Ich habe sie nie gemocht, die Rechtschreibreform. Am 1. August 2006 trat sie nach jahrelanger Diskussionen in Kraft und wurde auch immer wieder korrigiert. Eine vom Staat verordnete Rechtschreibung gibt es seitdem, vorher galt das, was die Duden-Redaktion sagt.
In vielen Ländern gibt es übrigens gar keine verbindliche Rechtschreibung – und man versteht sich auch so. Und andererseits hätte ich mir gewünscht, dass unsere Sprache etwas Computer- freundlicher wird und man auf das ESZET ganz verzichtet.
Übrigens sind nur Schulen und die Verwaltung an die vorgegeben Rechtschreibung gebunden. Sie und ich, wir können schreiben, wie wir wollen. Denn „die Sprache gehört dem Volk“, sagte der Deutsche Bundestag dazu – und das wusste schon Martin Luther, als er die Bibel ins Deutsche übersetzte: Dass das am besten ist: Dem Volk aufs Maul schauen. Und so schreiben, wie es der andere am besten versteht.
Ganz so unbefangen kann man den heutigen Tag vielleicht nicht feiern. Gefangene Wildtiere sind umstritten. Aber der älteste Zoo der Welt, der Tiergarten Schönbrunn, wurde am 31. Juli 1752 in Wien eröffnet. Zunächst nur für die kaiserliche Familie und geladene Schulklasse und ab 1778 auch für „anständig gekleidete Personen“, wie es hieß.
Zoologische Gärten haben unseren Verfahren die Welt näher gebracht. Elefanten und Großkatzen, Hyänen und Kängurus machten den Besuchern deutlich: Da draußen in der Welt gibt es mehr als in Österreich und ganz andere Lebewesen als in Europa. Die meisten Menschen kamen in ihrem Leben kaum einmal aus ihrem Landkreis heraus – und mit Schönbrunn bekamen sie die Welt vor ihrer Haustüre zu sehen.
Wir haben heute andere Möglichkeiten – Reisen und Fern-sehen.Obwohl, in diesen Wochen, wo es mit den Reisen jedenfalls in ferne Länder nichts ist, ist es sicher noch einmal ein ganz anderes Gefühl mit Giraffen auf Augenhöhe zu sein, so wie im Tiergarten Schönbrunn.
Haben Sie auch mal ein „Freundschaftbändchen“ gehabt. Die waren früher sehr in Mode – und heute sollte man sie eigentlich aus der Schublade holen, denn heute ist der Internationale Tag der Freundschaft. Die Vereinten Nationen haben den 30. Juli dazu erklärt.
Freundschaft zwischen Menschen ist damit gemeint, aber auch auch Freundschaften zwischen Ländern und Kulturen. Was kennzeichnet eine Freundschaft? Nun, sie beruhen immer auf Gegenseitigkeit, meinte der Philosoph Aristoteles. Man kann zwar sein Auto lieben, aber befreundet sein mit ihm, kann man nicht. Und Freundschaften sind selbstlos. Man tut dem Freund Gutes, auch wenn es einem selbst nichts nützt.
Deswegen soll der Staat übrigens die Freundschaft fördern. Unser Zusammenleben basiert nämlich darauf, dass man etwas für andere tut, auch wenn es einem selbst nichts bringt. Für Jesus geht das sogar so weit, dass Freunde sogar mit ihrem Leben füreinander einstehen. Das Freundschaftbändchen am Arm kann also ziemlich viel bedeuten.
Am 29.Juli 1954 erschien in London der erste Band von „Der Herr der Ringe“. Die große Sage vom Kampf des Guten gegen das Böse. In Romanen kann man meist davon ausgehen, dass das Gut doch irgendwie siegt, aber in der Wirklichkeit weiß man das eben nicht. Und je älter man wird, desto mehr Erfahrungen macht man, dass das Gute oft ziemlich ins Hintertreffen geraten kann – und der Kampf für das Gute gefährlich ist.
Bilbo Beutlin ist so einer. Er hat in dem Roman diesen machtvollen Ring gefunden – und schreckt davor zurück, gegen das Böse loszuziehen. “Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“
Wäre es wirklich besser, zuhause sitzen zu bleiben, weil man nicht weiß, was draußen passiert? Ich denke, Nein. Zuhause sterben die Leute, sagt man in Bayern. Richtiges Leben gibt es nur draußen auf der Straße, wo man anderen Menschen begegnet und anderes sieht. Es muss ja nicht gleich der finstere Weg nach Mordor sein. Obwohl, selbst da wäre Gott mit uns.
