Heilt die Zeit alle Wunden?

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Leid vor 100 Jahren – Denkmal für die Opfer der Schlacht um Verdun (Foto: Treiber)

Dass die Zeit alle Wunden heilt, ist ein Märchen. Narben bleiben immer, das sagt uns die Lebenserfahrung. Aber diese Narben haben uns zu denen gemacht, die wir sind. Das war manchmal schmerzhaft, manchmal hat es uns aber auch so weitergebracht, dass wir die Schmerzen von früher vergessen. Wären wir wirklich mit unserer ersten großen Liebe, aus der damals nichts wurde, glücklich geworden? Hätten wir den Erfolg der erträumten Stelle in der Firma genießen können, oder wären wir noch mehr in der beruflichen Mühle drin als heute schon? Und so schrecklich die Tage voller Ungewissheit damals im Krankenhaus waren, sind wir dadurch nicht um Vieles reifer geworden? Ist unser Leben dadurch vielleicht sogar vertieft und verbessert worden?

Leid bedrängt und macht einen fertig, die alltäglichen Nöte ebenso wie die Schicksalsschläge, die uns mit voller Wucht treffen. Dass uns das vielleicht sogar weiterbringt, können wir in solchen Situationen nicht glauben.

Deshalb ist die wichtigste Erfahrung zunächst vielleicht diejenige, dass man Leid überstehen kann, dass Gott treu ist, wie es im Bibeltext des Sonntags heißt, und dass am Horizont die Verheißung steht, dass am Ende Licht steht, nicht Finsternis.

Predigttext am 30. März 2014 ist Jesaja 54, 7-10.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Wellness? Ein Engel ist mir lieber.

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Ohne Menschen ist auch das schönste Wellnesshotel nichts. (Foto: Treiber)

Manchmal brauchen wir Engel, brauchen wir Hilfe, die nicht zu erwarten und nicht zu fordern ist. Dann, wenn wir rastlos sind, wenn unsere Kraft zu schwach ist und Hoffnung und Vertrauen schwinden.

Das geschieht nicht nur, wenn wir verloren haben. Der Prophet Elia steht für einen Mann, der gewonnen hat. Und doch ist er fertig und „kann nicht mehr“, wie er selber sagt.

Viele von uns kennen das Gefühl der Erschöpfung, das sich einstellt, gerade wenn wir auf der Erfolgsspur sind, wenn es mit den Kindern, der Familie, dem Beruf und der Gesundheit eigentlich ganz gut geht. Es gibt keinen Grund zu verzagen, und doch spüren wir die Erschöpfung durch zu viele Lasten.

Ob wir im Wellnesshotel Entspannung finden? Können wir das überhaupt selbst machen, Entspannen? Oder ist das nicht wieder nur neuer Stress? Besser, wenn andere uns dann in den Arm nehmen und so Kraft gewinnen lassen – Engel eben.

Predigttext am Sonntag, 23. März 2014 ist 1.Könige 19, 1-8.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

 

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Glauben ist Vertrauen – nicht mehr und nicht weniger

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Vertrauen haben wie Kinder, vielleicht liegt darin das Geheimnis erfüllten Lebens. (Foto: iStock)

Der britische Schriftsteller G. K. Chesterton („Pater Brown“) hat angeblich gesagt: „Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.“ Tatsächlich gibt es heute viele Themen, die eher geglaubt als gewusst werden. Das gilt für manche Therapien ebenso wie für Zukunftsprognosen und politische Zusammenhänge. Schnell hat man eine Meinung, ohne eine Ahnung davon zu haben.

Glaube hat aber nichts mit Meinungen darüber zu tun, was richtig ist. Glaube ist auch nicht das Für-Wahr-Halten von Dingen, die dem Verstand widersprechen. Glaube ist etwas ganz anderes, als uns die (deutsche) Umgangssprache sagt. In der Bibel ist Glaube gleich Vertrauen – nicht mehr und nicht weniger, es ist derselbe griechische Begriff.

Glaube ist Vertrauen, ist „die Zuversicht auf das, was man hofft.“ wie es am kommenden Sonntag in der Predigt heißt. Wir hoffen, dass unser Leben nicht sinnlos ist, dass es gehalten wird und dass in unserer Liebe die Erfüllung liegt. Wir hoffen, dass andere für uns da sind und dass wir es doch irgendwie im Leben recht machen. Glaube ist, darauf zu vertrauen, dass wir damit dem Ewigen nahe sind.

