Lieber frei sein als ein Zombie

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Wie im Paradies…. ? (Foto: wikicommons/maxiking100)

Freiheit ist toll, wenn da bloß nicht die Verantwortung wäre. Der Mythos von Adam und Eva im Paradies erzählt das sehr anschaulich und mancher mag seufzen: Wie schön wäre es doch, in einem Paradies zu leben, wo man nichts entscheiden und tun und verantworten muss, sondern in den Tag hinein lebt wie unsere Katze, die wohl drei Viertel des Tages schläft!

Wirklich? Ich fände den Gedanken furchtbar, wie ein Zombie durch die Welt zu stiefeln, ohne Bewusstsein, ohne Möglichkeiten, ohne Freiheit. Ich möchte selbst bestimmen, was ich denke, wen ich mag und was ich tue. Das ist anstrengend, dabei kann man Fehler machen und es bleibt immer unvollendet. Aber es ist menschlich.

Gott hat sich damit arrangiert, dass seine Menschen nun jenseits von Eden leben. Und er lässt uns auch hier nicht alleine.

Predigttext am Sonntag, 28. September 2014 ist 1.Mose 2, 4b-15.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Mahnungen nerven

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(Abb.: wikicommons/Bundesministerium für Verkehr)

Ermahnungen nerven: Hilf anderen! Du musst Geduld haben! Tu Gutes! Sei dankbar! Ich denke, nicht nur Jugendliche sind genervt, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen. Auch älteren kann das auf den Geist gehen.

Warum eigentlich? Natürlich zum einen, weil sich da jemand über uns erhebt, wenn er uns sagt, was wir tun sollen. Aber meist steckt noch etwas anderes dahinter: Wir wissen, dass die Ermahnungen richtig sind. Deshalb nerven sie, weil sie entweder etwas Selbstverständliches sagen oder uns darauf aufmerksam machen, dass wir eben doch anders handeln, als es richtig wäre.

Was tun? Sich nicht nerven lassen, sondern sich vielleicht einfach nur ganz im stillen, innersten Stübchen darauf besinnen, was andere von uns zu Recht erwarten dürfen (und was vielleicht auch nicht….).

Predigttext am Sonntag, 21. September 2014 ist 1.Thessalonicher 5, 14-24.

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Manchmal muss man bei Differenzen Distanz halten

Manchmal gibt es einfach Krach zwischen Menschen, manche passen nicht zusammen und bevor der Streit zu groß wird, sollte man ehrlich die Konsequenzen ziehen und auf Distanz gehen. Die ersten Christen haben das getan, als es in der Gemeinde einen grundsätzlichen Streit zwischen den Mitgliedern aus der römisch-griechischen und aus der hebräischen Kultur gab, wie der Predigttext am kommenden Sonntag erzählt.

Man sollte Differenzen nicht unter den Teppich kehren. Das gilt zwischen einzelnen Menschen und es gilt vielleicht auch, wenn verschiedene Kulturen miteinander auskommen müssen. Zustimmung zur eigenen Position kann man nicht erwarten, aber Respekt darf man fordern – zur Not auch für getrennte Wege.

Predigttext am Sonntag, 14. September 2014, ist Apostelgeschichte 6, 1-7

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Man kann nur das Fundament legen

Kann man seine Kinder im wörtlichen Sinne erziehen? Also beim Größerwerden da- und dorthin ziehen, wie man es für richtig hält? Ich denke nicht. Man kann bei seinen Kindern einen guten Grund legen. Vertrauen, Liebe, Mut. Aber darauf bauen müssen die Kinder selbst, müssen ihr Leben entwickeln, gestalten und aufbauen. Und für Eltern ist es ziemlich anstrengend, dabei oft nur Zuschauer sein zu können. Aber manche Fehler im Leben muss offenbar jeder selber machen….

Das gilt auch für das Leben Erwachsener, auch da muss jeder selbst bauen. Das gilt sogar für den Glauben. Jeder muss sehen, wie er den Glauben in seinem Leben aufbaut und in sein Leben einbaut. So heißt es auch im Predigttext für den kommenden Sonntag. Glauben heißt nämlich nicht, dass man irgend einen Lehrsatz für wahr hält, sondern dass man spürt, dass das eigene Leben gehalten ist und auf einem tragfähigen Grund steht. 