„The Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel ist einer der besten Folksongs aller Zeiten, finde ich. In der Jugend haben wir ihn bei jeder Gelegenheit gesungen, und noch vor ein paar Jahren wurde er von einer Metal-Band gecovert und von Eminem gesampelt.
Wenn man niedergedrückt ist, fühlt man sich in den Anfangsworten wieder: „Hello Darkness my old Friend“, Hallo Dunkelheit, mein alter Freund – und dieser Klang aus der Stille erinnert an die erste, vergebliche Liebe, an das erste Scheitern, an die Traurigkeit, die einen in der Jugend manchmal erfüllt.
Paul Simon hat das Lied geschrieben, weil er als Teenager häufig im Dunkeln Gitarre spielte, erzählte er 1984. Aber jetzt kam die ganze Geschichte ans Licht. Sanford Greenberg war ein Zimmergenosse von Art Garfunkel, der anderen Hälfte des Duos – und erblindete 1961. Sein Schicksal inspirierte Simon and Garfunkel zu dem Song.
Greenberg zog sich nicht zurück, wie ein Sozialarbeiter ihm empfahl, sondern legte eine glänzende Karriere hin, promovierte in Harvard und arbeitete im Weißen Haus. Und er gründete eine Stiftung für Blinde, die nun auch Blindheit bekämpft. „Niemand soll erblinden“, sagte er einmal. „Das habe ich Gott versprochen“.
80 Jahre wird er heute alt, Bugs Bunny, der stets gut gelaunte Hase, der so elegant Karotten essen kann. 1940 trat erstmals in einem Film auf. In meiner Kindheit hatte er seine eigene Fernsehshow. Ich habe ihn geliebt. Bugs Bunt ist selbstbewusst und schlau, stets gelassen und optimistisch. So wäre ich auch gerne – gelassen und optimistisch, aber obwohl ich noch keine 80 Jahre alt bin wie Bugs Bunny, habe ich das immer noch nicht richtig gelernt. Das Beste an Bugs Bunny ist, dass er auch immer hilfsbereit und verständnisvoll ist.
Ist es naiv, solch eine ungebrochen gute Figur zu zeichnen?Ist Bugs Bunny nur ein Kindertraum?Ich denke nein.Immer wieder begegne ich Menschen, die freundlich sind und klug, die anderen Menschen gut tun mit ihrer offenen und liebevollen Art. Menschen wie Bugs Bunny eben…..
Predigt am 26. Juli 2020 – Hebräer 13, 1-3 (Analoge Version aus der Matthäuskirche)
Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben. Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben, denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen. Denkt an die Gefangenen, als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt! Denkt an die Misshandelten, als ob ihr die Misshandlungen am eigenen Leib spüren würdet!
Liebe Gemeinde,
ist Ihnen schon einmal ein Engel begegnet? Natürlich, manchmal sagt man zu jemanden: „Sie sind ein Engel.“, wenn der einem bei etwas hilft, der einem etwas Gutes tut. Das ist nett, das zu sagen. Freundlich. Aber ein richtiger Engel muss ja wohl etwas fast Überirdisches tun, etwas unerwartetes, etwas, das wie ein Wunder ist. Obwohl er keine Flügel hat und vielleicht nicht einmal lächelnd über dem Boden schwebt.
Ich bin einmal einem Engel begegnet, einem Mensch, der mir als ich jung war in einer schwierigen Lebenslage sehr geholfen hat. Das war so nicht zu erwarten gewesen, dass diese Person einfach in mein Leben tritt, überraschend das ganz Richtige tut, mir gut tut, was für mich damals wie ein Wunde war. Und nach ein paar Monaten war dieser Engel wieder weg und mir ging es weiterhin gut. Auch mit vielen Jahrzehnten Abstand ist das wie ein Wunder, dass mir da zum richtigen Zeitpunkt der richtige Mensch begegnet ist. Ein Engel – auch wenn die Person bestimmt keine Heilige war.
