10-07-2020 – A Hard Day’s Night

„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nun kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen“, donnerte Walter Ulbricht 1965 auf dem XI. Plenum des ZK der SED und verbot westliche Beatmusik.

Was war eigentlich so gefährlich an den Beatles, deren Album A Hard Days Night am 10. Juli 1964 veröffentlicht wurde und das der Soundtrack zum Film „Yeah-Yeah-Yeah“ war Schon vorher hatte es ja Jugendkultur gegeben, die die Erwachsenen nicht verstanden. Elvis Presley zum Beispiel. Aber die Beatles hatten dem noch eins drauf gesetzt. Die konnten den ganzen Kult, der um sie gemacht wurde, ironisch sehen und auf die Schippe nehmen. Einfach witzig sein, Verbohrtheit durch Parodie entlarven und sich selbst nicht zu ernst nehmen – das können wir heute noch von den Beatles lernen, Jahrzehnte nach „Yeah-yeah-yeah“, über das sich nicht nur die Sozialisten damals so sehr aufregten.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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09-07-2020 – Narnia und Mittelerde

Georgie Henley feiert heute ihren 25. Geburtstag. Bekannt wurde die britische Schauspielerin durch die Filmreihe „Die Chroniken von Narnia“. Erzählt werden darin die Abenteuer von hiesigen Kindern, die in die Entwicklung der Parallelwelt Narnia geraten.

Die Bücher und die Verfilmungen sind stark von christlichen Motiven geprägt. Der Autor C.S.Lewis war eigentlich Atheist. Sein Freund J.R.R.Tolkien aber, der Autor von „Der Herr der Ringe“, war überzeugter Christ und brachte Lewis dazu, sich zum Glauben zu bekehren. Später gab es dann Krach zwischen den beiden. Tolkien fand die christlichen Anspielungen in den Chroniken von Narnia zu plump. 

Doch egal, ob plump oder subtil: Beiden Romanreihen zeigen jedenfalls, wie sehr unsere Kultur bis heute auf christlichen Motiven basiert. Vor allem die Suche nach Erlösung, bei der man von Propheten begleitet wird, aber doch selbst einen Weg finden muss. Oder auch den Gedanken einer Nächstenliebe, die sich dauernd im Konflikt mit dem Bösen bewähren muss. So ist das Leben, sagt der christliche Glaube. Und Geschichten wie die aus Mittelerde und aus Narnia beschreiben es.

Gott behüte Sie!

wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Matthias Treiber

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08-07-2020 – Kilian aus der Provinz

Heute am 8. Juli, ist der Kilianstag. Er erinnert an den Namensgeber unserer größten Kirche in Heilbronn. Kilian hat das Christentum in unsere Gegend gebracht. Natürlich hatte es schon vorher in den römischen Gebieten Christen gegeben, aber mit den römischen Städten war auch der christliche Glaube verschwunden. Um 686 kamen dann aus Irland Mönche wie Kilian nach Mitteleuropa und verkündeten die christliche Botschaft. 

Das Erstaunlich an der Geschichte ist für mich, dass das Christentum vom äußersten Ende Europas zu uns kam. Wir denken ja immer, die Wahrheit ereignet sich in den Zentren – auch heute. Aber dort, in Berlin und Hamburg, München und Köln sind bloß die Regierungen und Medien. Besser denken und vor allem tiefer glauben kann man vielleicht eher außerhalb der Machtzentren, fern von der Macht.

So, wie in meiner kleinen Provinzhauptstadt Heilbronn mit ihrer Kilianskirche.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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07-07-2020 – Terror in London

Vor genau 15 Jahren, am 7. Juli 2005 fanden in London die schlimmsten Terroranschläge in der Geschichte Großbritanniens statt. 52 Menschen wurden von Islamisten ermordet und über 700 zum Teil schwer verletzt. Im Hyde Park erinnert eine berührende Gedenkstätte an die Opfer.

Eines davon war Jenny Nicholson, 24 Jahre alt. Ihr Mutter war Pfarrerin in Bristol. Sie trauerte, war zornig und spürte, dass sie den Attentätern nicht vergeben kann. Was sie als Pastorin predigte, konnte sie selbst nicht tun: Mördern vergeben. Sie legte ihr Amt nieder.

Ich finde das konsequent, würde es aber nicht tun. Mördern nicht vergeben zu können, ist zutiefst menschlich, und auch richtig: Denn man kann nicht etwas vergeben, was einer Dritten, in dem Fall der Tochter, angetan wurde. Manche Taten kann vielleicht Gott vergeben. Aber wenn Gott tatsächlich sogar Mördern vergeben kann, wird er Menschen wie Julie Nicholson hundertmal vergeben.