Predigttext am Sonntag, 16. März ist Hebräer 11, 1-3.8-10.

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Vergebung führt zur Gelassenheit

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Wie Hubschrauber kreisen manche Eltern über dem Wohlergehen ihrer Kinder. (Foto: wikipedia commonfree / Nachoman-au)

Man kann nicht leben, ohne Fehler zu machen, ohne Erwartungen zu enttäuschen, ohne falsche Entscheidungen zu treffen, ohne anderen einmal weh zu tun. Das weiß jeder, und wer dies leugnet, begeht wohl den größten Fehler, indem er sich vor der Verantwortung drücken will.

Viele allerdings tun nun gerade das Gegenteil, sie fühlen sich für alles verantwortlich und setzen sich unter Druck, weil sie alles richtig machen wollen. In der Erziehung zum Beispiel. Man will keine Fehler bei der Erziehung machen und macht dafür einen Staatsakt aus dem Wunsch der Tochter nach einem Handy oder dem Wunsch des kleinen Jungen nach einer Süßigkeit. Und nicht nur in der Schule, sondern neuerdings auch an der Uni bedrängen Eltern die Lehrenden mit ihren Forderungen nach dem Besten für das Kind. „Helikopter-Eltern“ nennt man das, und die Eltern meinen es wirklich nur gut. Es geht ihnen nämlich nicht um Macht, sondern um ihre Kinder.

Dennoch muss das Motto: „Gelassen bleiben!“ heißen. Wir sind zwar verantwortlich für das, was wir tun, aber wir sind dabei nicht allein, sondern Gott hält uns auch dann, auch bei unseren Fehlern. Vergebung nennt man das – und wer um sein Versagen weiß, wird diese Gnade Gottes annehmen können.

Predigttext am Sonntag, 9. März 2014, ist Jakobus 1, 12-18.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Sieben Wochen keine Heuchelei

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Jenny Holzers Postkarte als Fastenspiegel
(Foto: Treiber)

Alice Schwarzer, Franz-Peter Tebartz-van Elst und – wer kommt als nächstes? Wir Menschen haben ein gutes Gespür dafür, wenn Reden und Handeln nicht übereinstimmen, wenn frommes Geschwätz und moralisierende Besserwisserei im Widerspruch zu eigenen Taten stehen.

Diese Falschheit und Heuchelei haben erstmals die biblischen Propheten in großen Stil kritisiert. Vor allem das Fasten geriet in die Kritik, doch damals wie heute gilt: Ein Veggy-Day mag gesund sein, aber er macht aus uns noch keine guten Menschen und bringt uns Gott kein Stück näher.

Fasten heißt in unserer moralisierenden Gesellschaft vielleicht eher: Nicht auf die anderen schauen, sondern auf sich selbst. Verzicht auf manche Selbstverständlichkeiten kann dabei eine Hilfe sein. Sieben Wochen ohne heißt das kirchliche Motto – wie wäre es in diesem Jahr einfach mal sieben Wochen lang zu ignorieren, wenn die Medien mal wieder einen Prominenten ins Visier genommen haben?

Predigttext am Sonntag, 2. März 2014, ist Jesaja 58, 1-9a.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Vorurteile sind dumm

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Ganz klar: der Deutsche ist ein Oberlehrer. Oder ist das nur ein Vorurteil? (Foto: wikicommons/gemeinfrei)

Bayer, Franzose, Amerikaner – haben Sie auch bei jedem dieser Begriffe ein bestimmtes Bild vor Augen? Ein konservativer Bauer, ein charmanter Lebemann, ein – na ja, was die Antiamerikaner sich bei uns halt so vorstellen.

Vorurteile sind dumm! Nicht nur, weil sie in der Regel nur zu zehn Prozent stimmen, sondern vor allem auch, weil sie uns geistig ärmer machen. Wer andere nicht unbefangen wahrnehmen kann, wer seine eigenen Vorstellungen zu Maßstab für andere macht, bringt sich selbst um die tolle Möglichkeit, Menschen in all ihrer Vielfalt als Reichtum zu erleben und sich von ihnen inspirieren zu lassen.

Man muss nicht alles gut finden, was andere tun. Aber jeder hat es verdient, nicht auf Vorurteile festgelegt zu sein, sondern an seinen eigenen Taten gemessen und als Gottes Kind angesehen zu werden.