Engel bringen Glück in unser Leben – manchmal wundervoll und überraschend und immer wie von Außen. Aber man muss sich natürlich auf Situationen einlassen, in denen einem Engel begegnen können „Einige haben Engel bei sich aufgenommen, ohne es zu wissen.“ heißt es in der Bibel. Wer weiß, was einem die Menschen Gutes tun werden, denen man begegnet? Wer weiß, was wir gewinnen, wenn wir unser Herz gastfreundlich anderen öffnen? Wer weiß, was uns gut tut, wenn wir es nicht ausprobiert haben?
Wahrscheinlich muss man hoffen, dass einem mal ein Engel begegnet – gerade in der Not. Manchmal macht man das. Und dann ist er da, und man erkennt ihn nicht, zunächst jedenfalls – oder glaubt ihm nicht, kann sich nicht auf ihn einlassen.
Viele Geschichten dieser Art sind in der Bibel dazu zu finden. Engel klettern die Himmelsleiter rauf und runter, als Jakob auf dem Weg zur Versöhnung mit seinem Bruder Esau ist. Engel kündigen Sarah die Geburt ihres Sohnes an. Ein Engel sitzt am leeren Grab Jesu. Eine Engel zeigt den gefangenen Aposteln der Weg aus dem Gefängnis.
In der Bibel sind es die verzagten und verunsicherten Menschen, die von Engeln aufgesucht werden. Menschen, die in der Seele verletzt sind, werden von Engeln geheilt. Denen, die von anderen geplagt werden, wird von Engeln eine andere Richtung gewiesen. Menschen, die auf keine bessere Zukunft mehr hoffen, erleben plötzlich, wie das Leben auch leicht und schön sein kann. Sie beherbergen Engel bei sich, ohne es zu wissen. Sie lassen sich auf Fremde ein, die ihnen schließlich zu Freunden werden.
Auch uns könnte genau das passieren, dass für uns gänzlich unbekannte Menschen unser Leben auf einmal in entscheidender Weise prägen und auch verändern. Menschen, die wir im Urlaub kennenlernen, die uns auf einer neuen Arbeitsstelle begegnen, die wir in unser privates, intimes, geheimes Innerstes schauen lassen, weil wir Vertrauen haben, dass sie uns nicht schaden werden. Und diese Erfahrung können wir immer wieder machen, eigentlich ein Leben lang. Weil Gott uns diese Engel schickt.
Woher man wissen kann, dass Gott sie schickt? Nun, wissen kann man das vorher nie, ob andere Engel sind. Die Leute in der Bibel haben auch nicht gewusst, wenn sie da gastfreundlich bei sich aufnehmen. Der vermeintliche Engel kann sich natürlich auch als falscher Hund entpuppen. Aber wer kein Geld von uns will, wer uns nicht zu nahe rückt, wer uns nicht belehrt – der hat zunächst einmal unser Vertrauen verdient. Vielleicht ist er ein Engel. Ich denke, das spüren wir. Engel werden sich nicht wie Heiratsschwindler in alten Heimatfilmen bei uns einschmeicheln. Im Gegenteil, mancher Engel ist vielleicht sogar eine Herausforderung.
Das hat mir mal eine Frau erzählt. Sie war alleine auf der Straße uns schwer gestürzt. Niemand in der Nähe. Bis ein dunkler BMW an der Straße hielt und ein junger Mann in Lederkluft und mit dunklem Teint ausstieg. Der half ihr auf und begleitet sie in ihre Wohnung. „Stellen Sie sich vor! Ein Ausländer!“ sagte sie noch. Politisch korrekt ist das heute natürlich nicht, aber die alte Frau sagte das wie eine tiefe Erkenntnis. Es war ganz anders, als sie erwartet hatte.
Ein Engel eben, der unerwartet kommt. Die Engel, die Gott uns schickt, sind oft erst hinterher zu erkennen. So steht es ja im heutigen Predigttext. Und Engel können nicht nur helfen, sondern einem offenbar auch etwas beibringen. Nicht durch Worte, sondern durch Tun.
Hab Vertrauen sagen sie. Das macht das Leben leichter.
Und zum Schluss noch ein Blick auf die Engel, die man nicht sieht, die aber umso mächtiger da sind. Haben Sie ihren Schutzengel schon mal in Aktion erlebt? Ich schon. Vor ein paar Jahren hätte ich mit dem Auto fast einen schweren Unfall verursacht. Ganz knapp raste der LKW noch an mir vorbei. Ich wäre schuld gewesen – und wahrscheinlich tot. Da ist mir gar nichts anderes mehr übrig geblieben, als an einen Schutzengel zu glauben. Wer glaubt schon, dass er zufällig lebt? Ich nicht, dazu nehme ich mich und mein Leben viel zu wichtig.