Gott sei uns gnädig – und bewahre uns vor allem religiösen Terror.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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06-07-2020 – Impfen gegen Tollwut

Es ist wirklich eine der übelsten Virus-Infektionen. Tollwut. Sie verläuft praktisch immer tödlich. Jährlich sterben etwa 60.000 Menschen daran. Es wären 400.000, wenn es keinen Impfstoff gäbe. Den hat Louis Pasteur am 6. Juli 1885 erstmals angewandt. Ein Junge war zwei Tage zuvor  gebissen worden. Er überlebte als erster Mensch überhaupt und wurde komplett gesund. Die in diesem Fall nachträgliche Impfung wirkte.

Jetzt hoffen wir wieder auf einen Impfstoff – gegen das Covid19-Virus. Forscher arbeiten daran. Und es ist genial, was da geleistet wird. Ich bin vor allem auch den Menschen dankbar, die sich für Impfstoffe als Testpersonen zur Verfügung stellen. Das verlangt ja auch bei aller Sichtet heute, Mut.Das ist wirklich Nächstenliebe, wie Jesus gesagt hat: Was ihr für meine „geringsten Brüder“, also für die Kranken zum Beispiel, tut, das tut ihr für mich.“

Bleiben Sie hoffnungsfroh: Der Impfstoff wird kommen.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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04-07-2020 – Independence Day

Heute ist Independence Day und die Amerikaner werden in diesem Jahr ihre Unabhängigkeitserklärung wohl mit gemischten Gefühlen feiern. Die würde übrigens von Anfang an auch auf deutsch verbreitet: Im Pennsylvanische Staatsbote lautete das: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“

Erstmals wurden hier allgemeine Menschenrechte proklamiert. Erstmals wurde gesagt, dass Regierungen von ihren Bürgern legitimiert sein müssen. Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte nach der französischen Revolution und weltweit 1948 beruht ebenso darauf wie unser Grundgesetz.

Alle Menschen haben ein Recht auf Leben, haben von Natur aus Freiheit und dürfen selbst das bestimmen, was sie als Glück in ihrem Leben ansehen.

Jetzt habe ich das falsch zitiert. Denn es heißt eben nicht „von Natur aus“, sondern „von ihrem Schöpfer“. Damit ist natürlich nicht nur Gott nach christlichem Verständnis gemeint, aber man spürt was dahinter steht: Gott will, dass wir Menschen frei sind und leben und gut leben – jeder von uns. Und dafür sollen wir sorgen.

Für mich als Christ ist das, wie es in der Unabhängigkeitserklärung heißt, selbstverständlich. 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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03-07-2020 – Bob Dylan

 

Bob Dylan hat mit 79 Jahren wieder ein neues Album mit eigenen Liedern herausgebracht. Wer die Texte alle versteht und erklären kann, soll es hier posten oder mir mailen. Ich kann das jedenfalls nicht. 

Ausgerechnet Dylan, dessen Texte nie glatt und gefällig, sondern hoch intelligent sind, ist der wichtigste Mann der Popmusik geworden. Ein Kritiker hat jetzt etwas, wie ich finde, Wunderschönes über ihn geschrieben: „Bob Dylan hat mit seinen Liedern die Menschen freundlicherweise stets über Ihrem Niveau angesprochen und sie nicht mit Dummheit korrumpiert.“

Der Kritiker meinte das als Kritik an der heutigen Popmusik, aber das ist mir zu platt. Gute Texte gibt es auch heute. Dylan schreibt sie ja noch und er hat viele Künstler dazu inspiriert, es ihm nachzumachen. Nur was man gleich versteht, muss man nicht ein zweites Mal anhören.

Nein, man sollte von dieser Art der Menschenfreundlichkeit lernen, die Dylan so erfolgreich gemacht hat: Andere Menschen nicht für dumm halten, sondern sie herauszufordern – und geistig ernst zu nehmen. Und wenn Sie ihm, wie 1979, als er sich christlich taufen ließ, nicht folgen, nun gut. Er hat sich nicht beirren lassen.

