„Wann kommst Du?“ – „Gleich.“

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Adventskalender gibt es auch speziell für Erwachsene. (Foto: privat)

„Gleich!“ sagen die Jugendlichen, wenn man sie bittet, doch endlich eine Aufgabe zu erledigen oder zum Essen zu kommen. Dabei ist gar nicht so sicher, was „gleich“ jetzt bedeutet, und man wartet.

„Gleich“ heißt es auch im Advent. Unser Erlösung naht! verheißt uns uns ein Prophet, und dass sie in einem Kind  in der Krippe erscheint, wissen wir auch. Aber wann kommt Erlösung wirklich, endgültig?

Mit der Unbestimmtheit des Glücks in unserem Leben müssen wir leben. „Gleich“ kann lange dauern. Aber es kommt, gewiss. In der Adventszeit lässt sich das spüren an den schönen Lichtern, der Vorfreude, der Geschäftigkeit und jeden Morgen, wenn ich das Türchen an meinem Adventskalender öffne.

Predigttext am Sonntag, 7. Dezember 2014 ist Lukas 21, 25-33.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Ein Lob der Lächerlichkeit

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(Foto: wikicommons – lizenzfrei)

Sie kennen vielleicht die Fotoshootings, für die man als Tourist auf einen Esel gesetzt wird. Ich weiß nicht: Ein Elefant oder Kamel mag ja noch exotisch-imposant sein, aber ein Esel wäre mir peinlich, zumal es dem Tier mit meinem Gewicht auch nicht gut ginge. Aber ich denke da eher an mich, wie lächerlich das aussehen würde; dann lieber zu Fuß.

Oder darf man als Erlöser lächerlich auf einem Esel daherkommen? Muss man vielleicht sogar? Wenn ich an die inzwischen allgegenwärtigen religiösen Fanatiker denke, die mit ihrem ernsthaften „Glauben“ zu einer Seuche der ganzen Welt geworden sind, weiß ich, dass Erlösung nur in der Leichtigkeit liegen kann, im Humor, in der Gelassenheit. All das zeigt sich in der Fähigkeit, über sich selbst lachen und sein Erscheinungsbild lächeln zu können.

Jesus kam auf einem Esel nach Jerusalem geritten und die Leute haben ihn wie einen König empfangen. Ich bin sicher: Man hat damals gelächelt bei aller Freude über den Erlöser.

Predigttext am 1. Advent, dem 30. November 2014, ist Matthäus 21, 1-9

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Totensonntag – Der persönlichste Gedenktag

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(Foto: iStock)

Der Totensonntag ist wohl der persönlichste aller Gedenktage. Denn hier erinnern wir uns als einzelne Menschen und Familien an einzelne andere Menschen, die verstorben sind. Oder wir nehmen Teil an der Trauer anderer. Keine große Zahl verschlingt das persönliche Schicksal. Der Einzelne zählt – sein Leben, sein Sterben, sein Verlust.

Und unsere Trauer.

In der Kirche ist dies alles gut aufgehoben. Bei Gott, dem Ewigen, den wir nicht fassen können, und von dem wir nur wissen, dass wir unsere Hoffnung durch ihn haben.

Predigttext am Sonntag, 23. November 2014 ist 2.Petrus 3, 3-13.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Vergänglichkeit – das November-Gefühl

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November-Gefühl (Foto: Treiber)

Alles hat ein Ende, nichts bleibt. Ein melancholischer Gedanke aus der Bibel, der ganz gut zu dem Empfinden vieler Menschen passt – nicht nur im November. Vergänglichkeit stellt unser ganzes Leben in Frage.

Oder ermöglicht Vergänglichkeit unserem Leben nicht erst Sinn? So kann man das ja auch sehen. Zum Glück ist nichts ewig – kein Fehler, keine Beeinträchtigung. Nichts, was sich falsch anfühlt, muss so bleiben.

Und dann kann man Vergänglichkeit ja auch als Ansporn verstehen, endlich in der Gegenwart zu leben. Unsere Tage sind begrenzt. Hier und heute gilt es das Richtige zu tun.

Predigttext am Sonntag, 16. November 2014, ist 2. Korinther 5, 1-10.

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Der Weltuntergang kann uns egal sein

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(Foto: Treiber)

Ich (geb. 1959) bin mit Weltuntergangspropheten groß geworden: Atomkrieg und Atomkraft, Waldsterben und Lebensmittelchemie, das Internet und eine neue Eiszeit – was ist uns nicht alles als Untergang prophezeit worden? Doch die Welt gibt es immer noch und ernsthaft wird niemand behaupten können, dass früher alles besser war.

Wann die Welt untergeht kann uns schlichtweg egal sein, es ist nicht nötig, darüber nachzudenken, heißt es im Bibeltext des kommenden Sonntags. Wir sollen heute leben, heute das Richtige tun, heute lieben – als Kinder des Lichtes, das Gott über die Welt scheinen lässt.

Predigttext am Sonntag, 9. November 2014 ist 1.Thessalonicher 5, 1-11.

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Keine Angst vor Fehlern!

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Cranachs Luther (wikicommons/gemeinfrei)

Wir sind etwas wert, weil wir sind, – und nicht, weil wir es uns erarbeitet haben. So etwa ließe sich einer der Grundgedanken der Reformation heute formulieren. Gott liebt uns, weil er uns geschaffen hat. Unsere Würde bekommen wir nicht von anderen zugebilligt, sondern die haben wir immer.