Das war kein Zufall, dass ich bewahrt wurde, sondern das war eine Zusage: „Ich schütze dich,“ sagt Gott. „Das hast du erlebt. Du kannst das deinen Schutzengel nennen, aber letztlich war ich es, der Gott, der dich geschaffen hat und möchte, dass du gut lebst in einer Welt, die von Zufällen bestimmt scheint.“ Das sagt Gott zu jedem Menschen, glaube ich.
Heute vor 40 Jahren, am 25. Juli 1980, erschien Back in Black von AC/DC, das erfolgreichste Hardrock-Album aller Zeiten. Der letzte Titel darauf heißt „Rock and Roll Ain’t Noise Pollution“, Rock’n Roll ist keine Lärmbelästigung. Hintergrund war eine Meldung, dass ein Musik-Club in London nach 11 Uhr keinen Lärm mehr verursachen darf.
Nein, eine „Lärmverschmutzung“ ist auch Hardrock nicht. Guter Rock ist vor allem authentisches Gefühl und Musik, die sofort in den Bauch gehen will. Man hört, was man fühlt und fühlt was man hört.
Erstaunlich übrigens, wie viele Schlips und Sakko-Träger sich unter den AC/DC Fans finden. Wer nach außen oft seriös und angepasst erscheinen muss, darf wenigstens beim Rockkonzert seine anderen Gefühle mal rauslassen.Und offenbar gilt das auch in der Kirche. Auf YouTube jedenfalls finden sich sogar Kirchenmusiker, die Back in Black auf der Orgel spielen.
„Sei vorsichtig, worum du betest. Vielleicht bekommst du es ja.“ In einem Roman von Stephen King habe ich mir das als Zitat angestrichen. Worum beten Sie, wenn Sie beten? Die meisten beten wohl um Dinge wie Gesundheit oder die Lösung von großen Problemen, die man hat, um das Wohlergehen in der Familie und ein bisschen Glück im Leben. Nichts, wo man vorsichtig sein müsste. Und alles Dinge, die man gerne und zu Recht hätte.
In dem Roman geht es bei dem Zitat allerdings um ziemlich konkrete Vorstellungen von dem, was man sich unbedingt wünscht: Den Traum-Mann – den es aber wohl gar nicht gibt; oder das viele Geld – das aber höchstens beruhigt, aber nicht wirklich glücklich macht.
Doch zum Glück bekommen wir selten, worum wir beten. Dietrich Bonhoeffer hat das mal treffend gesagt: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Deswegen muss man nicht vorsichtig sein, wenn man betet. Sondern nur damit rechnen, dass Gott nicht unsere Probleme löst. Was wir von ihm bekommen, sind Glaube, Liebe und Hoffnung. Und, so bete ich: Gott, gib mir die Kraft, das zu erreichen, was mir gut tut. Mehr muss es nicht sein.
Heute vor 25 Jahren, am 23. Juli 1995 wurde der Komet Hale-Bopp entdeckt. Und genau heute erreicht ein neuer Komet, Neowise, seinen erdnächsten Punkt. Er wurde erst vor wenigen Monaten überhaupt entdeckt. Früher verbreiteten Kometen Angst und Schrecken. Man konnte sie selten berechnen. Plötzlich waren sie am Himmel zu sehen. Was neu ist und anders, macht Angst. In Punkto Kometen sind wir darüber hinweg. Wir wissen, dass nichts passieren kann, wenn sie uns nicht treffen. Und das lässt sich vorher berechnen. Neowise kommt uns nicht näher als 103 Millionen Kilometer, alles gut also.
Ansonsten gilt das leider oft noch: Dass das, was neu ist Angst macht. Sicherheit gibt uns eben das was wir kennen. Etwas Neues kann ja auch etwas Schlechtes bedeuten. Manchmal packt einen allerdings die Abenteuerlust. Bevor das Leben zu langweilig, sollte man mal etwas Neues probieren oder erkunden. Das Neue kann nämlich faszinierend sein. So wie ein Komet am Himmel.