Und so lange 13jährige „Knockin’ on Heavens Door“ singen und Schwermetallfans  „All along the Watchtower“ hören, ist für mich die Welt noch nicht verloren. 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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02-07-2020 – Schluss mit dem „Goldenen Schuß“

Heute vor 50 Jahren war Schluss mit dem „Goldenen Schuß“. Eine der beliebtesten Fernsehshows der 60er Jahre wurde am 2. Juli 1970 zum letzten Mal gesendet. Es war die erste interaktive Fernsehsendung in Europa. Zuschauer konnten indirekt eine Armbrust steuern, mit der auf eine Zielscheibe geschossen wurde. Die Show war so populär, dass sie auch die erste war, die ab 1967 in Farbe ausgestrahlt wurde.

Lang ist das her. Und manchmal verstehe ich die meist älteren Facebook-Nutzer, die Erinnerungen an die Vergangenheit posten: „Weißt du noch…?“ heißen die Seiten oder, „Wer das noch kennt…“ oder „Wir früher…..“

Nun ja, eines meiner Lieblingsworte aus der Bibel mahnt zum Gegenteil. „Wer seine Hand an den Pflug legt – oder sagen wir hier Bolzen – und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Nicht nur die Zukunft liegt vor uns, sondern auch das Leben, das wir jeden Tag ein wenig erlebnisreicher und besser machen können, sogar anders, wenn es sein muss.

Das ZDF hat den „Goldenen Schuss“ übrigens nicht deshalb eingestellt, weil er nicht mehr erfolgreich war, im Gegenteil. Aber man wollte das Programm neu gestalten, die 70er hatten begonnen, die Zukunft. Da sollte man nicht an Vergangenem kleben. 

Das Reich Gottes liegt immer vor uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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01-07-2020 – Der Weiße Hai

„Der weiße Hai“ war schon schockierend damals und einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Er bezieht sich auf ein reales Ereignis. An einem schönen 1. Juli im Jahr 1916 wurde ein Mann an der Küste von New Jersey von einem Hai angegriffen und getötet. Die Gefahr, durch einen Hai-Angriff umzukommen, ist übrigens ziemlich klein. Im vergangene Jahr starben laut Statista zwei Menschen weltweit bei 64 Hai-Angriffen. Das kann man also vergessen. Woher also der Schrecken? 

Im Film ist der Hai eine kalte Killermaschine. Mit dem kann man nicht verhandeln. Der kommt einfach und tötet. Er ist ein Symbol für den Tod überhaupt. Der steht auch plötzlich vor der Türe, bei jedem, meist unerwartet, oft klopft er und lässt einem noch Jahre, in denen er allerdings näher rückt und einen quält. Die ultimative Bedrohung, vor der man nur Angst haben kann. „Der weiße Hai“ war vielleicht deshalb so erfolgreich, weil man im Kino diese Angst ausleben kann. Man kann schreien oder sich die Augen zuhalten – und am Ende stolz sehen, wie dieser Tod überwunden wurde. Und man kann spüren, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass am Ende des Lebens neues Leben steht, Auferstehung nennen wir Christen das, Hoffnung auf Ewigkeit und Licht und neues Sein. Und dass all das, was wir in Liebe tun, Sinn hat und bleibt.

Seien Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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30-06-2020 – Asteroid Day

Heute ist der weltweite Asteroidentag. Am 30. Juni 1908 stürzte vermutlich ein Asteroid auf die Erde und löste in Sibirien große Verwüstungen aus. Er war vielleicht nur rund 50 Meter groß. Ähnlich groß war der Himmelskörper, der vor 50.000 Jahren in Arizona diesen Krater hinterließ. Relativ kleine Felsen, die örtlich große Katastrophen auslösen. Der heutige Asteroidentag erinnert auch daran, dass uns einmal ein größerer Himmelskörper treffen kann, wie vor 66 Millionen Jahren ein zehn Kilometer großer Himmelskörper, der die Dinosaurier ausrottete.

Und wir können nichts dagegen tun, zur Zeit jedenfalls noch.

Die Natur ist eben völlig empfindungslos und gnadenlos. Ein Ablauf von Ereignissen, nichts weiter.  Asteroiden kommen und gehen, ebenso wie Vulkanausbrüche, Erdbeben und Viren.

„Gott hat uns nur wenig kleiner als sich selbst gemacht“, heißt es und er Bibel. Er hat uns Geist und Verstand gegeben, um unser Leben in dieser Welt immer besser zu machen und gegen eine interessenlose Natur zu bestehen. Die Asteroiden können unsere Wissenschaftler heute nur aufmerksam beobachten; gegen Viren könne wir kämpfen und gewinnen: Indem wir uns vor deren Ausbreitung schützen und Medikamente und Impfstoffe entwickeln. Seien wir dankbar für die Wissenschaftler, die dies tun.

Gott segne uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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