Wir können sie sogar nicht einmal selbst verspielen. Selbst der größte Sünder kann auf Vergebung hoffen. Und ganz gewiss nicht deshalb, weil er es verdient hat.

Klingt das alles ziemlich fern? Wohl nur so lange, bis es für uns konkret wird. Die Fehler in unserem Leben werden wir kaum nur an einer Hand abzählen können. Glücklich, wer sie sich vergeben kann. Und – so könnte Luther sagen – glücklich auch, wer keine Angst hat, neue zu machen.

Predigttext am Reformationstag ist Philipperbrief 2, 12-18

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Kinder nicht an den Eltern messen

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KZ Natzweiler-Struthof – Kinder haften für ihre Väter. Aber sie können anders sein. (Foto: Treiber)

Rächen sich die Untaten der Väter tatsächlich noch an den Kindeskindern? Was häufig als Drohung eines unmenschlichen Gottes verstanden wird, ist in Wirklichkeit eine Erfahrung, die sich nur zu häufig machen lässt. Kinder kommen nur schwer los von den Fesseln und Bestimmungen, die ihnen ihre Herkunft zumutet. Das weiß jeder.

In der Bibel heißt es nun, dass Gott vergibt und gnädig ist – auf das Leben übertragen: Dass niemand in seiner Vergangenheit gefangen bleiben muss. Jeder hat das Recht, nach seinem eigenen Glück zu streben. Das ist die Würde des Menschen.

Und niemand hindert uns daran, anderen dies zuzugestehen: Man soll die Kinder nicht nach den Vätern beurteilen.

Predigttext am Sonntag, 26. Oktober 2014 ist 2. Mose 34, 4-10.

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Fünf gerade sein lassen

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(Foto: wikicommons/lizenzfrei)

Weltflucht ist keine christliche Tugend, weder der Rückzug aus der Welt, noch der fanatische Kampf gegen sie. Gerade religiöser Fanatismus ist in der Regel nichts anderes als pure Ignoranz, und wer als Christ leben will, muss die Menschen zunächst verstehen wollen und ihnen dann in Liebe begegnen.

Wenn sich der Predigttext des kommenden Sonntags also gegen das Wein-Saufen richtet, können wir Unterländer beruhigt sein. Es geht nicht gegen Genuss und Gemütlichkeit, sondern dagegen, sich in Besinnungs- und Gedankenlosigkeit zu flüchten.

Wir sollen hier und heute leben, den anderen sein und eine fünf auch mal gerade sein lassen, und wenn wir das mit einem Achtel Lemberger in der Hand tun, ist das OK, ein Becher Kaffee oder ein Glas Cola dürfen’s aber auch sein.

Predigttext am Sonntag, 19. Oktober 2014, ist Epheserbrief 5, 15-21.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sanftmut erfordert Mut

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Jesus als Vorbild an Sanftmut – Gemälde von Bernhard Plockhorst (wikicommons/gemeinfrei)

Wie Demut ist auch Sanftmut tatsächlich eine Form von Mut. Wer auf harte Begegnungen mit anderen nicht mit Härte reagiert, sondern sanft, zurückhaltend und gelassen, muss schon alle seine Kräfte zusammennehmen, um den inneren Schweinehund zu überwinden, der sagt: Zahl Gleiches mit Gleichem heim.

Wer schon mal einen so richtig bösen Streit hatte, mit dem Nachbarn, der einem das Leben schwer macht, oder dem ehemaligen Freund, der unbelehrbar in alten Wunden stochert, der weiß, wie viel Kraft es kostet, so etwas wegzustecken und dem anderen nur aus dem Weg zu gehen ohne beweisen zu wollen, dass man recht hat.

Aber Sanftmut ist zum Glück ein Mut, der uns zuwächst, wenn wir glauben können, dass wir geliebt sind – nicht von unserem Nachbarn, aber von Menschen, die uns viel wichtiger sind, und von Gott, dessen Geist sich in unserer Sanftmut zeigt.

Predigttext am Sonntag, 12. Oktober 2014 ist Epheserbrief 4, 1-6.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Ich denke, als danke ich

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Rene Descartes (Bild: wikipedia/gemeinfrei)

Von dem Philosophen Rene Descartes gibt es einen schönen Gottesbeweis. Der lautet in etwas freier Formulierung: Ich kann alles bezweifeln, was ich sehe, bis auf eines: Dass ich es bin, der zweifelt. Damit ist eines ganze sicher: Ich existiere. („Ich denke, also bin ich.“)

Aber ich bin nicht alleine. Denn eines weiß ich auch unbezweifelbar: Dass ich mich nicht selbst geschaffen habe. Also muss es jemanden oder etwas geben, das mich geschaffen hat, und das ist Gott.

Überzeugt Sie das? Falls nicht, ist doch eines richtig: Wir verdanken unsere Existenz nicht uns selbst. Und daran erinnern wir uns, wenn wir am Sonntag Erntedank feiern.

Eine Konsequenz hat das auch noch: Wer weiß, dass er nicht alles sich selbst verdankt, schon gar nicht die eigene Existenz, wird den Mitmenschen weniger selbstherrlich begegnen: „Tut Gutes und teilt mit anderen!“ heißt das im Predigttext am Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 5. Oktober 2014 ist Hebräerbrief 13, Verse 15+16.

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