Und ob wir dann, wie der Apostel Paulus schreibt, darauf dauerhaft und wertvoll bauen, oder wackelig und billig, das ist unsere Freiheit und unsere Verantwortung.

Predigttext am Sonntag, 7. September 2014, ist 1.Korinther 3, 9-15

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Es gibt keine Heiligen

Manche Menschen werden wie Heilige verehrt. Nicht nur alte Kirchenväter, mutige Widerstandskämpfer und angehimmelte Kirchentagsrednerinnen, sondern auch Popstars, die für Afrika zur Gitarre greifen, oder Politiker, die ihr Charisma versprühen. Und keiner von uns ist dagegen gefeit, hier mitzujubeln. 

Doch es gibt keine Heiligen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass jemand über alle Zweifel erhaben sein könnte. Jeder Mensch hat seine Schattenseiten. Und es gibt auch keine Taten, die nur gut sind. Manches ist nur Selbstdarstellung, manches klingt nur gut und alles hat seinen Preis. Wir Protestanten haben es deshalb aus gutem Grunde abgelehnt, zwischen „heiligen“ und unheiligen Menschen zu unterscheiden. Wir sind allzumal Sünder! 

Dass jeder seine dunklen Seiten hat, zeigt die Geschichte, die im Mittelpunkt der Gottesdienste am Sonntag steht. Der König David sieht sich mit Mord und Ehebruch konfrontiert, die er begangen hat. Was sagt das: Dass wir nicht auf andere schauen sollen, sondern auf unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten. 

Wir sind nicht König David – und wenn man an die biblische Geschichte vom Sonntag denkt, wird man sagen: Gott sei dank nicht.

Predigttext am Sonntag, 31. August 2014 ist 2.Samuel 12

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Man muss für alles im Leben bezahlen

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Saloon in Los Angeles (Foto: Treiber)

Seit meiner Kindheit klingt mir der Satz der Bardame Helen Ramirez aus dem Filmklassiker High Noon in den Ohren: „Man muss für alles im Leben bezahlen.“ Warum ich mir das als Kind gemerkt habe, weiß ich nicht, aber mit zunehmender Lebenserfahrung ist das jedenfalls eine zentrale Erkenntnis: Man ist verantwortlich für sein Leben und jedes Tun hat seinen Preis, sprich Folgen, die man tragen muss.

Muss das ein Fluch sein? Wenn man Gutes tut gewiss nicht. Aber wer tut schon immer Gutes? Deshalb ist der zentrale Satz des Predigttextes für kommenden Sonntag eine gute Lebenseinstellung: Nicht auf die eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, sondern auf Gottes Barmherzigkeit.

Kein Mensch kann leben, ohne dass andere gnädig ihm gegenüber sind.

Predigttext am Sonntag, 24. August 2014 ist Daniel 9, 15-19

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Das Ende ist nahe ! – darum lebe heute!

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(Foto: privat)

Steve Jobs, der charismatische CEO der Computerfirma Apple, hat angesichts seiner eigenen, später tödlichen Krebserkrankung, bemerkenswerte Gedanken über das Leben und den Tod geäußert. Er sagte: „Fast alles, anderer Leute Erwartungen, Stolz, Versagensangst, wird im Angesicht des Todes unwichtig. Es bleibt nur, was wirklich wichtig ist.“ Und riet seinen Zuhörern deswegen: „Eure Zeit ist begrenzt, also vergeudet sie nicht, indem ihr ein fremdbestimmtes Leben führt. Habt Mut, eurem Herzen und eurer Intuition zu folgen.“

Darum geht es auch in der Predigt am kommenden Sonntag: Das Ende der Welt ist nahe! verkündet die Bibel. Aber daraus folgt nun gerade nicht Schockstarre, sondern im Gegenteil: Ein Leben, das heute gelebt wird und und gut und richtig sein will, denn morgen ist es vielleicht schon zu spät.

