ nicht lesen können…..

Wow! Israel ist das „Licht der Heiden“. Dieses Bibelwort möchte man den Antisemiten von rechts und links ins Stammbuch schreiben, – aber die meisten dieser Gestalten können ja eh nicht lesen….. Also doch eine unpolitische Auslegung in der Predigt am kommenden Sonntag? Vielleicht ausgehend von der Frage: Für wen tun wir das Gute, das wir tun? Für uns selbst und die unseren – oder zeigt sich darin nicht doch auch das Gute für alle Menschen?

„Da hab‘ ich sie echt bewundert!“ sagt man manchmal zu anderen, die schwere Situationen gemeistert, Krankheiten tapfer überstanden oder im Umgang mit schwierigen Menschen Souveränität und Gelassenheit gezeigt haben. Und so ein klein bisschen in Gottes Auftrag zum Heil für alle Menschen geworden sind, wie es im Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja heißt.

Für Interessierte: Predigttext am Sonntag, 30. September 2012 ist Jesaja 49, 1-6.

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Verfolgung und Schmähung haben die Kirche geprägt

Wer wissen will, wie die christliche Religion tickt und was sie von anderen Religionen unterscheidet, muss die Apostelgeschichte lesen. Das Christentum ist tief geprägt von den ersten dreihundert Jahren seiner Existenz, als es verfolgt, geschmäht und verboten wurde. Immer wieder hat man sich die Geschichte von Petrus im Gefängnis – den Predigttext des kommenden Sonntags – erzählt, und davon wie er wunderbar befreit wurde.

Freiheit und die Erfahrung, dass Wahrheit sich nicht mit Gewalt durchsetzen lässt, haben unseren Glauben geprägt (auch wenn dies immer wieder und viel zu oft vergessen wurde.) Heute ist das immer noch aktuell in der weltweiten Christenverfolgung, in der Konfrontation mit religiösem Terror und dem Versuch, Religion mit Gewalt zu verbreiten oder gegen „Beleidigung“ zu schützen.

Wie also darauf reagieren? Zunächst jedenfalls einmal mit dem tiefen Wissen, dass nur die Liebe Recht hat und dass Freiheit immer der Prüfstein für Wahrheit ist.

Für Interessierte: Predigttext ist Apostelgeschichte 12, 1-11

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 9:30 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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