In der Bibel lernt Paulus diese Lektion, als er in den Westen kommt, nach Europa. Die erste Person, die er tauft, ist eine nicht-jüdische Frau, also jemand, gegen den er die meisten Vorurteile gehabt haben dürfte.

Predigttext am Sonntag, 23. Februar 2014, ist Apostelgeschichte 16, 9-15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Gerechtigkeit wäre ein falscher Maßstab für gelingendes Leben

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Foto: iStock

Ein gutes Leben kann man sich nicht einklagen. Noch schlimmer: Das Leben ist ungerecht. Die Frage warum das so ist, ist ebenso müßig, wie es sinnlos ist, dies dem vorzuwerfen, der uns geschaffen hat.

Positiv gesagt: Unser Leben misst sich nicht an einem absoluten Maßstab, wie es am besten und gelungensten wäre, sondern wir sollen aus unseren Möglichkeiten Gutes machen, das Beste, das geht.

Gnade ist es dann, wenn Gott dabei mit uns ist und uns nicht dem Urteil anderer ausliefert. Jeder zählt und jeder hat seine Möglichkeiten.

Predigttext am Sonntag, 16. Februar 2014 ist Römerbrief 9, 14-24

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche, Heilbronn-Sontheim.

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Hoffnungen sind nicht immer trügerisch

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Täuschungen sind oft eine Frage der Perspektive (Foto: WTW B.A.C.H WTW 13 Hayley Foster 062)

Sind unsere Hoffnungen nicht manchmal trügerisch, vielleicht sogar falsch, da wider alle Wahrscheinlichkeit? Und ist, wer anderen trotzdem Hoffnung macht, dann ein Lügner?

Das lässt sich nur an den Folgen beurteilen. Wer anderen falsche Hoffnungen macht, über eine mögliche Liebesbeziehung zum Beispiel, ist ein Betrüger, denn diese Hoffnung wird verletzen. Anders, wenn Hoffnung Kraft gibt. In schwerer Krankheit, vor schweren Prüfungen oder nach schweren Enttäuschungen, da kann Hoffnung das Leben leichter machen, weil sie uns sagt: Du kennst die Zukunft nicht! Die kennt nur Gott, der sie uns schenkt.

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2014, ist 2.Petrusbrief 1, 16-21.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Warten können

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Noah schickt eine Taube aus
Mosaik in der Basilika San Marco in Venedig
(Abb. wikipedia/commons – gemeinfrei)

Warten können fällt manchmal furchtbar schwer. Und wer könnte das dem verdenken, der auf die Rückgabe der wichtigen Klausur wartet oder auf den Befund vom Arzt. Glücklich, wer warten kann und dabei auch noch cool bleiben, wer gelassen ist und und voller Gottvertrauen nichts herbei zwingen möchte.

Im Mythos der Sintflut lässt Noah von der Arche aus eine Taube los, um trockenes Land zu finden. Nach 40 Tagen erst! Sie kommt zurück, weil es noch keines gibt. Noah wartet dann nochmal sieben Tage, voller Zuversicht. Das möchte ich auch können.

Doch auch für uns notorisch Ungeduldige hat der Predigttext für nächsten Sonntag einen Tipp: Wenn man schon nicht warten kann, kann man sich wenigstens bewusst entscheiden – zwischen Sorgen oder Vertrauen, zwischen Aufgeben und Weitermachen. Noah hat weitergemacht und nach weiteren sieben Tage noch einmal eine Taube losgeschickt. Die fand trockenes Land.

Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2014 ist 1.Mose 8, 1-12

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Freiheit sieht anders aus

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Auch ein römischer Offizier kann Christ sein. (Abbildung in Rom / Foto: privat)

Eingeklemmt zwischen den Erwartungen anderer und den Traditionen, die man verinnerlicht hat, auch zwischen all den Ansprüchen und Verpflichtungen und Selbstverständlichkeiten, die einen bestimmen? Freiheit sieht anders aus!

Manchmal muss man seinen ganzen Mut zusammennehmen, und Grenzen überschreiten. Manchmal muss man einfach wagen, selbst zu denken. Manchmal muss man mehr auf die Stimme Gottes in sich hören als auf die der Menschen um einen herum.

Die Geschichte von Petrus, der einen römischen Offizier tauft und damit alle Gewissheiten auf den Kopf stellt, erzählt beispielhaft, was Glaube wirklich bedeutet: Frei zu werden für Liebe und Leben.

Predigttext am Sonntag, 26. Januar 2014 ist Apostelgeschichte 10, 21-35.

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