Brot meines Lebens

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Im Leben braucht man Power – aber woher nehmen? (Foto: lizenzfrei)

Wenn mir mal wieder einiges über den Kopf zu wachsen droht, dann hätte ich gerne jemanden, der meine Probleme löst. Das sage ich ganz ehrlich, obwohl es infantil ist. Kindisch, zu glauben, dass der große Zampano kommt, und alles gut macht.

Meine Gebete formuliere ich deshalb anders. Ich bitte Gott um Kraft und Mut und Gelassenheit und Zuversicht und ….., na ja, es gibt viel, was einem hilft, das Leben zu meistern. Infantil wäre es auch, zu denken, man müsste Gott einen konkreten Wunschzettelauflisten. Denn Gott wäre nicht Gott, wenn er uns nicht anbieten würde, was wir Menschen brauchen. „Brot“ unseres Lebens zu sein und jemand der unseren Durst stillt, sagt Jesus.

Manchmal fällt es schwer, das zu glauben, weil es manchmal weniger und anderes ist, als wir uns – zu Recht – wünschen würden. Dass es doch genügt, Brot unseres Lebens zu sein und unseren Durst nach einem guten Leben zu stillen? Am Ende der Tage werden wir es sehen, glaube ich.

Ihr

Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 4. August 2019, ist Johannes-Evangelium 6, 30-35.

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Anders sein

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Denkmal für Alan Turing, ein Genie, das die Welt gerettet hat – und in den Tod getrieben wurde, weil er homosexuell war. (Foto: Treiber)

Was hat man nicht schon alles schlimm gefunden: Kinder, die ihren Eltern widersprechen, und Frauen in Hosen; Männer, die Männer lieben, und Evangelische, die Katholische heiraten. Zeiten ändern sich, zum Glück. Und doch wird immer wieder neu mit großer Selbstverständlichkeit Anstoß genommen an Menschen und Meinungen, die anders sind.

Dass andere sich sogar über einen Menschen ärgern, der bedingungslos für die Liebe zu anderen eintritt, musste Jesus erleben. Ein „Stein des Anstoßes“ – der Ausdruck kommt tatsächlich aus der Bibel – war er.

Heute ist er hoffentlich der „Eckstein“, der Maßstab für gutes und richtiges Leben.

Und wer ihm nachfolgt kann nicht ernsthaft Anstoß nehmen an Menschen, nur weil sie anders sind.

Predigttext am Sonntag, 28. Juli 2019 ist 1.Petrusbrief 2, 2-10.

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Heal the World?

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(Foto: iStock)

„Heal the World“ – heile die Welt – haben wir Michael Jackson nachgesungen, aber inzwischen ist das immer noch wunderschöne Lied zu Recht aus der Mode gekommen. Über dem verstorbenen Jackson hängt ein fast dämonischer Schatten, gegen den er sich nicht mehr wehren kann, und die ganze Welt retten? Das ist mir ein paar Nummern zu groß. Solch ein Anspruch endete bisher immer im Elend.

Einzelnen Menschen aber können wir vielleicht nicht immer „heilen“, aber ihnen doch ihr Leben leichter und besser machen durch Mitgefühl und tätige Hilfe; durch Fragen – Wie geht es dir? Was brauchst du? – und durch unsere Solidarität und unseren Schutz.

Jesus gab seinen Jüngern Macht, alle Gebrechen zu heilen, heißt es in der Bibel. Uns einfachen Menschen gab er den Geist der Nächstenliebe. Das genügt erst einmal.

Predigttext am Sonntag, 21. Juli 2019, ist Matthäus-Evangelium 9, 35 bis 10, 10.

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Zweierlei Maß

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Leicht zu sehen – der Splitter im Auge des anderen. (Foto: wikicommons / lizenzfrei)

Die Warnung aus der Bibel ist bekannt: „Was siehst Du den Balken im Auge deines Bruders, den Splitter im eigenen Auge aber siehst du nicht?“ – Moment mal. Stimmt das? Obwohl bei einer Umfrage vor einigen Jahren die Mehrzahl diesen Wortlaut nannte, hat Jesus es genau anders herum gesagt: „Was siehst Du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken im eigenen Auge aber siehst du nicht?“ Das Brett vor dem Kopf, das uns die Sicht versperrt, ist allemal dicker als die kleinen Fehler, die wir beim anderen entdecken.