Predigttext am Sonntag, 17. August 2014, ist 1.Petrusbrief 4, 7-11

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Vom Teufel geritten

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Wer weiß, dass er fehlbar ist, kann auch anderen Fehler vergeben. (Foto: (c) iStock)

Hat Sie auch schon mal der Teufel geritten? Das meint ja, dass man etwas getan hat, das gefährlich oder unüberlegt war. Jedenfalls war man offenbar völlig daneben, als man es getan hat, nicht Herr seiner Handlungen. Man tut eben manchmal Dinge, die man eigentlich gar nicht tun möchte.

Die Redewendung geht wohl auf Martin Luther zurück, für den der Mensch entweder von Gott oder vom Teufel geritten wird. Zwar sind wir frei in unserem Willen, aber was wir dann tatsächlich tun, folgt oft nicht unserem Wollen oder Verstand, sondern unbewussten Trieben und sachfremden Antrieben. Das ist einfach so.

Und wie könnte man Luther verstehen? Ich denke: Wer vom Teufel geritten wird, denkt, dass nur er recht hat und nur er das Richtige will oder tut. Wer Gott als seinen Reiter sieht, der weiß dagegen, dass er die Wahrheit nicht gepachtet hat und nie alles überblickt. Er sieht, dass er nicht immer das Richtige tut, und deshalb Gottes Gebote ebenso braucht wie seine Vergebung. Und Verständnis und Respekt den Mitmenschen gegenüber sowieso.

Predigttext am Sonntag, 10. August 2014 ist Römerbrief 6, 19-23.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Manna kommt vom Himmel

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Manche vermuten hinter dem biblischen Manna eine Art Honigtua, wie sie Ameisen von Blattläusen melken. (Foto: „Melkende ameise honigtau1“ von böhringer friedrich – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 über Wikimedia Commons)

Kennen Sie das: Manchmal ist alles wie festgefahren. Nichts lohnt mehr. Wir treten auf der Stelle und kapieren: Wir müssen raus aus diesem Trott. Neue Wege gehen. Auch wenn es unsicher ist, wohin sie führen. Aber besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Und wenn man dann ins neue Land aufgebrochen ist und erste Probleme sichtbar werden – auf der neuen Stelle, mit dem neuen Partner, den neuen Lebenszielen -, dann kommen die Zweifel: War es früher nicht doch besser. Lieber gefangen im Alten als unsicheren Schrittes in der Freiheit. Lieber Sklave, der zu essen hat, als freier Mensch in der Wüste. Dem Volk Israel ging es so nach der Befreiung aus der Sklaverei. Kaum entkommen sehnten sich manche schon nach dem Fleischtöpfen Ägyptens zurück.

Am Sonntag wird erzählt, was zweifelnden Menschen dann vor die Füße fällt: Manna – Nahrung von Gott, die Kraft gibt, die man aber nicht aufbewahren kann, sondern jeden Tag neu geschenkt bekommt.

So ist das richtige Leben: frei – und jeden Tag eine neue Freude und eine neue Herausforderung, bei der Gott uns beisteht.

Predigttext am Sonntag, 3. August 2014 ist 2.Mose 16, 2+3+11-18.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Glaube ist vernünftig – und Fanatismus ist Unglaube

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„Kant Kaliningrad“ by photo taken by myself – Self-photographed. Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 via Wikimedia Commons (by Andreas Toerl)

Bosheit und Neid ablegen! lautet die Devise des Predigttextes für den kommenden Sonntag – und nach Vernunft streben. Das finde ich das wichtigste an diesem Gedanken.

Wer wirklich, also im Herzen, glaubt, ist vernünftig. All die religiösen Fanatiker, die Absurditäten verbreiten oder gar anderen den Kopf abschneiden wegen des Glaubens sind verachtenswerte, bösartige und ungläubige Gestalten. So muss man wohl den Bibeltext verstehen.

Wahrhaft Glaubende erkennt man nicht an ihrem Fanatismus, sondern daran, dass sie vernünftig sind und anderen Menschen gut.

Predigttext am Sonntag, 27. Juli 2014 ist 1.Petrusbrief 2, 1-10

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