Das sollte auch eine Warnung vor moralischer Überheblichkeit sein. Leider ist es üblich, andere moralisch zu verurteilen, die Mütter, die angeblich alle ihre Kinder im SUV zur Schule fahren (wobei keiner nach ihren guten Gründen fragt) ebenso wie die Schüler, denen man vorwirft, für eine Demo die Schule zu schwänzen. (Wenn jemand aber als Leistungssportler oder Musiker vom Unterricht befreit wird, stört das keinen.) Wir messen eben gerne mit zweierlei Maß. Schlimm daran finde ich vor allem, dass man über das Verhalten anderer urteilt ohne es beurteilen zu können.

Jesus sagt deshalb ganz einfach: Seid doch barmherzig im Umgang miteinander. Wer andere verurteilt, hat für mich schon ausgespielt.

Predigttext am Sonntag, 14. Juli 2019 ist Lukas-Evangelium 6, 36-42.

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Glauben und Vertrauen

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Wenn es Bielefeld nicht gibt, ist die Erde eine Scheibe – Logo der Flacherdler, die es tatsächlich gibt. (Abb. lizenzfrei)

Glauben Sie, dass die Erde eine flache Scheibe ist? Natürlich nicht, das wäre nicht nur Dummheit, sondern auch kein Glaube. Glauben heißt nicht, etwas abstruses für wahr zu halten, sondern Glauben heißt sich an etwas, das über alle Begrenztheit hinausgeht, gebunden zu fühlen und Vertrauen zu haben, dass dieses Ewige, das Gott ist, mich will und mich hält.

Glaube entsteht in jedem Menschen, wenn er spürt, dass ihm Vertrauen geschenkt wird. Glauben ist die Erfahrung, Vertrauen in das Leben haben zu können. Deshalb kann ich mit Anhängern anderen Religionen auch nicht über den rechten Glauben streiten. Verschiedene Kulturen haben verschiedene Bildwelten, in denen sie dieses Grundvertrauen erfahren und ausdrücken. Mir selbst ist Jesus Christus derjenige, der mir Gott nahebringt – wie vielen anderen auch. Andere glauben anders – das ist auch okay.

Nur eines mag ich nicht: Wenn andere Religionen meinen Glauben für falsch und Atheisten meinen Glauben für dumm erklären. Die nehmen mich nämlich nicht erst. Mein Vertrauen aber kann mir niemand nehmen.

Predigttext am Sonntag, 7. Juli 2019 ist 1.Timontheus 1, 12-17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Geld und Glück

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(Foto: Treiber)

Ein bekannter deutscher Tennisspieler hat angeblich mal gesagt: „Es stimmt nicht, dass Geld nicht glücklich macht. Wenn die Leute wüssten, wie viel Glück man sich mit Geld kaufen kann, würde es einen Aufstand geben.“ Ob er recht hat? Mit Geld kann man sich tatsächlich das Leben angenehmer gestalten, kann besser für seine Gesundheit vorsorgen und sich manche Bequemlichkeit leisten.

Seltsam nur, dass ab einem gewissen guten Grundeinkommen das empfundene Glück mit mehr Geld nicht mehr wächst. Vielleicht, weil Wohlstand – egal auf welchem Niveau – mit der Zeit als normal empfunden wird; vielleicht, weil man als Reicher denkt: „Ich müsste doch glücklicher sein.“ Vielleicht auch ganz einfach deshalb, weil man sich die wesentliche Dinge im Leben eben nicht kaufen kann: Liebe, Sinn und Erfüllung. Das gibt uns Menschen, so heißt es in der Bibel, Gott kostenlos.

Dennoch ist es gut, wenn immer mehr Menschen an immer mehr Wohlstand der Menschheit teilhaben können. Denn mit mehr Geld kann man sich ein Glücksgefühl besorgen, dass immer gut tut: Das Gefühl, ärmeren mit dem, wovon man viel hat, zu helfen.

Predigttext am Sonntag, 30. Juni 2019 ist Jesaja 55, 1-5.

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Zwei Gesichter

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Wie Janus, eine Figur aus der römischen Mythologie, zeigen auch Menschen zuweilen zwei Gesichter. (Abb. wikipedia/gemeinfrei) 

Menschen haben zuweilen zwei Gesichter, ein öffentliches und ein anderes. Zum Beispiel der hoch verehrte Protest-Barde, der in seinen Liedern mit einfühlsamer Stimme immer unter aller Schlechtigkeit der Welt zu leiden schien, und den ich – von mehr als 20 Jahren – backstage erlebte, wie er selbstgefällig minderjährige Mädchen anmachte. Oder – „hinter“ der gleichen Bühne – die eher unpopuläre, anarchistische Rampensau, die alles Mögliche auf der Bühne zertrümmerte, um damit das Publikum zu provozieren. Bei anschließenden Bier war er eine offene, freie und freundliche Person ohne Allüren.

Wer mich mehr inspiriert hat? Natürlich der ehrliche Provokateur, der einen dazu brachte, zu spüren, wie man selbst aggressiv wird. Und nicht der andere, der mehr Schein als Sein war.

Man sollte vorsichtig sein, wenn öffentliche Personen verehrt werden; auch wenn Sie für noch so gute Sachen stehen. Jesus hat solch eine Verehrung häufig zurückgewiesen (Johannes 5, 41). Es zählt nicht, was einer darstellt oder man auf ihn projiziert, sondern was er ist und tut – und wie er mit eigenen Schwächen und Fehlern umgeht.

Predigttext am Sonntag, 23. Mai 2019, ist Johannes-Evangelium 5, 39-47.

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Einander gut sein

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Das Geheimnis einer gelingenden Beziehung? Sieben mal den anderen loben, bevor man ihn kritisiert. (Foto: iStock)

Woran erkennt man gute Freunde? Vielleicht daran, dass man sich von ihnen die Meinung sagen lassen kann, ohne beleidigt zu sein. Wir wollen uns ja schließlich nicht von jedem kritisieren lassen. Aber gute Freunde – und selbstverständlich unsere Lebenspartner und engen Familienmitglieder – haben nicht nur das Recht, sondern manchmal sogar die Pflicht, uns „zu mahnen und zurechtzubringen“, wie es in der Bibel heißt.

Sich selbst erkennen kann man oft nur, wenn man sich im anderen spiegelt, wenn andere einem sagen, wie man wirkt.

Und über allem steht natürlich die eine Pflicht: „Frieden halten“, oder wie es eine Schriftstellerin mal altertümlich ausgedrückt hat: Einander gut sein. Der Kritiker dem Kritisierten – und umgekehrt.

Predigttext am Sonntag, 16. Juni 2019 ist 2.Korintherbrief 13, 11-13.

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Alles fließt

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Alles fließt und manchmal stürzt es sogar herab. (Foto: Treiber)

Loslassen zu können, fällt manchmal ganz schön schwer. Bei den Kindern, die groß geworden sind; bei der Arbeit, wo sich Abläufe ändern; in Beziehungen und Freundschaften gibt es manchmal auch große und gewichtige Veränderungen. „Panta rhei“, erkannte der griechische Philosoph Heraklit, alles fließt.

Das alles im Fluss ist und sich jederzeit verändern kann, kann einem ganz schön Angst machen. Oder aber: Das alles im Fluss ist und sich jederzeit verändern kann, kann einem auch ganz schön Hoffnung machen. Nichts muss bleiben, wie es ist. Wir sind frei und nicht festgelegt. Gewiss: Manches tragen wir als Person mit uns herum, unsere Erfahrungen und Begabungen. Aber was wir daraus machen, das können wir jeden Tag neu entscheiden.

Alles fließt und manches muss man deswegen loslassen. Doch jeder Anfang verspricht auch Möglichkeiten und beglückende Erfahrungen. Jeder Anfang sagt uns: Deine Wünsche können vielleicht auch erfüllt werden.

Predigttext des kommenden Pfingstsonntags, 9. Juni 2019, ist Johannes 14, 15-19.

Pfarrer Treiber predigt sonntags und feiertags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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Die Fülle des Lebens

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Apollo 8, Earthrise (Foto: Nasa / public domain)

Manchmal braucht man einfach einen, der einem sagt, wie schön die Welt ist. Dass es Wärme gibt, dass es Liebe gibt, dass es uns gibt, das ist doch ein unbegreifliches Wunder. Kein Wunder war es also, dass den ersten Menschen, die den kalten, toten, grauen Mond umkreist haben, nichts anders eingefallen ist, als die schöne, blaue Erde zu fotografieren und die biblische Schöpfungsgeschichte zu lesen. Die Schönheit unserer Welt – man sollten sie nicht aus dem Blick verlieren, wenn tagtäglich dunklere Seiten dieser Welt auf einen einwirken.

Dass wir unser Leben so wenig geschaffen haben wie die Vielfalt der Natur, wissen wir. Dass hinter all dieser Fülle Gott steht, glaube ich – und bin überzeugt davon, dass wir ein bisschen mehr Optimismus zeigen könnten. Nicht alles wird klappen, was wir uns vornehmen, aber wer hinter allem weiter sieht – Wunder, Schönheit und Liebe -, wird sich selbst an seiner Unvollkommenheit freuen können, und an der anderer Menschen ebenso. Die Fülle des Lebens liegt nicht in überquellenden Regalen, sondern in Schubladen, deren Inhalt wir noch nicht kennen.

Predigttext des kommenden Sonntags, 2. Juni 2019, ist Epheser 3, 14-21.

Vorherige Predigtgedanken finden Sie im > Predigtblog.

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